
LAMPERTHEIM – In Zeiten vieler unerfreulicher Nachrichten aus aller Welt sind die „Musikalischen Grüße aus aller Welt“ der Starkenburg Philharmoniker der heiter stimmende, unterhaltsame Gegenpol. Zum „Festlichen Neujahrskonzert“ des 50-köpfigen Orchesters unter der Leitung von Günther Stegmüller waren am Sonntag 550 Zuschauer in die Hans-Pfeiffer-Halle geströmt. Zum 13. Mal in Folge sorgten die Starkenburg Philharmoniker für musikalische Glücksmomente. Große Gefühle inszenierte einst Franz Lehàr, dessen „Lustige Witwe“ in Paris spielte. Mit Schwung landeten die Zuschauer bei Leon Bernstein in New York im Musical „West Side Story“, die dramatische Liebesgeschichte in „Tonight“ mitzuerleben. Dann schnell mal nach Dänemark zu Carl Lumbye, um mit seiner Kopenhagener Eisenbahn im Dampfgalopp das große Abenteuer der Moderne um 1847 zu genießen. Als bewährte Reiseleiterin zu den 15 musikalischen Stationen mit halbstündiger Pause wusste Jutta Werbelow ihre Ansagen informativ und unterhaltsam zu gestalten, so wie man es von ihrer Moderation über die Jahre gewohnt ist. Bürgermeister Alexander Scholl hatte erstmals das Vergnügen, das Publikum zu dieser Veranstaltung von „cultur communal“ der Stadt Lampertheim willkommen zu heißen, die seit jeher in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Lampertheim präsentiert wird. Von Dänemark nach Afrika war es ein kurzer Sprung, um mit John Barry in der Filmmusik zu „Jenseits von Afrika“ inmitten einer Liebesgeschichte zu landen. Wem die Arie „Me Ilamam la primorosa“ von Gerónimo Giménez, die schwungvolle „Carmen“ von Georges Bizét und die Hymne „Granada“ von Augustin Lara spanisch vorkamen, lag vollkommen richtig. Alexandra Rojas, begnadet mit ihrer Sopranstimme, verlieh der Arie stimmungsvolle Höhen. Tenor Antonio Rivera schmetterte mitreißend Granada-Hymne.
Im Takt der universellen Liebe
Nach der Pause hatte sich Moderatorin Werbelow eine britische Fahne über die Schultern gelegt, einige Zuschauer im Saal schwenkten kleine Britenfahnen – das Signal für die inoffizielle britische Nationalhymne, der Marsch Nr. 1 aus der Reihe Pomp and Circumstance von Sir Edward Elgar, entstanden und uraufgeführt 1901. Der Text „Land of Hope and Glory, Mother of the Free“ war auf den beiden Großleinwänden zum Mitsingen zu lesen. Bei Hofe wird geknickst, in Anlehnung an diesen Brauch durfte sich das Publikum am Platz bewegen. Italien war zweimal angesagt: Mit „O mio babbino caro“ von Giacomo Puccini, von Alexandra Rojas gesungen, und „Musica Proibita“ von Stanislao Gastaldon, ergreifend von Antonio Rivera gesungen. Die Stippvisite in Ungarn mit dem Ungarischen Tanz Nr. 6 von Johannes Brahms erwies sich als temperamentvoll, voller Wildheit und Freiheit. Von Berlin zum Mond, diese fantastische Reise bahnt sich in „Frau Luna“ von Paul Lincke an, doch dann führte die Musik wieder nach Italien zu Ernest De Curtis – sehnsuchtsvoll beschwören Alexandra Rojas und Antonio Rivera „Non ti scordar di me“ – vergiss mich nicht. Rauschender Beifall belohnt die gefühlvolle Präsentation. Schnell noch nach Hollywood, wo einst galt: „Blondinen bevorzugt“ und ausgemacht war, dass „Diamonds are a girl’s best friend“, bewiesen von Marilyn Monroe und jetzt von Jutta Werbelow gesungen, stilgerecht mit wehendem Kleid. Dirigent Günther Stegmüller bändigte den Ventilator. Fröhlich im Duett nahmen Alexandra Rojas und Antonio Rivera am Ende die Seilbahn zum Vesuv mit „Funiculì, Funiculá“ von Luigi Denza. Eine Zugabe im Duett „Hab mich lieb“ und ein rhythmischer Applaus, der sich zu Ovationen im Stehen steigerte, waren mit dem Radetzky-Marsch nach zweieinhalb Stunden der krönende Abschluss.
Hannelore Nowacki
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