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  • Mo., 31. Mai 2021, 09:51 Uhr
    Kostenfreie Lesung der „HerbstZeitLosen“ für Kirchen und soziale Einrichtungen 

    Gegen Antisemitismus ein Zeichen setzen

    Andreas Kirsch, Ute Brozio und Heiner Kraft proben seit Anfang des Jahres für die szenische Lesung „Empfänger unbekannt“. Foto: Petra Gahabka


    LAMPERTHEIM – Sobald es die Corona-bedingten Einschränkungen wieder zulassen, möchten „Die HerbstZeitLosen“, eine AG der Volkshochschule Lampertheim, ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Daher bietet die Amateur-Theatergruppe in Zusammenarbeit mit cultur communal den Kirchen und sozialen Einrichtungen in und um Lampertheim kostenfrei die szenische Lesung „Empfänger unbekannt“ an. 

    Der Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in der Zeit der Machtübernahme von Adolf Hitler schildert den tragischen Verlauf einer Freundschaft im Spannungsfeld gemeinsamer Vergangenheit und der aufkommenden nationalsozialistischen Ideologie. In 19 Briefen erzählt die Autorin Kathrine Kressmann Taylor die Geschichte von Martin Schulse und Max Eisenstein. Beide tauschen sich zu Beginn über ihre Freundschaft, den Neubeginn, den Abschied aus. Doch mit jedem weiteren Schreiben entsteht eine spürbare Kluft zwischen ihnen, die letztlich zum Bruch führen wird. Martin wird zu einem Mitläufer, einem treuen Nazi, der alles vergisst und hinter sich lässt: seine Toleranz, seine moralischen Vorstellungen, vor allem aber die enge Freundschaft zu Max, dem Juden. 

    Bereits vor zwei Jahren haben „Die HerbstZeitLosen“ im Rahmen des Holocaust-Gedenkens der Stadt Lampertheim die Lesung mit großem Erfolg aufgeführt, die nun mit neuen Protagonisten am Start ist. Heiner Kraft wird in der Rolle des Max Eisenstein zu erleben sein, Andreas Kirsch übernimmt den Part des Martin Schulse. Die beiden Darsteller sind in Lampertheim keine Unbekannten. Kraft stand 1957 das erste Mal auf der Bühne, seitdem hat ihn die Leidenschaft für das Amateurtheater nicht mehr losgelassen. „Als Schauspieler und Regisseur bist du ein ewig Lernender, musst du ein ewig Lernender sein“, so seine Devise. Deshalb hat sich der Hofheimer in Seminaren in allen Sparten des Theaters weitergebildet: Schauspiel, Improvisation, Dramaturgie, Theatergeschichte, Regie, Licht, Tontechnik, Maske, Bühnen- und Requisitenbau. Die Liste seines künstlerischen Schaffens auf kommunaler- und Landesebene ist lang, 2014 wurde er vom Bund Deutscher Amateurtheater Berlin mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. 

    Bei „Empfänger unbekannt“ ist der 84-Jährige als Regisseur und Akteur im Einsatz. Seit Januar probt er mit Andreas Kirsch, der sich bei ihm eigentlich für einen digitalen Improvisationstheater-Kurs angemeldet hatte, für die Lesung. Wöchentlich sitzen sie über dem 70 Seiten langen Skript und erarbeiten sich Satz für Satz. Mit Bleistift werden Pausen, Lautstärke, Betonung, Geschwindigkeit oder der Blick ins Publikum vermerkt. Mal ist die Stimmung anklagend oder rechtfertigend, mal mitfühlend und verhalten, auch der Befehlston will gekonnt sein. Für Kirsch, der sonst bei den Fastnachtssitzungen des Lampertheimer Turnvereins als „de Kärsch aus de Römerstooß“ auftritt und Mitglied der hiesigen Volksbühne ist, ist die szenische Lesung, bei der er sich in die einzelnen Situationen seiner Rollenfigur hineinversetzen muss, Neuland. „Heiner korrigiert, wenn es sein muss. Ich bin froh über die Kritik, es ist ein sehr angenehmes Arbeiten mit ihm“, sagt er.  

    Die dritte im Bunde bei der rund einstündigen Veranstaltung ist Ute Brozio aus Ludwigshafen. Sie liest die Zwischentexte sowie den jeweiligen Empfänger, Absender und das Datum der Briefe. Der Stoff ist zweifelsohne starker Tobak. „Da muss man schon schlucken, wenn man sich mit dem Thema befasst“, merken Kraft und Kirsch an. Leider seien Rechtsradikalismus und Judenhass auch weiterhin sehr präsent. Da es gerade kirchlichen Einrichtungen ein Anliegen ist, gegen den zunehmenden Antisemitismus Stellung zu beziehen, bieten ihnen „Die HerbstZeitLosen“ die Lesung kostenlos an. Der Eintritt bei allen Lesungen ist frei. Petra Gahabka

    Kontakt

    Einrichtungen, die Interesse haben, die szenische Lesung „Empfänger unbekannt“ in ihren Räumen zu veranstalten, wenden sich bitte an Heiner Kraft, Telefon 01520-1779879.

     

     

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