Mi., 25. Januar 2017, 09:32 Uhr
Stehtischgespräch der evangelischen Johannesgemeinde in Neuschloß
„Geld regiert die Welt”
NEUSCHLOSS – In der Reihe „Stehtischgespräche“ lud die evangelische Johannesgemeinde zu einem Abend in ihren Gemeinderaum am Ahornplatz ein. Pfarrer Reinald Fuhr begrüßte die Gäste, die sich zunächst lässig mit einem Getränk an den mit Knabbereien bestückten Stehtischen sammelten, später jedoch recht intensiv eine Diskussion über das anstehende Thema entfachten. Das Thema, das die Menschheit schon immer bewegte lautete: Geld regiert die Welt.
Anhand einer Präsentation gab Fuhr zunächst ein paar Inputs in Form von provokativen Schlagworten wie „Ohne Moos nix los“ oder „Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts“. Auch Antworten, die Jesus Christus oder die Bibel zu dem Thema geben, regten zum Nachdenken an. Jeder kennt das Gleichnis vom reichen Kornbauern, der auf dem Höhepunkt seines Reichtums in die Ewigkeit abberufen wird und nichts von seinen irdischen Gütern mitnehmen kann. Und wer kennt nicht den Spruch: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel.
Desweiteren ist es eine Tatsache, dass die 62 reichsten Personen auf der Welt über das gleiche Vermögen verfügen, wie die Hälfte der Gesamtbevölkrung.
Reinald Fuhr führte an, dass es gerechtfertigt ist, wenn man sein Geld zum Lebensunterhalt durch eigene Arbeit erwirbt und dementsprechend auch seinen Lebensstil gestaltet. Als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden hieß es: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen“, was nichts anderes bedeutet, du sollst hart für dein Geld arbeiten.
Doch kann man deswegen Vermögen, dass durch Erbschaft, Zinsen oder einen Lotteriegewinn gewonnen wurde und für das man nichts oder nur wenig getan hat, als „sündiges Geld“ bezeichnen? Diese Frage erhitzte die Gemüter der Anwesenden weniger als vielmehr die Unterschiede der Bezahlung der einzelnen Berufsgruppen. Fuhr offenbarte anhand einer Tabelle, wie die Beamten in Deutschland besoldet werden und legte somit auch seinen eigenen Verdienst offen. Und wie gerechtfertigt ist es dann, dass wie im Moment die Busfahrer um einen Erhöhung ihres Stundenlohn von 11 auf 12 Euro 50 kämpfen? Auch der Ertrag der Lebensleistung, sprich die Rente, wurde kontrovers diskutiert. Wer legt fest, wer was verdient und warum verdienen Frauen in der Regel weniger als Männer mit gleicher Tätigkeit. Das Argument, dass die typischen Frauenberufe eh nur als Dazuverdienst zum Gehalt des Mannes anzusehen sind, hinkt. Die Kassiererinnen im Supermarkt sind nun mal in der Regel mit Männrn verheiratet, die ebenfalls aus den unteren Gehaltsschichten kommen und beide zusammen nicht so viel verdienen wie beispielsweise ein Oberstudienrat.
Ob ein staatliches Grundgehalt für alle, wie es derzeit in Finnland an einer Personengruppe getestet wird, für mehr Gerechtigkeit sorgt, muss sich erst noch zeigen.
Es wurde noch lange diskutiert und erwartungsgemäß kam man auch in Neuschloss nicht zu einer Lösung des Problems, an der auch der real existierende Sozialismus gescheitert ist.
Einzig das Thema „Geld regiert die Welt“ blieb als Tatsache am Ende stehen. ehr