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Di., 15. Oktober 2019, 09:22 Uhr
Kundgebung „Bring ein Licht gegen Rechts“ mit Kerzen und leidenschaftlichen Redebeiträgen
Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt mit 100 Teilnehmern
„Bring ein Licht gegen Rechts“ war das Motto der Kundgebung – viele Lichter strahlten in der Dunkelheit. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – In der Dunkelheit leuchteten die mitgebrachten Kerzen und bunte Knicklichter in den Farben des Regenbogens brachten bei der Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz am Freitagabend auch sichtbar das Bunte zur Geltung. Ewald Gleich, Bürgermeisterkandidat und SPD-Ortsvereinsvorsitzender hatte gemeinsam mit dem Verein „Biblis ist bunt“, den Jusos Ried, dem DGB und der DGB Jugend unter dem Leitsatz „Bring ein Licht gegen Rechts“ alle Bürgerinnen und Bürger zur Kundgebung eingeladen, um ein Zeichen für Toleranz, Freiheit und Demokratie zu setzen. Etwa 100 Menschen hatten sich versammelt, die den Rednern großen Applaus spendeten. „Gemeinsam mit Ihnen hier zu sein, macht mich stolz auf die Gemeinde Biblis – Biblis ist bunt“, sagte Gleich in seiner Rede, „wir haben es in der Hand heute zu zeigen, dass unsere Gemeinde eine erfolgreiche Demokratie ist – wir sind bunt statt braun, wir stehen zu den Menschen, die Hilfe brauchen.“ Im Gedenken an die Opfer des Anschlags in Halle, der dieser Kundgebung eine besondere Aktualität gab, lud Gleich die Teilnehmer zu einer Schweigeminute ein. Philipp Ofenloch von den Jusos nannte diesen Anschlag „eine abscheuliche Tat, angetrieben von Judenhass, dies als Alarmzeichen und Einzelfall zu sehen, das ist eine Verharmlosung“. Mit Blick auf die NSU-Morde und den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Neonazi stellte Ofenloch fest: „Das ist die erschreckende Lebenswirklichkeit, eine Herausforderung, die uns alle angeht und betrifft“. Gegen die Verrohung von Sprache und hasserfüllte Worte setzte Ofenloch eine respektvolle Sprache, Gewaltfreiheit, Vielfalt und Toleranz gegenüber anderen Meinungen. Auch dürfe die schweigende Mehrheit nicht schweigen. „Die AfD ist menschenfeindlich, das ist der Abgesang auf die Demokratie und keine Alternative“, meinte Ofenloch. „Wir sind mehr“, sagte Kreisbeigeordneter Karsten Krug mit Blick auf den „rechten Rand“ und die 92 Abgeordneten der AfD im Bundestag. Solide, mutige Politik auf allen Ebenen mahnte Krug an, es gehe darum Verantwortung zu übernehmen für die Umwelt und angesichts von 70 Millionen Flüchtlingen weltweit. Bürgermeister Felix Kusicka zitierte das Grundgesetz und betonte: „Die Würde des Menschen zu schützen ist Sinn der Demokratie“. Die Entwicklung in der Gemeinde Biblis fordere zum Handeln auf, denn auf erschreckende Weise reiche das Gedankengut der Vergangenheit aus dem Zweiten Weltkrieg bis zu den heutigen Rechtsextremisten, die sich im bürgerlichen Gewand zeigten und als Kümmerer auftreten. „Ihnen geht es einzig und allein um Macht und Einfluss“, sagte Kusicka und wies konkret auf Vorfälle in Biblis hin, bei denen es um gezielte Einschüchterung und Diffamierung gehe. So sei ein Auto mit Hakenkreuz und Judenstern zerkratzt, Mitarbeiter seien bespuckt worden. „Stopp, hier ist unser entschiedenes Eintreten gefordert – wir werden unser Deutschland, unser Biblis, Nordheim und Wattenheim nicht preisgeben“, rief Kusicka die Bürger auf. Ewald Gleich berichtete den Zuhörern, dass Kinder auf den Straßen in Biblis öffentlich beschimpft worden seien. Guenter Harsche vom Verein „Biblis ist bunt“, der sich bei der Bibliser Herbstvielfalt mit einem Informationsstand der breiten Öffentlichkeit vorgestellt hatte, erinnerte unter anderem an die Geschichte der Lichterketten als friedliche Demonstration infolge der Verbrechen in Hoyerswerder oder Solingen, als in München 400.000 Teilnehmer gezählt wurden. Bianka Muhs von der DGB-Jugend sprach die Versammelten als „liebe Freunde und Botschafter der Vielfalt“ an. „Ein wertschätzender Umgang ist Grundpfeiler unseres Zusammenlebens“, betonte sie und forderte auf, mit dem Herzen aufeinander zuzugehen, Haltung zu zeigen - denn „wir sind die Welt, wir machen sie bunt“. Zum Abschluss der einstündigen Kundgebung waren alle eingeladen, das Lied „We are the World“ zu mitzusingen, das Michael Jackson und Lionel Richie geschrieben hatten. Der englische Text war zuvor verteilt worden. Der Anregung von Ewald Gleich folgend, machten sich etwa 40 Teilnehmer auf den Weg zum Rathaus, wo sie an der Gedenktafel für die frühere Synagoge ebenso viele Kerzen auf den Boden stellten. Wie der TIP vom „Biblis ist bunt“-Vorsitzenden Guenter Harsche erfahren hat, stellten zwei Vereinsmitglieder, die die Kerzen wegräumen wollten, am Samstagmorgen fest, dass die Kerzen umgestoßen und zerstört waren, das Wachs auf dem Weg verteilt. Hannelore Nowacki
Zwei Bürgermeisterkandidaten Seite an Seite für Demokratie und Vielfalt: Ewald Gleich (SPD) und Bürgermeister Felix Kusicka. Foto: Hannelore Nowacki