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Fr., 23. August 2019, 08:50 Uhr
Bürgermeister Gottfried Strömer informiert über den aktuellen Stand zum Thema Entschlammung
Geschichte des Lampertheimer Altrheins im Schillercafé zu erleben
Auch Dieter Melchior vom NABU Lampertheim schaut sich die Ausstellung mit Interesse an. Foto: Petra Gahabka
LAMPERTHEIM – Zu weit draußen und nicht barrierefrei. Die Ausstellung „Der Lampertheimer Altrhein im Laufe der Geschichte“ wurde vom städtischen Infopunkt im „Fährhaus“ ins zentral gelegene Schillercafé verlegt. „Wir wollen jedem die Möglichkeit geben, sich zu informieren - Bevölkerung und Politiker“, sagte Karl-Heinz Barchfeld vom Projektbeirat zur Entschlammung des Lampertheimer Altrheins (PELA) am Montag bei der Eröffnung.
Mit der Ausstellung wird dem sonst leerstehenden Café auf dem Schillerplatz zumindest bis zum 8. September etwas Leben eingehaucht. Parallel zum Wochenmarkt lädt die interessante Schau dienstags und donnerstags jeweils von 9.30 bis 12 Uhr zu einem Besuch ein. Auf Stellwänden werden historische Bilder, Daten und Erkenntnisse zur Entstehung des Altrheins und seine Entwicklung über die Jahrhunderte präsentiert. Damit verbunden ist natürlich das Thema Entschlammung, welches seit rund 20 Jahren auf der Agenda steht. „Das Gewässer zu erhalten, um den Lampertheimern in Zukunft ein wunderschönes Naturschutzgebiet und all den vielen Nutzern weiterhin das Angebot bieten zu können, schließlich ist der Wassersport dort eine sehr wichtige Komponente“, das ist auch das Ziel von Bürgermeister Gottfried Störmer. Die Stadt und zahlreiche Interessenvertreter, darunter die 2016 aus der Altrhein-Initiative hervorgegangene PELA, die Arbeitsgruppe Lampertheimer Altrhein mit dem Wirtschafts- und Verkehrsverein als Träger, der NABU Lampertheim sowie Wassersport- und Angelvereine, setzten sich für eine Ausbaggerung ein.
„Wir stehen in Kontakt mit den verschiedenen Behörden, einerseits mit dem Regierungspräsidium Darmstadt, andererseits mit einigen Vertretern des Landes Hessen, und da tut sich auch etwas Neues auf“, berichtete der Rathauschef. Aus dem Hessischen Ministerium für Inneres und Sport sei ein Sachbearbeiter beauftragt, mit Lampertheim Kontakt aufzunehmen, um sich über die Sportstätte Lampertheimer Altrhein kundig zu machen. Es sei zu überlegen, ob man sich auf den reinen Sportteil reduziere oder ein gemeinsames Gespräch mit Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir , Peter Beuth (Minister des Innern und für Sport) und Umweltministerin Priska Hinz am Rande des Plenums hinbekomme. Es müsse geklärt werden, ob der Beauftragte aus dem Sportministerium für die drei Politiker Daten erheben soll. Ein wichtiger Besuch also, bei dem alle Felder der Problematik aufgezeigt werden könnten. Auch mit dem Bund gebe es Gespräche, demnächst sei ein Treffen mit Fachleuten vom Wasserschifffahrtsamt geplant, bei dem man sich darüber austausche, wie eine Entschlammung umgesetzt werden könnte und was es dabei zu beachten gelte.
„Es ist relativ viel im Gange“, so Störmer. Die PELA, welche die Ausstellung gemeinsam mit dem Stadtmarketing präsentiert, sei eine sehr agile Gruppe und unterstütze die Verwaltung entsprechend. Die Entschlammung sei eine wesentliche Frage des Geldes, „das sind mehrere Millionen, die uns ins Haus stehen“, machte er deutlich. Das könne die Stadt alleine gar nicht, mit Hilfe von Bund und Land vielleicht stemmen. Karl-Heinz Barchfeld griff den Ball auf: „Die Politik spricht mit uns, das finde ich wichtig.“ Die Sensibilität der Politik werde gebraucht damit die Priorität hoch bleibe. Kurios sei, dass es sich beim Altrhein um eine Bundeswasserstraße handle, bei der die Europäische Wasserrahmenrichtlinie vom Bund heruntergestuft wurde bis zum Land Hessen. Doch dieses brauche die Wasserqualität nicht zu verbessern, da es sich um eine Bundeswasserstraße handle. Der Bund lehne ebenfalls ab, da er das Gewässer nicht nutze. Letztendlich sei das Ausbaggern eine Kostenfrage, man müsse aufpassen „dass wir am Schluss nicht die Dummen sind“, mahnte Barchfeld.
Dass die Stadt auf Rückmeldungen von mobilitätseingeschränkten Menschen reagiert hat und die Ausstellung vom ersten Stock des „Fährhauses“ ins barrierefreie Schillercafé verlegt wurde, freute die Rollstuhlfahrer Doris Zachmann-Kraus und Jochen Halbauer vom Behindertenbeirat Lampertheim besonders. Für die Zukunft wünschten sie sich, dass bei der Planung von Veranstaltungen die Barrierefreiheit berücksichtigt werde. Barchfeld dankte den Ausstellungsmachern, der Familie Holz und Rudolf Klippel, dem Mitbegründer der Altrhein-Initiative, sowie dem Stadtmarketing für die Logistik. Die Fotos und Texttafeln könnten zu anderen Anlässen wieder verwendet werden, merkte Beatrix Holz an. „Es ergeben sich vielleicht neue Aspekte, dass man etwas Positives hinzufügen kann. Das wäre wunderbar, denn der Altrhein ist einfach ein Stück Lampertheim.“ Petra Gahabka