Mo., 29. Mai 2017, 12:08 Uhr
„Sporttalk“ beim „Tag des Sports“ mit Professor Banzer und Dr. Rolf Müller
Gestern, heute und morgen – wie geht es mit dem Sport weiter?

Im Sporttalk richteten die Gesprächsteilnehmer ihren Blick vor allem auf die Zukunft (von links): Steffen Brinkmann, Moderator Marcel Kilian, Klaus-Peter Fritz, Bürgermeisterin Barbara Schader, Professor Winfried Banzer, Dr. Rolf Müller, Rainer Uhrig, Andreas Röß. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – In der Gesprächsrunde „Sporttalk“ mit Bürgermeisterin Barbara Schader ging es nach einem Rückblick in die weit über hundertjährige Geschichte des Sports in Bürstadt vor allem um die sportliche Zukunft, die gesellschaftspolitischen Aufgabenstellungen des Sports und den geplanten Bürstädter Sport- und Bildungscampus. Moderator Marcel Kilian stellte die Fragen. Die Vereine waren vertreten durch Andreas Röß, Erster Vorsitzender des TV 1891, JFV-Jugendleiter Rainer Uhrig, Klaus-Peter Fritz vom 1. Judo-Club Bürstadt und Steffen Brinkmann, Erster Vorsitzender des Pfeil- und Bogen-Clubs Bürstadt, als weitere Experten in Sachen Sport der Einladung gefolgt: Professor Winfried Banzer, Sportmediziner an der Uni Frankfurt, und Dr. Rolf Müller, Präsident des Landesportbundes Hessen. Lachende, strahlende Kinder, die beim Sport Spaß haben, sind für Andreas Röß wichtig. Der TV versuche immer etwas Neues anzubieten, frisch zu bleiben. Daran habe sich seit 125 Jahren nichts geändert, schwierig sei hingegen das Ehrenamt geworden, daher sein Appell an die Mitbürger: „Helft allen Vereinen, das macht eine Stadt aus, eine Stadt mit Herz“. Einst war Bürstadt eine Stadt des Fußballs, die Vereine hatten sich in den 1980er Jahren weit hochgespielt, Rainer Uhrig erinnerte sich lebhaft an diese „Sturm- und Drangzeit“. Mit der Gründung des JFV im Jahr 2011 hätten die beteiligten Bürstädter Vereine im Jugendbereich die ersten Schritte gemacht, um an die erfolgreiche Zeit anzuknüpfen. Auch im Seniorenbereich könne in Zukunft ein Zeichen gesetzt werden. Mit nur einer Turnmatte bei der Volkshochschule hat es 1975 angefangen, drei Jahre später wurde der 1. Judo-Club Bürstadt mit 40 Mitgliedern gegründet, berichtete Klaus-Peter Fritz. Bei den Kindern werden die Weichen gestellt, deshalb hätten beim 1. Judo-Club die drei- bis sechsjährigen Kinder die besten Trainer. Im Trend steigend bis zur Olympiade ordnet Fritz die Erfolgsaussichten ein. Auch der Pfeil- und Bogen-Club mit 170 Mitgliedern setzt erfolgreich auf die Jugendarbeit, betonte Steffen Brinkmann. Zur Gaumeisterschaft werden 150 Teilnehmer erwartet, dabei sind dreißig eigene Schützen. Bürgermeisterin Schader sprach von einer „ganz großen Zukunft“ des Sports in Bürstadt, dabei komme es auf genügend Trainer, Sportanlagen und auch auf die Vereinsmitglieder an, die nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Auf den Sport sieht Dr. Rolf Müller zahlreiche weitere gesellschaftspolitische Aufgaben zukommen wie Gesundheitsaspekte, die Integration von Flüchtlingen und Migranten und wie die Schüler, die ganztags in der Schule sind, sportlich betreut werden können. Bürstadt habe die Zeichen der Zeit erkannt, „Bürstadt ist eine Ausnahme“, meinte der Experte. „Sie haben Ihrer Zeit voraus etwas umgesetzt“, meinte mit großer Anerkennung der Frankfurter Professor Banzer, der mit Blick auf den „Tag des Sport“ sagte: „Ich habe schon vieles gesehen, aber das ist etwas Besonderes – herzlichen Glückwunsch“. Hoffnungsvoll schätzt er die hiesige Jugendarbeit ein. Sport sei ein soziales Bindeglied, dank der Sportpolitik und der Vereine. Die Verbindung Gesundheit und Sport mit einem breiten Vereinsangebot gebe es schon seit Jahrzehnten, doch im neuen Präventionsgesetz von 2016 werde der organisierte Sport in Sportvereinen ausdrücklich genannt. Aus dem Gesundheitssystem seien Sport und Bewegung nicht mehr wegzudenken. Der Sport- und Bildungscampus mit interdisziplinärem Ansatz, die Bewerbung zur Aufnahme in das Förderprogramm „Soziale Stadt“, Gesundheit und Bewegung mit Begegnung waren die Themen, die Bürgermeisterin Schader in den Blickpunkt rückte. Ihr Bild der Zukunft: „Wir werden hier schlaue Kinder haben und wir werden hier alt werden, das ist der Weg“. Hannelore Nowacki