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  • Do., 14. Mai 2020, 08:57 Uhr
    LIEBENZELLER GEMEINDE: „Corona“-Gottesdienst in Hofheim – ein Erfahrungsbericht 

    „Gewissheit, dass Gott zwischen die anderthalb Meter geht – und verbindet”

    HOFHEIM – Sonntag, 10. Mai, 10.25 Uhr. Ich befinde mich auf dem Weg zum Gottesdienst. Nein, falsch: Zum Testlauf Gottesdienst. Mit Voranmeldung und Teilnehmerliste. Zum Zweck der Rückverfolgung, falls jemand erkranken sollte. Meine Gedanken gehen zurück in den März. Damals stand unser Familien-Erlebnis-Gottesdienst kurz bevor: Der Shutdown hat ihn verhindert – und eine neue Phase des Gemeindelebens eingeläutet: Gottesdienst via Playlist auf YouTube, Krabbelgruppe und Kindertreff in die Wohnzimmer der Besucher, Lobpreis-Abend als Livestream mit Kommentarfunktion. Stille in den Gemeinderäumen – Technik, Kabel, Kameras im Gotteshaus. Viele Telefonate, CD-Gottes-Dienst für ältere Gemeindeglieder – und die überraschende Erkenntnis, dass manch einer davon technisch affiner ist als gedacht. 

    Ich bin an „meinem Gemeindehaus“ angekommen: Begrüßt werde ich von einem Ordner mit Mundschutz, Handschuhen und Desinfektionsmittel. Einige Spritzer in meine Hände, das Handout für den Gottesdienst in Stichworten: Eineinhalb Meter Sicherheitsabstand zwischen den Stühlen, kein Gesang und die Bitte, danach zügig den Saal zu verlassen. Alle sind sehr bemüht, nicht den Anschein von Leichtsinnigkeit aufkommen zu lassen. Ich begebe mich an meinen Platz. Man begrüßt einander, sehr bemüht, sich wahrzunehmen. Der Gottesdienst beginnt. Wir werden von vorne begrüßt: Es ist schön, sich endlich wiederzusehen. Und zugleich spüre ich einen Stich, denn ich denke an die, die gerade nicht dabei sein können: Nicht nur unsere älteren Geschwister, auch unsere jungen Familien, deren Kinderprogramm noch nicht stattfinden kann. 

    Ich überlege: Wird dieses Format Gottesdienst uns nicht noch mehr auseinanderbringen: Die, die dabei sind und die, die zu Hause bleiben müssen. Ich schaue kurz in mein Handy: Unsere wenigen Techniker haben in den letzten Tagen ganze Arbeit geleistet und die ersten Kommentare der zu Hause Gebliebenen sind zu lesen. Wir grüßen sie über den Live-Stream mit einem lauten Applaus. 

    Das erste Lied wird eingespielt. Ich lausche überrascht: Es ist eines unserer bekannten Gemeindelieder: In vertrauter Weise gesungen und gespielt von einem jungen Mann unseres Musikteams: „Alle Scherben, alles Zerbroch’ne, durch deine Gnade wieder geheilt.“ Es berührt mich. Und ich beginne zu ahnen: Gott ist da. Trotz Mindestabstand. Wir werden eingeladen, diesem Gott zu begegnen.

    Die Predigt fordert mich heraus: Es ist diese alte Geschichte, in der das Volk Israel die Stadt Jericho sieben Mal umkreist – und sie schließlich einnehmen kann. Was ist mein Jericho? Wo liegen meine Herausforderungen? Was muss ich umkreisen und mit meinem Gott besprechen? Das „Amen“ ruft mich zurück in meinen Corona-Gottesdienst. Kurz habe ich tatsächlich vergessen, wie anders alles ist. Wir hören ein weiteres vertrautes Lied. Diesmal summe ich mit, mit Mundschutz und geschlossenem Mund. Aber mein Herz – das hat sich verändert.

    Und ich begreife: Doch, es ist gut, langsam wieder zu öffnen. Mit aller Vorsicht. Und dem unbedingten Willen, die Gemeinschaft zu erhalten. Aber mit der tiefen Gewissheit, dass Gott zwischen die anderthalb Meter geht – und verbindet. 

    So können wir auch jetzt gemeinsam Glauben leben. 

    Sie möchten an einem der nächsten Gottesdienste teilnehmen? Unter www.hofheim.lgv.org finden Sie alle wichtigen Hinweise zum Besuch, aber auch den Link für den Live-Stream. Wir freuen uns auf Sie. zg

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