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  • Fr., 04. Juli 2014, 09:34 Uhr
    2. Informationsforum im Bürgerzentrum zur Stilllegung und zum Rückbau des Kernkraftwerks sorgt für Kontroversen / Weiteres Forum im Oktober

    Gibt es ungefährliche Dosiswerte und wie wird gemessen?

    Die Tagesordnung, die sich das 2. Informationsforum vorgenommen hatte, konnte bis auf zwei Punkte innerhalb von drei Stunden abgearbeitet werden. Ausführlichen Vorträgen und Stellungnahmen von Ministerium und Kraftwerksbetreiber folgten zum Teil hitzige Redebeiträge von Bürgern. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Die Tagesordnung des 2. Informationsforum zur Stilllegung und zum Rückbau des Kernkraftwerks umfasste nur vier Punkte und Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf, der zusammen mit dem Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka gleichberechtigter Vorsitzender des Informationsforums ist, stellte den knapp vierzig Bürgern im Publikum diesmal eine kurze Sitzung in Aussicht. Ganze drei Stunden hatte das 1. Informationsforum im Mai gedauert und die Aufmerksamkeit der Zuhörer in Anspruch genommen. Tatsächlich entwickelte die Versammlung am Dienstag eine Dynamik durch zahlreiche kritische Fragen, die auf zwei detailreiche Vorträge von Vertretern des Ministeriums Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu den Themen Umgebungsüberwachungsprogramm, Freimessung und Freimessungsgrenzen folgten.

    Auch leitende Mitarbeiter des Kernkraftwerks nahmen zu den Fragen von Strahlenschutz und Messstellen Stellung. Kritische Bürgerstimmen wollten Gewissheit, dass für die Strahlenmessung in der Phase der Stilllegung und des Abbaus des genügend Messstellen vorhanden sind. Dieses Anliegen will das Informationsforum nun „verstärkt dem Ministerium als Ergebnis der  Veranstaltung vortragen“, wie der Vorsitzende Schimpf versicherte. Einer Anregung aus dem Publikum folgend, sollen den Bürgern beim nächsten Informationsforum für ihre Unterlagen Tische zur Verfügung stehen. Anwesend waren zunächst 16 Mitglieder des Informationsforums, vier Mitglieder hatten sich entschuldigt, wie Schimpf mitteilte.

    Im Laufe der Versammlung bis zum Ende hatten sich die Sitzreihen im großen Saal des Bürgerzentrums deutlich gelichtet. Abweichend von der Tagesordnung und von der im Mai verabschiedeten Geschäftsordnung hatte das Informationsforum Fragen der Bürger bereits zu den Vorträgen zugelassen, eine Regelung, zum Verständnis der komplexen Themen beitragen sollte. Die Geschäftsordnung sieht eigentlich eine Fragerunde am Schluss vor. Nach drei Stunden stand fest, nicht alle Tagesordnungspunkte konnten abgearbeitet werden – für das 3. Informationsforum im Oktober (der genaue Termin wird noch bekannt gegeben) blieben die Themen Erdbeben und Flugzeugabsturz übrig.

    Das 2. Informationsforum war zum 1. Juli einberufen worden, um Bürgern vor Ende der öffentlichen Auslegungsfrist am 4. Juli um 24 Uhr noch Hinweise für Einwendungen geben zu können und Fragen zu beantworten. Eindringlich betonte auch Guntram Finke, im Umweltministerium als Abteilungsleiter zuständig für kerntechnische Anlagen und Strahlenschutz, dass nur Einwendungen mit Begründung zulässig seien, die entweder mit der Post oder als Fax am 4. Juli vor 24 Uhr beim Ministerium eingehen. Nur durch diese Einwendung sei die weitere Teilnahme am Verfahren mit der Möglichkeit Klage zu erheben gewährleistet. Der Erörterungstermin findet am 11. November statt.

    Hannelore Nowacki


    Infokasten:

    Wird ausreichend gemessen?

    Untersucht werden Ableitungen von Abwasser und Abluft. Am Zaun des Kernkraftwerkes sind vier Messsonden aufgestellt, zwölf Messpunkte sind in der Zentralzone von 1,5 Kilometern und im Mittelzentrum von 10 Kilometern vorhanden. Die Ergebnisse der Umgebungsüberwachung fließen in Jahresberichte ein, die Beweissicherung der Fernüberwachung erfolge seit 1990 durch Verlaufskurven. Die Überwachung im Abstand von 3 Kilometern werde über zwei Tage mit 10-Minuten-Mittelwerten gemessen. Da der Rückbau noch nicht genehmigt sei, werde das bisherige Umgebungsüberwachungsprogramm weitergeführt. Nur eine Messstelle sei abgebaut worden, die nicht erforderlich sei. „Die Behörde will beruhigen“, meinte ein Bürger aufgebracht und erhielt Applaus. Seine Befürchtung: „Durch den Abriss werden geschlossene Systeme geöffnet, das ist eine geänderte Realität“. Auch RWE überwache den  Rückbau und betreibe Messstellen, um sicherzustellen, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden, erklärte der RWE-Strahlenschutzleiter.

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