In der Großgemeinde Biblis ist Glasfaser bis ans Haus geplant. Foto: www.pixabay.com
BIBLIS/WATTENHEIM – Zur zweiten Bürgerversammlung in diesem Jahr hatte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Konstantin Großmann die Bürger aus der Großgemeinde Biblis am Dienstagabend ins Wattenheimer Dorfzentrum eingeladen. Etwa die Hälfte der fünfzig aufgestellten Stühle war belegt, interessierte Bürger, Ortsvorsteherin Sigrid Ambros sowie weitere Mandatsträger waren gekommen. Sitzungsleiter Großmann stellte „ein grobes Zeitfenster“ von drei Stunden in Aussicht, das jedoch schon nach ein dreiviertel Stunden geschlossen werden konnte. Nur Fragen von allgemeinem Interesse seien zulässig, betonte Großmann. Unter dem Motto „Bürger fragen – die Gemeinde antwortet“hatten die Bürger das Angebot, Fragen schriftlich vorab einzureichen oder in der Versammlung vorzutragen. Großmann hatte die Fragen vier Themenblöcken zugeordnet: 1. Wohnen und Bauen; 2. Familie, Sport, Kultur und Soziales; 3. Infrastruktur (mit Verkehr) und 4. Umwelt sowie Wirtschaft und Digitalisierung, weitere Fragen unter Sonstiges. Bürgermeister Volker Scheib nahm für die Gemeinde Stellung. In der Wattenheimer Ortsrandlage Im langen Wingert haben Anwohner den Wunsch ihren Garten am Haus durch Ankauf einer Grünfläche zur zum günstigen Preis von 20 Euro/Quadratmeter zu erweitern. Das Problem: Nach Bebauungsplan ist dies eine Ausgleichsfläche. Aus der Problemhistorie berichtete Bürgermeister Scheib mit Hinweis auf einen Beschluss der Gemeindevertretung 2020 und drei Ortsbeiratssitzungen.So hätten Anwohner des Golfparks wegen Nichtbeachtung des Bebauungsplans Schwarzbautenzurückbauen müssen. Auch Im langen Wingert geht es bei der Aufschüttung von Flächen am Grundstücksrand um widerrechtliches Handeln. Scheib zeigte für diesen Fall zwei Optionen auf, den Rückbau oder Ausgleichsflächen an anderen Ort mit dem Kauf von Ökopunkten zu je 52 Cent zu schaffen. Der Wunschpreis von 20 Euro sei wegen der hohen Kosten nicht zu halten, Lösungsvorschläge würden geprüft. Stadtplaner Dr. Schepp habe errechnet, dass eine neue Ausgleichsfläche am Friedhof, die im Eigentum der Gemeinde ist, die vierfache Größe haben müsste. Als Ziel nannte Scheib, rechtssichere Angebote zu schaffen bei Wahrung städtebaulicher Optik. Zudem gehe es um eine Schablone für das zukünftige Vorgehen bei anderen Gebieten. „Keine leichte Aufgabe“, meinte Scheib, der sich auf wiederholte Nachfragen in der Preisfrage nicht festlegen wollte, schwankend zwischen 75 und 85 Euro oder auch mehr. Der Anwohner gab zu verstehen, dass er einen solchen Preis für 248 Quadratmeter Grünfläche nicht zahlen würde. Diese Fragen ließen sich nur gemeinschaftlich lösen, meinte Scheib, es könne auch Teillösungen geben. Großmann wies darauf hin, dass auf dem Gelände nicht gebaut werde. Eine Anregung zum 2. Themenblock betraf die Seilbahn auf dem Spielplatz, die durch Bau eines Podests auch für Sechsjährige nutzbar sein soll. Für Spielplätze stehe der Gemeinde ein jährliches Budget von 5.000 Euro zur Verfügung, teilte Großmann erklärend mit. Die Verkehrslage in Wattenheim gibt offenbar immer wieder Anlass zu Ärger und zu Fragen. Eine Umgehungsstraße über Omlor-Gelände sei nicht geplant, teilte Scheib mit, Omlor verfülle nur Flächen. Beide Blitzer in Wattenheim werden mangels Berechtigung abgebaut. Bei der Forderung nach Parkbuchten gab Scheib zu bedenken, dass dadurch Parkmöglichkeiten entfallen. Er setze auf den Dialog mit den Bürgern und auf die Vernunft, der man eine Chance geben solle. Sonst komme das Ordnungsamt. Zum Beispiel müsse laut ZAKB für Müllfahrzeuge eine Straßenbreite von 3,58 Meter eingehalten werden. Weiteres Thema war der Wunsch nach gegenläufiger Radverkehrsführung. Am Sportplatz in Nordheim wünscht die Gemeinde wieder einen Gastronomiebetrieb, allerdings müsse dieser barrierefrei sein, mit Außengastronomie und den Hygienevorschriften entsprechen, um wirtschaftlich zu arbeiten, machte Scheib auf eine Sachstandsanfrage zum Leerstand deutlich.
Digitaler Vorsprung und Probleme im Bauamt
Glasfaser bis ins Haus ist in der Großgemeinde Biblis geplant, Wattenheim würde sogar beste Voraussetzungen für einen sehr schnellen Ausbau bieten, teilte Großmann mit und machte eine vielversprechende Ansage: „Es wird flächendeckend ausgebaut“. DerKooperationsvertrag mit der Telekom sei in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) in Prüfung. Bürgermeister Scheib rechnet „Richtung September“ mit dem Start. Glasfaser werde bis zum Haus verlegt, auch wenn noch kein Anschluss gewünscht sei. Bei sofortigem Anschluss spare man aber 800 Euro. Großmann erwartet den Ausbau bis in anderthalb Jahren, um die „weißen Flecken“ außerhalb wolle man sich kümmern und Fördermittel finden. „Alles was auf der Seele brennt“ kam unter Sonstiges zur Sprache. Beklagt wurde von zwei Bürgern die lange Leitung zum Bauamt, das telefonisch bei aller Bemühung über 14 Tage nicht erreichbar sei. Bürgermeister Scheib versprach durch organisatorische Maßnahmen Besserung, jedoch fehle es an Fachpersonal, Stellen könnten mangels Bewerbern nicht besetzt werden. Ein Bürger, der nach eigenem Bekunden vor 15 Jahrenzugezogen war, sparte nicht mit Lob für das Gurkenfest und ist insgesamt mit dem kulturellen Angebot zufrieden. Die zwei kommenden Bürgerversammlungen finden in Biblis statt, teilte Großmann mit. Bürgermeister Scheib lädt die Bürger zu Veranstaltungen ein: Am 18. Juli Sicherheitskonferenzzum KOMPASS-Programm, am 27. Juli um 19 Uhr im Rathaussaal ein Seminar zur Grundsteuer mit einem Steuerberater als Referenten und am 18. August geht es im Rathaussaal ums Heizen ohne Öl und Gas mit einem Energieberater – dies sei ein gewinnbringender Abend. Hannelore Nowacki