Stadtprinzessin Alexandra I. darf mit dem Goldenen Schlüssel triumphieren, aber nur bis Aschermittwoch. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Wenn die Fastnacht zum Endspurt ansetzt, kann man beim Rathaus einiges erleben. Ein buntes Spektakel wird jedes Jahr an Weiberfastnacht aufgeführt, diesmal mit Feuer und Rauch und Löschmannschaft. „Mää henn die Zukunft feschd im Blick, doch ohne Mensche gibt’s koa Stück!“ war das Motto, das witzig und mit einer dicken Portion Selbstironie der närrischen Zeit Tribut zollte. Fantastische Kräfte setzte der närrische Rathaussturm im Rathaus frei, es ging offenkundig darum, Spaß zu haben und der Narrenschar die Regentschaft nicht widerstandslos zu überlassen. In Erwartung der kommenden Ereignisse hatte sich unter dem blassblauen klaren Abendhimmel eine beachtliche Zuschauermenge eingefunden, als von Ferne der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr zu hören war. Im Gefolge der fastnachtlich dekorierten Musiker mit Stabführer Erik Minnder an der Spitze zogen die Fastnachtsvereine und ihre Garden auf dem Festplatz vor dem Rathaus ein. Prächtig im vollen Ornat, platzierte sich das Stadtprinzenpaar Alexandra I. und Thomas II. mit Blick zum Rathaus, flankiert von den Repräsentanten der Vereins-AG. Eine warnende Durchsage schallte über den Platz: Achtung! Achtung! Seid ihr Spione? Anschließend geht es ins Auffanglager Messplatz Bobstadt, damit die auch was zu lachen haben“. Die Rathausmannschaft hatte mit zukunftsträchtiger Strategie und Technik aufgerüstet - „Verwaltung 6.0“ stand auf dem Programm. Die beiden Hausmeister „Karl und Fritz“ (Birgit Barmann und Uschi Tesseraux von der Kita Sonnenschein) hatten zwar ordentlich gekehrt, wollten aber keinen reinlassen in die Zukunftswerkstatt. „Da kann ja jeder kommen“, moserten sie. Mit Anweisungen zum Schunkeln brachten sie besenschwingend die Runde in Schwung. Nachdem die bunte Narrenschar dann auch ihre Frage „Seid ihr brav, wollt ihr mal gucke?“ zufriedenstellend beantwortet hatte, präsentierte die Verwaltung 6.0 ihr Portfolio, angefangen von der „Einheit Ordnungsamt und Verkehr“ bis zur „Einheit Stadtentwicklung und Bauwesen“. Wovon man heute noch gar nicht zu träumen wagt, wird mit Verwaltung 6.0 Wirklichkeit – die „Einheit Personalmanagement“ sucht und findet einen Bachelor mit roter Rose, heute bekannt als Wirtschaftsförderer Tim Lux, der aber auf jeden Fall „durchgescannt“ werden musste.
Weißer Rauch und weiße Fahne – Bürgermeisterin Barbara Schader ist bereit zur Kapitulation vor der Narrenschar und zur Übergabe des Goldenen Schlüssels der Stadt Bürstadt. Foto: Hannelore Nowacki
Mit Aufkleber auf der Stirn als Sicherheitsnachweis darf er passieren, das hübsche Sicherheitspersonal lacht zufrieden. Das Historische Rathaus ist in ferner Zukunft geschrumpft, die Baupläne landen im Feuer, angefacht vom „Mann für alle Fälle“ (Klaus Ofenloch vom Betriebshof) im türkisfarbenen Glitzergewand, der zum Glück über diverse Knöpfe wie „Notknopf“, „An“ und „Aus“ verfügt. Schnell ist eine Löschmannschaft mit Fahrzeug zur Stelle. Bürgermeisterin Barbara Schader, das Stadtprinzenpaar und die Präsidentin der Vereins AG Sandra Beilstein greifen zur Spielzeugspritze, bald raucht es nur noch. In gereimter freier Rede wendet sich die Bürgermeisterin an die Narrenschar, auch Präsidentin Beilstein erhebt die Stimme. Zeit die weiße Fahne zu schwenken, die Bürgermeisterin ist bereit, den Narren den Goldenen Schlüssel der Stadt zu überlassen. Strahlend nimmt ihn Stadtprinzessin Alexandra I. entgegen. „Nun brauchen wir bis Aschermittwoch nicht mehr zu arbeiten“, ließ die Bürgermeisterin die Zuschauer wissen. Nach feierlicher Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde verkündeten die neuen Regenten über das Rathaus ihre elf Paragrafen. Die Prinzessin wünschte für Rettungsfahrzeuge immer eine Rettungsgasse, der Prinz für die Feuerwehr immer freie Fahrt, zum Fastnachtsumzug am Sonntag soll die Sonne scheinen und „seid alle närrisch gut gelaunt“. Letzter Paragraf: „Singt und schunkelt alle mit, die Bürstädter Fastnacht ist der Hit“. Im Rathaus wurde die Übernahme anschließend feierlich begossen. Hannelore Nowacki