LAMPERTHEIMER IMKER: Erster Honig des Jahres von ausgezeichneter Qualität
Goldgelbe Frühtracht geerntet
Flüssiges Gold: Die diesjährige Frühtracht überzeugt durch ausgezeichnete Qualität. Foto: www.pixabay.com
LAMPERTHEIM – Goldgelb faltete sich die zähe Flüssigkeit auf das Sieb, tropft langsam in den Behälter darunter. Imker Markus Reitz ist zufrieden. Höchstens 20 Prozent Wasser dürfe die süße Kost enthalten, erst dann sei es Honig, erklärte er. „Mit 15 bis 16 Prozent haben wir einen sehr guten Wert dieses Jahr“. Am vergangenen Wochenende wurde somit der erste Honig des Jahres geerntet. Die sogenannte Frühtracht entsteht bis zum 15. Juni. Danach folgt die Sommertracht.
Eng waren sie im Winter zusammengerückt und hatten ihre Königin umschlossen, um sie vor der Kälte zu schützen. Doch mit den ersten Krokus- und Haselblüten kommen auch die Arbeiterinnen wieder zum Vorschein. Der erste Nektar wird gesammelt. „Durch den Klimawandel beginnt die Saison immer früher“, weiß Reitz. War man es lange gewohnt, die Arbeiterinnen erst Ende März zu sehen, hätten sie in diesem Jahr schon zu Beginn des Monats ihre Tätigkeit aufgenommen. Und auch die Königin hat wieder Arbeit: Bis zu 2.000 Eier legt sie am Tag. Schließlich hat eine Arbeiterin nur eine Lebenserwartung von höchstens fünf Wochen. Die Königin hingegen wird bis zu 5 Jahren alt.
Imker Reitz bietet seinen Völkern in den Honigrähmchen eine mit Sechsecken strukturierte Wachsplatte als Bauvorgabe. Diese wird rege genutzt, sodass an den Rähmchen bald hunderte von ordentlich aneinanderliegenden Honigzellen entstehen. Bis zu drei Kilometer weit entfernen sich die Bienen beim Sammeln von ihrem Stock. In schlechten Zeiten sogar noch darüber hinaus. Für ein Kilogramm Honig fliegen sie zwischen drei und fünf Millionen Blüten an und legen dabei insgesamt ca. 100.000 Flugkilometer zurück. Erst durch die beiden Enzyme, mit denen die Bienen den Nektar versetzen, kann Honig entstehen. Für die richtige Konsistenz sorgen die Arbeiterinnen an kalten oder nassen Tagen. Dann bleiben sie in ihren Stöcken und trocknen das Sammelgut mit ihren Flügelschlägen. Letztlich werden die Zellen mit dem sehr reinen Deckelwachs verschlossen. Dann ist es an der Zeit, den Honig zu ernten.
Imker Markus Reitz hat am vergangenen Wochenende den ersten Honig des Jahres geerntet. Foto: Nadine Schütz
Bei Imker Reitz geschieht das in Teamwork. Mit kenntnisreicher Unterstützung von Tochter Greta (9 Jahre) und Sohn Emil (5 Jahre), von denen sich jeder schon um sein eigenes Bienenvolk kümmert, entdeckelte Gattin Anja am Samstag unzählige Rähmchen. Beim Einsetzen in die Wabenschleuder half der affine Nachwuchs auch dem Familienvater. Das Tragen von Haarnetz, Kittel und Einweghandschuhen sind dabei selbstverständlich, denn Honig ist ein Rohprodukt. Der Höhepunkt folgte, als der erste Honig floss und mit einem kleinen Holzlöffelchen probiert werden konnte.
„Leider“, so Reitz, „ werden immer wieder Honigzargen oder sogar ganze Völker geklaut.“ Im Gegensatz dazu stünden diejenigen, die sich aus Gründen des Insektenschutzes einfach einen Bienenstock in den Garten stellten. Die Honigbiene sei jedoch ein hochgezüchtetes Nutztier und es verlange gute Kenntnisse, der Pflege eines Bienenvolkes gerecht zu werden, so Reitz. Daher freue er sich über jedes wahre Interesse an der Imkerei. Er steht bereits für fünf werdende Imker Pate. Reitz schließt: „Wer den Insekten helfen will, tut ihnen mit Trachtpflanzen für Schmetterlinge und Wildbienen in seinem Garten Gutes.“ Honig aus Lampertheim sowie alles rund um die Imkerei unter www.lampertheimer-stadthonig.de Nadine Schütz