
LAMPERTHEIM – Die Überlegungen und Pläne zum Umbau der Domkirche sind kein Schnellschuss – der Bauausschuss der Lukasgemeinde befasst sich schon seit drei Jahren mit dem Bauprojekt, das zu einer zukunftsfesten Innensanierung und Umgestaltung der Domkirche führen soll. Die Domkirche, erbaut von 1863 bis 1868, bestimmt die Stadtsilhouette von Lampertheim und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Außerdem bietet das Gotteshaus mit der großen blauen Vleugels-Orgel Raum für Kultur und Veranstaltungen – der Orgelsommer mit Kantorin Heike Ittmann ist alljährlicher Besuchermagnet. Nachdem die Vorarbeiten und Vorentscheidungen weitgehend vorliegen, hatte der Kirchenvorstand zu einer Gemeindeversammlung am Donnerstagabend in die Notkirche eingeladen, um das Bauprojekt anhand einer Präsentation des Darmstädter Architekturbüros Macholz der Öffentlichkeit vorzustellen. Pfarrerin Sabine Sauerwein erläuterte in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen auf die Gottesdienste, Trauungen, Nutzung der Vereine und schließlich auf die Weihnachtskonzerte im kommenden Jahr, die in der Domkirche nicht stattfinden können. Ab Ostern 2028 soll die Domkirche wieder vollständig zur Verfügung stehen. Auf die Einweihung freut sich auch Dekanin Sonja Mattes, wie sie bei ihrer Wortmeldung zum Ausdruck brachte. Da erst der Vorentwurf vorliege, könnten die Kosten noch nicht beziffert werden, ließ Pfarrerin Sauerwein die Zuhörer wissen.
Foto: Hannelore Nowacki
Konzepte und Wünsche zur Umgestaltung
Ein Gottesdienstkonzept mit vielen Ideen ist in Arbeit. Pfarrerin Sauerwein nannte die Notkirche, die Martin-Luther-Kirche und die Domwiese für Gottesdienste. Pfarrer Rauch habe spontan die katholische St.-Andreas-Kirche vorgeschlagen, die auch nach der starken Zerstörung der Domkirche im Zweiten Weltkrieg genutzt werden konnte. Für Taufen eigne sich die Notkirche mit Garten und Taufbecken besonders. Ursprünglich als dreischiffige Kirche gebaut, wurde die Domkirche nach dem Wiederaufbau bis 1956 einschiffig. Nach 70 Jahren sind Bänke, Raumaufteilung und Innenanstrich sanierungsbedürftig. Die Tonnendecke und Bänke würden durch Aufhellung optisch gewinnen, was aber teuer sei. Auch die Haustechnik mit Heizungsanlage, Licht und Bankheizung muss erneuert werden. Ein Lichtkonzept ist geplant, das auch die sehenswerten Säulenkapitälchen besser ins Licht rücken soll. Die Gestaltungswünsche der Gemeinde betreffen die flexible Nutzung der Domkirche vor allem für kleinere Veranstaltungsformate. Barrierefreiheit zum Chorraum, dessen Beschallung und die bessere Sichtbarkeit der projizierten Liedtexte sollen erreicht werden. Technische Erneuerungsmaßnahmen werden in Bezug auf die Heizungsanlage, die Elektrik sowie ein neues Licht- und Beschallungskonzept gewünscht. Die abgenutzte Teppichboden müsse raus, die Dämmung aus nicht mehr zugelassenen Stoffen müsse ersetzt werden. An den Eingängen als Visitenkarte müsse Ordnung geschaffen werden, die nicht genutzte Kinderspielecke soll an anderer Stelle besser organisiert werden.
Foto: Hannelore Nowacki
Zusammenlegung der vier Gemeinden
Mit dem Baubeginn Anfang Januar 2027 wird zugleich die Zusammenlegung von vier Lampertheimer Gemeinden durch Vereinbarung vollzogen: Aus Lukasgemeinde, Martin-Luther-Gemeinde, Evangelischer Johannesgemeinde Neuschloß und Evangelischer Gemeinde Hüttenfeld wird eine Gemeinde mit dem neuen schnörkellosen Namen „Evangelische Kirchengemeinde Lampertheim“. Damit entspreche der Name den Anforderungen der Kirchenvorschriften, ist also nicht zu lang, wie Kirchenvorstandsmitglied Patrick Bienhaus erklärte. Als Vorsitzender der Steuerungsgruppe hatte er an der Umsetzung gearbeitet und leitet jetzt die neue, kleinere Projektgruppe. Die besondere Identität der einzelnen Gemeinde gehe zwar verloren, räumte er ein, aber der Mitgliederrückgang und die schrumpfenden finanziellen Mittel ließen keine andere Wahl. Wie auch später in der Diskussion zur Sprache kam, müsse jetzt gehandelt werden. Prognostiziert sind laut Bienhaus im Jahr 2030 nur noch 6.400 von aktuell 7.500 Gemeindemitgliedern. Daraus folge, dass sich die Gemeinde verändern müsse. Bis 2030 seien 3,5 Pfarrerstellen vorgesehen. Auch um die Nutzung und den Unterhalt der Gebäude gehe es. Nicht verkäuflich sei das Lukas-Gemeindezentrum durch den Ensembleschutz. Zukünftig werde es Seelsorgebezirke geben, die die alte Identität der Gemeinden widerspiegeln könnten.
Hannelore Nowacki
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