Der NABU mahnt an, dass mit einer Umgehungsstraße weiterer Lebensraum des Rebhuhns vernichtet würde. Foto: Michael Held
BÜRSTADT – Der NABU Bürstadt bezieht in einer Pressemitteilung zu einer möglichen Ortsumfahrung Bürstadt Nordost Stellung: „Aus Sicht des NABU Bürstadt besteht keinerlei Notwendigkeit für eine zusätzliche Umgehungsstraße im Nordosten von Bürstadt. Allerdings würde solch ein weiteres Großbauprojekt gravierende Nachteile bringen. Die einzige mögliche Begründung für die angedachte Bürstädter Nordostumgehung ist eine erhoffte Entlastung der Innenstadt von Verkehr, vor allem von Schwerlastverkehr. Allerdings besteht bereits eine Umfahrungsmöglichkeit durch die Umgehungsstraßen B47 und B44, deren Nutzung durch den Schwerlastverkehr durch eine entsprechende Beschilderung eingefordert und kontrolliert werden müsste. Das wäre die kostengünstigste und umweltschonendste Lösung.
Außerdem basiert die Einschätzung eines möglichen Entlastungseffekts auf Zahlen aus dem Jahr 2010, aktuellere Erhebungen oder gar eine aktuelle Studie, die den „Entlastungseffekt“ einer angedachten Umgehungsstraße Nordost belegt, liegen uns und auch den im Bürstädter Magistrat vertretenen Fraktionen nicht vor. Auch die Habermehl & Follmann Ingenieurgesellschaft mbH, die den Fraktionen die Idee und Planungsvarianten präsentiert hatte, hat uns keinen Beleg für eine Entlastung der Innenstadt vorgelegt.
Auf der anderen Seite sind die mit einer weiteren Ortsumgehungsstraße verbundenen Kosten und die gravierenden Nachteile für Mensch und Natur offensichtlich. So ist bei der Planung bisher nicht nur keine Verbesserung für den nicht-motorisierten Verkehr mitgedacht, sondern von vielen Radfahrer*innen und Spaziergänger*innen genutzte Feldwege würden voraussichtlich sogar wegfallen (Anschluss Riedrode/ Lorsch …).
Zudem würden durch eine zusätzliche Straße im Nordosten von Bürstadt wertvolles Ackerland verloren gehen und eine weitere Versiegelung von Offenland erfolgen. Dies läuft allen Bestrebungen entgegen, Flächenverbrauch und Flächenversiegelung für Bauprojekte zu vermeiden, und die Flächen, auf denen noch schützenswerte Restpopulationen beispielsweise von Feldlerchen und Rebhühnern vorkommen, würden weiter verringert. All das in einer Zeit, in der seit 1980 mehr als die Hälfte aller Feldlerchen in Europa verschwunden sind und die Bestände des Rebhuhns seit den 80er Jahren sogar um 91 Prozent abgenommen haben! Hier wäre keine Flächenversiegelung angebracht, vielmehr sollten sich zusätzliche Brachen entwickeln oder mehrjährige Blühstreifen angelegt werden.
Wir vom Naturschutzbund (NABU) Bürstadt haben also kein Verständnis für ein aus unserer Sicht völlig aus der Zeit gefallenes Umgehungsstraßen-Großbauprojekt, welches aufgrund bereits vorhandener Umgehungsmöglichkeiten nicht notwendig ist, für dessen beschworene Entlastungseffekte keine aktuellen Studien vorliegen, das mit hohen Kosten verbunden ist und bei dem weitere Flächen versiegelt werden würden.
Für eine Nordost-Umgehung wären außerdem umfangreiche Änderungen der Regionalplanung nötig, sowie damit zusammenhängende Gutachten. Eine Genehmigung vor dem Baubeginn für den B47-Ausbau von Bürstadt bis Riedrode (voraussichtlich bereits in diesem Jahr) erscheint nicht realistisch. Es wäre demnach sinnvoll, diese Pläne jetzt zu stoppen und wenn überhaupt erst im Zusammenhang mit einer Überarbeitung der Regionalplanung und mit aktuellen und nachvollziehbaren Verkehrsprognosen zu diskutieren.
Da es sich um einen großen Eingriff in die landwirtschaftlichen Flächen und Naturräume handeln würde, sowie eine Förderung des nicht-motorisierten Individualverkehrs nicht erkennbar ist, ist ein solches Vorhaben aus unserer Sicht weder zukunftsweisend noch begründbar.” zg