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  • Fr., 21. August 2015, 09:40 Uhr
    Elf Fahrräder für neue Flüchtlinge / Bürstädter Netzwerk Asyl sucht weitere ehrenamtliche Unterstützer und Spender

    Große Bereitschaft sich zu integrieren und einzubringen

    Große Freude: Insgesamt elf Fahrräder konnten die im ehemaligen Hotel Berg untergebrachten Flüchtlinge in Empfang nehmen. Foto: Benjamin Kloos


    BÜRSTADT – 800.000 – das ist die derzeitige Schätzung für die bundesweit insgesamt zu erwartenden Flüchtlinge in diesem Jahr. Menschen, die vor Krieg und politischer Verfolgung aus ihren Heimatländen fliehen, Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Menschen, die auch in Südhessen Zuflucht suchen. So sind etwa 150 Flüchtlinge aktuell in Bürstadt und Bobstadt untergebracht, seit zwei bis drei Wochen 33 davon im ehemaligen Hotel Berg in der Vinzenzstraße.

    Betreut werden die jungen Männer, unter denen auch der fünfjährige Jamal in Begleitung seines Vaters ist, durch das Bürstädter Netzwerk Asyl.

    Erfreut zeigten sich die beiden Koordinatoren des Netzwerkes, Iris und Michael Held, angesichts des Engagements seitens der Bürstädter Bevölkerung. „Die Zahlen der Flüchtlinge steigen jedoch weiter, und damit auch der Bedarf sowohl an Materialspenden als auch an ehrenamtlicher Mitarbeit.” Gerade vor kurzem habe sich erfreulicherweise ein junger Bürstädter gemeldet, der den jungen Männern erste Grundkenntnisse in der deutschen Sprache vermitteln möchte. Denn Integration gelingt nur durch Sprache, diese ist zudem Voraussetzung für jede berufliche Tätigkeit. Dessen sind sich nicht nur Iris und Michael Held, sondern auch die Flüchtlinge selbst bewusst – und so lernen sie auch anhand eines durch das Netzwerk Asyl zur Verfügung gestellten Selbstlernkurs Arabisch-Deutsch die neue Sprache kennen, um gut für die anstehenden Deutschkurse vorbereitet zu sein. Am 9. September erfolgt für diese ein Einstufungskurs – denn wer bereits Englisch kann hat bessere Voraussetzungen, schnell Deutsch zu lernen als jemand der nur Arabisch spricht. Ende September starten dann vier Sprachkurse, einer in Bobstadt und drei in Bürstadt. Ein Kurs wird von der Caritas angeboten, die anderen durch Lehramtsstudentinnen geleitet,.

    Praktiumsplätze gesucht

    Integration gelingt auch durch Teilnahme am öffentlichen Leben. Daher wollen Iris und Michael Held nach den Ferien die örtlichen Vereine ansprechen – einerseits, um den Flüchtlingen die Möglichkeit zur Teilnahme am Sport zu bieten, andererseits aber auch, um vielleicht ein Betätigungsfeld für diese zu finden. „Diese jungen Männer möchten sich einbringen, sie möchten arbeiten”, betonte Michael Held. „Wir erfassen daher die bisherigen Berufe und würden uns freuen, wenn die Firmen der Region bereit wären, zumindest einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen.” Viele der Flüchtlinge haben eine Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Ob Friseur, Parkettleger, Schweißer oder Dachdecker, die Berufe sind hierbei so vielschichtig wie die Flüchtlinge selbst.

    Michael Held vom Bürstädter Netzwerk Asyl (l.) vermittelt den Flüchtlingen Informationen rund um die Fahrräder und die anstehenden Deutschkurse. Foto: Benjamin Kloos


    Mobil dank neuer Räder

    Eine freudige Überraschung präsentierten Iris und Michael Held den Flüchtlingen im Anschluss an das Treffen im Hotel Berg vor dem Pfarrheim St. Michael: Insgesamt elf Fahrräder wurden an die Flüchtlinge übergeben, bei denen die Freude über die neu gewonnene Mobilität deutlich sichtbar war. Hierzu schlossen sich zunächst immer zwei bis drei Flüchtlinge zusammen, um sich jeweils ein Fahrrad zu teilen.  Damit es keine Streitereien untereinander gibt, wer das bessere Fahrrad hat, zog Jamal als Glücksbote anschließend Lose. Küster und Hausmeister Joachim Hofmann, der gemeinsam mit Hans-Jürgen Brems die Räder verkehrstauglich gemacht hatte, holte die von Bürstädtern gespendeten Fahrräder unter großer Begeisterung der Flüchtlinge aus der Garage und überreichte diese den stolzen Männern, die sogleich erste Runden drehten.

    Wer das Bürstädter Netzwerk Asyl unterstützen möchte - nicht nur mit Fahrrädern, sondern auch Fernseher oder Computer -, kann sich gerne an die Bürgerstiftung oder direkt an das Netzwerk wenden. Einer der jungen Männer hat zudem einen ganz besonderen Wunsch: Er hätte gerne eine Gitarre – ein schöner Wunsch, den schließlich verbindet Musik die Menschen aller Nationen oder Glaubensrichtungen.

    Koordiniert werden die Aktivitäten des Bürstädter Netzwerks Asyl über Rosi Hartmann im Pfarrgruppenbüro St. Michael telefonisch unter 06206/6187 und von Gemeindereferent Michael Held unter gemeindereferenten.held@pfarrgruppe-buerstadt.de oder telefonisch unter 06206/707344. Benjamin Kloos

     

     

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