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  • Mo., 06. September 2021, 12:21 Uhr
    Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht beim Diakonischen Werk 

    Großer Bedarf bei Jugendmigrationsdienst und Respekt Coaches 

    Die Bundesprogramme „Respekt coaches“ und der Jugendmigrationsdienst (JMD) standen beim Gespräch von Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) mit dem Diakonischen Werk Bergstraße im Mittelpunkt. Im Bild (von rechts): Marion Persson, Sarah Dickmeis, Stefan Grünewald, Leiter Tobias Lauer, Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht, Landeskoordinatorin Inge Müller, Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt (SPD) und der SPD-Bundestagskandidat Sven Wingerter. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Pünktlich fuhr die schwarze Limousine mit Berliner Kennzeichen vor der  Dienststelle des Diakonischen Werks in der Industriestraße 35 gegen Mittag vor. Christine Lambrecht, die Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (SPD) kam am Freitag im Rahmen ihrer Deutschlandtour zu Besuch, um sich im Gespräch mit der Leitung des Diakonischen Werks Bergstraße und den Mitarbeitern vor Ort über die Beratungsangebote und die Wirkung der unterstützenden Bundesprogramme zu informieren. Gerne erinnerten sich die Mitarbeiter an Lambrechts Besuch vor zwei Jahren. Bekanntlich stellt sich Christine Lambrecht, die auch Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz ist und seit 23 Jahren als SPD-Bundestagsabgeordnete den Kreis Bergstraße vertritt, für den neuen Bundestag nicht mehr zur Wahl. Ihr Besuch war daher für Bürgermeister Gottfried Störmer auch Anlass, kurz für ein Dankeschön an die langjährige Vertreterin auch der Lampertheimer Interessen vorbeizukommen. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Bergstraße und stellte einige Projekte vor. Beim Land Hessen habe sich die Stadt Lampertheim um die Förderung in der „Partnerschaft für Demokratie“ beworben, was gut zum Programm „Respekt Coaches“ aus dem Bereich der Diakonie passe. Schmidt machte außerdem auf die bundesweite „Medizinische Kinderschutzhotline“ aufmerksam, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird und sich mit dem Beratungsangebot kostenfrei an das Fachpersonal in Heilberufen, der Kinder- und Jugendhilfe und Familiengerichte bei Verdacht von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Kindesmissbrauch wendet. Verbunden mit einem Dankeschön für ihr politisches Engagement im Kreis Bergstraße über 23 Jahre, „immer an der Seite Lampertheims“ wie bei der ICE-Trasse, der B 47 und Amprion,  überreichte Schmidt Bundesfamilienministerin Lambrecht ein Exemplar des Lampertheimer Kinderstadtplans, entstanden aus dem Aktionsplan Kinderfreundliche Kommune. Tobias Lauer, Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße mit Sitz in Bensheim, stellte die anwesenden Mitarbeiter vor: Bereichsleiterin Marion Persson, Landeskoordinatorin Inge Müller, die für den Jugendmigrationsdienst (JMD) und das Programm „Respekt Coaches“ zuständig ist, sowie die Sozialpädagogen Sarah Dickmeis und Stefan Grünewald, die in der Viernheimer Alexander von Humboldt Schule im JMD und als Respekt Coaches tätig sind. Zwei weitere Kollegen sind im Lampertheimer Schulzentrum West eingesetzt. Dabei handelt es sich um halbe Stellen, die jedoch bei weitem nicht ausreichten, wie Lambrecht erfuhr. Im anderthalbstündigen Gespräch gingen Lambrechts Fragen in die Tiefe der Fachthemen und aktuellen Probleme, die stark von den Bedingungen der Coronakrise geprägt seien, wie durchgehend deutlich wurde. 

    Gemeinschaft und Demokratie lernen

    Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) besuchte bei ihrer Deutschlandtour das Diakonische Werk Bergstraße in der Industriestraße 35. Leiter Tobias Lauer und die Landeskoordinatorin Inge Müller (links) sowie die Mitarbeiter informierten sie über die aktuelle Lage und die positiven Wirkungen der Bundesprogramme. Foto: Hannelore Nowacki


    „Lass uns reden!“ ist die Zauberformel für guten Umgang. Denn Reden bringt Respekt, heißt es programmgemäß. Eindrucksvoll zeigte ein Film, wie die Arbeit der Respekt Coaches an der Alexander von Humboldt Schule aussieht, vorbildlich auch für andere Schulen, wie Lambrecht meinte. Bei Übungen im Sitzkreis lernten die Kinder spielerisch beim Seilspiel wie sich Teamarbeit anfühlt. Bei einer Vertrauensübung ging es ums Aufgefangenwerden. Durch Mundpropaganda im ganzen Kreis Bergstraße hätten weitere Schulleiter Interesse an dem Programm bekundet, berichtete Lauer und betonte, es gehe um die Grundlagen für unser demokratisches Gemeinwesen. Auch die Lehrer sähen mittlerweile ihre Arbeit dadurch bereichert und erleichtert. Sarah Dickmeis erklärte, dass auch gezielt auf einzelne Schüler eingegangen werde, die sich auffällig verhalten. Ein fairer Umfang miteinander werde gestärkt, demokratische Werte vermittelt. Viele Kinder hätten in der Coronazeit das Miteinanderumgehen verlernt und entwickelten in der Gemeinschaft Ängste. Als Nachteil wertete Dickmeis, dass die Stellen der Respekt Coaches befristet seien. Von einer großen Herausforderung sprach Lauer beim Jugendmigrationsdienst durch große Fallzahlen, die von Jahr zu Jahr anstiegen. Dabei gehe es um den Spracherwerb, Integration und gesellschaftliche Orientierung, Ausbildungsplätze und vieles mehr. Unterschätzt werde von den jungen Leuten selbst die Zeit, die für die Akklimatisierung nach der Ankunft und eine Ausbildung nötig seien. Unter den Bedingungen der Coronapandemie sei nur noch eine kurzfristige Problemberatung möglich, keine langfristige Begleitung wie in der Vor-Coronazeit. Landeskoordinatorin Inge Müller bemängelt am Programm „Start in den Beruf“, dass die Kinderbetreuung bei Sprachkursen nicht mehr übernommen werde. „Das Thema Migration ist für mich wichtig“, sagte Lambrecht, „es ist gerade eine Herausforderung bei jungen Flüchtlingen und ist nicht weniger geworden“. Der Presse teilte Lambrecht mit, dass es den Jugendmigrationsdienst im Jahr 2020 an 492 Standorten in Deutschland gab, zuständig für 12- bis 27-Jährige. In Lampertheim/Viernheim versorge der JMG mit einer Vollzeitstelle 218 Klienten mit Beratung und individueller Begleitung, vom Bund mit rund 88.000 Euro gefördert. Der JMD in Bensheim mit einer halben Vollzeitstelle werde mit rund 37.000 Euro gefördert und versorge 227 Klienten. In Lampertheim fördere das Bundesprogramm „Respekt Coaches“ die Arbeit einer Vollzeitstelle inklusive einer Pauschale für Gruppenangebote von 17.000 Euro mit insgesamt rund 100.000 Euro. In Viernheim betrage die Förderung fast 96.000 Euro. Hannelore Nowacki

     

     

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