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  • Mo., 13. September 2021, 15:55 Uhr
    WAHLKAMPF: Grünen-Diskussionsveranstaltung zum Naturschutz vor Ort mit wenig Besuchern

    Grünen-Bundestagskandidat Moritz Müller setzt Fokus auf Naturschutz

    Auf dem Podium im Bürgerhaus diskutierten der Grünen-Bundestagskandidat Moritz Müller (Mitte), die EU-Parlamentarierin der Grünen Jutta Paulus und der Referent für Naturschutz des Verbandes Hessischer Fischer Rainer Hennings. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Moritz Müller, der Grünen-Bundestagskandidat für die Bergstraße, hatte am Freitagabend zur öffentlichen Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Naturschutz zwischen Hessischem Ried und der EU“ ins Bürgerhaus eingeladen. Mit Blick auf die Hochwasserkatastrophen in diesem Sommer sagte Moritz Müller: „Auch wir leben in einer Region, in der Gewässer eine große Rolle spielen, mit der Weschnitz beispielsweise und der Nähe zum Rhein, aber auch in den Tälern des vorderen Odenwaldes sind Extremwetterereignisse nicht auszuschließen. Darum ist es nun an der Zeit, den Schutzmaßnahmen ausführlich zu diskutieren“. Neben dem Grünen-Bundestagskandidaten saßen zwei Experten auf dem Podium, die dem Publikum detailreiche Erläuterungen zu den aktuellen Problemen im Ried hinsichtlich Grundwasser, Hochwassergefahren, Feuchtgebiete, Wald und Einblick in das EU-Wasserrecht mit dem Ziel der Renaturierung von Wasserläufen boten. Die Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus war im Rahmen der Bundestagswahlkampagne der Grünen nach Bürstadt gekommen. Die approbierte Apothekerin ist Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments und befasst sich mit Fragen des Gewässerschutzes auf allen Ebenen. Rainer Hennings, Referent für Naturschutz des Verbandes Hessischer Fischer, beim Hochwasserforum der Metropolregion Rhein-Neckar engagiert, Zoologe und ohne Parteibindung, informierte das Publikum umfassend über die aktuellen Problemfelder im Ried und mögliche Maßnahmen zur Lösung. Außerdem stellte er sich als Fachgutachter in Gewässerökologie, Vizepräsident des Fischerverbandes und Kreisfischereiberater vor. Diese geballte Expertise kam vor Ort jedoch nur etwa zwanzig Besuchern zu Ohren. Wie die Corona gerechte Bestuhlung im abgetrennten Bereich des großen Bürgersaals zeigte, hatten die Bürstädter Grünen und Bundestagskandidat Müller weit mehr Besucher erwartet. Man blieb weitgehend unter sich, was im gleichzeitigen Livestream anders gewesen sein mag, den jeder nach Belieben zuhause über YouTube verfolgen konnte. Im Saal war die medizinische Maske zu tragen, ausgenommen waren die Redner. Moderiert wurde die Veranstaltung von den beiden Grünen-Ortsvorsitzenden Lisa Gesue und Uwe Koch. Nachdem die Experten ausführlich referiert hatten und eine Podiumsdiskussion folgte, wurde der Livestream beendet. Nun hatten die Besucher Gelegenheit Fragen zu stellen. Zwei Stunden insgesamt waren für die Veranstaltung vorgesehen. 

    Renaturierung 

    „Wo stehen wir in der Region, wo haben die Grünen einen konkreten Vorschlag, wo können sie anknüpfen?“ Nach dieser Einleitung von Moritz Müller erklärte Paulus aus EU-Sicht, dass es nicht nur um Klimaschutz gehe, sondern auch um Strategien für den Diversitätsschutz. Bis 2030 sollen 30 Prozent Land und 30 Prozent Meer unter Naturschutz gestellt werden, doch Deutschland habe in den Natur-2000-Gebieten keine Maßnahmen ergriffen und sei deshalb von der EU verklagt worden. Viele Bäche und Flüsse seien in Beton gezwängt und durch Wehre nicht durchgängig, der Lebensraum im Wasser und am Ufer dadurch gestört. Die EU habe die Dekade der Renaturierung ausgerufen, wobei jeder Staat seine Ökomaßnahmen selbst festlegen könne. Wie stellt man Gewässerqualität fest, wollte Moritz Müller von Rainer Hennings wissen. Gewässer brauchen mehr Raum, machte Hennings deutlich, Renaturierung sei ein Wert an sich. Im Bundestag gebe es jedoch keine Mehrheit für Renaturierung. Noch in den 1970er Jahren habe das südhessische Ried als große Badewanne gegolten, heute müsse Rheinwasser künstlich in den Boden infiltriert werden. Das Grundwasser erreiche nicht mehr die Baumwurzeln, die Biodiversität sei gefährdet. Ursache sei die Wasserentnahme für das urbane Zentrum Frankfurt, im Ried sei das Wasser billiger zu fördern, sind sich Hennings und Müller einig. Viele Schutzgebiete seien Kulturlandschaften, die gepflegt werden müssen, keine Wildnis, machte Paulus deutlich. Kritisch sieht Hennings das Lob auf die Renaturierung der 60 Kilometer langen Weschnitz auf 3 Kilometern Länge, die exakt geplant und für Lebensräume der Bodenbrüter optimiert wurde. Paulus wies auf die über 500 Wildbienenarten hin, vorwiegend Bodenbewohner, denen Insektenhotels nicht helfen, die Hälfte auf der roten Liste. Ausführlich sprach Hennings über den Hochwasserschutz. Rückhaltebecken müssten gebaut werden, die Deiche saniert und zurückgenommen werden. Doch der Siedlungsdruck sei enorm und Agrarflächen würden dadurch verloren gehen. „Das nehmen wir mit“, sagte Müller, man habe eine Analyse der Probleme, aber „es ist nicht allein eine Frage des Geldes“. Hannelore Nowacki

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