BIEDENSANDBÄDER: 50 Jahre Hallenbad – kleine Feier im Hallenbadcafé mit Gedenken an Bürgermeister Hans Pfeiffer
Hallenbad als Zweck- und Sportbad gebaut und gepflegt
Das neue Hallenbad bei der Einweihung 1973. Foto: Hans Karbiner/Stadtarchiv
LAMPERTHEIM – Die Biedensandbäder hatten für alle Badegäste zum 50. Geburtstag des Hallenbades ein Geschenk – am Samstag war zur üblichen Öffnungszeit der Eintritt frei. Darüber freuten sich alle, die gerne schwimmen und keine Dauerkarte haben. Am Samstagabend unterhielt Peter Gutschalk das Publikum mit seinem Programm „Bling“ im kleinen, gemütlichen Rahmen des Hallenbadcafés. Der Künstler verzichtete auf seine Gage, sodass der Erlös von 300 Euro komplett an PaHoRi, die Palliativ- und Hospiz-Initiative im Ried geht.
An der kleinen akademischen Feier am Samstagvormittag im Hallenbadcafé mit Imbiss und Umtrunk nahmen geladene Gäste teil, die Matthias Karb mit mehreren Musikstücken am Piano unterhielt. An den Ort angepasst hatte er zum Schmunzeln einen Refrain umgedichtet in „It never rains im Lômbadda Hallebad“. Bürgermeister Gottfried Störmer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Biedensandbäder GmbH ist, begrüßte Vertreter der Vereine, die in den Biedensandbädern regelmäßig ihre Flächen buchen und die Mitarbeiter sowie den Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb als Vertreter der politisch Verantwortlichen und den Ersten Stadtrat Marius Schmidt in Vertretung des Magistrats. Störmer dankte den Mitarbeitern, die freundlich und kompetent ihre Funktion erfüllen und dem hessischen Innenminister für die Fördergelder. Störmer merkte an, dass Politik und Verwaltung wegen der Kosten und Sanierung der Biedensandbäder immer gefordert seien. Aber man sei froh, dass Vereine und Schulen Lernflächen zum Schwimmen zur Verfügung haben.
Der Vorsitzende des Bezirks Süd des Hessischen Schwimm-Verbandes Richard Thürauf nannte in seiner Rede drei Aufgabenbereiche, die die Kommunen bewältigen müssen – gesellschaftspolitisch, sozial und sportlich. So werde der Jugend mit einem Schwimmbad eine sinnvolle Freizeitperspektive geboten und Kinder können schwimmen lernen. Allerdings sieht Thürauf angesichts der Entwicklung ein großes Problem, denn nur noch 10 Prozent der Grundschulkinder könnten sehr gut schwimmen, früher seien es 40 Prozent gewesen. Besonders 2020 sei die Lage für Kinder schwierig gewesen. „Wir können nicht ein Volk von Nichtschwimmern werden“, lautet sein Appell. Auch im Sinne der Lebensrettung. Zu den Leistungen des Hessischen Schwimm-Verbandes gehöre die Ausbildung von Trainern bis zu Bundestrainern. Mit Freude sehe er, dass es in Lampertheim hochqualifizierte Trainer gebe. Ein Alleinstellungsmerkmal hob er hervor: „Lampertheim ist die einzige Kommune in Hessen, die für das Hallenbad und das Freibad die Höchstförderung bekommen hat“. Das sei jedoch geändert worden, seit Januar gebe es nur noch eine Förderung.
Akademische Feier zum Hallenbadjubiläum mit Bürgermeister Gottfried Störmer (links) und geladenen Gästen im Hallenbadcafé. Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Bürgermeister Hans Pfeiffer und die folgenden Kunstausstellungen sind frei zugänglich zu den üblichen Öffnungszeiten des Hallenbades. Foto: Hannelore Nowacki
Bester Standort für das Hallenbad
Erster Stadtrat Marius Schmidt, der auch Geschäftsführer der Biedensandbäder ist, blickte in seiner Rede zurück auf die Diskussion zum Hallenbadbau vor über 50 Jahren, als es zunächst um das Wohin ging. Für die Entscheidung, das neue Hallenbad in der Nähe von Badesee und Freibad zu bauen, könne man den Verantwortlichen noch heute gratulieren, meinte Schmidt. Vom Bau des Freibades 1966 habe man gelernt und einen Generalunternehmer beauftragt. Am Ende habe das Hallenbad 5,4 Millionen DM gekostet. Der damalige Bürgermeister Hans Pfeiffer habe von einem Werk der tausend fleißigen Hände gesprochen. Im Hallenbadcafé ist die Ausstellung aktuell dem 100. Geburtstag des früh verstorbenen Pfeiffer gewidmet.
Schmidt dankte Stadtarchivar Hubert Simon für die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Ausstellung. Aus einem Heftchen von damals, das im Stadtarchiv aufbewahrt wird, las Schmidt ein paar Mitteilungen vor, die heute zum Lächeln animieren, zum Beispiel war der Einzel-Eintrittspreis zwei D-Mark für Erwachsene und eine D-Mark für Kinder, jedoch nur für eine Stunde.
Große Feier mit Vereinen am 16. Oktober 2021 zur Wiedereröffnung des Hallenbades nach der Sanierung. Foto: Hannelore Nowacki
Sanierung und Investitionen in die gesunde Zukunft
Nicht alle Teile sind 50 Jahre alt: Schmidt ging auf die zahlreichen Sanierungsmaßnahmen und technischen Neuerungen ein. Seit der ersten Sanierung 1993 werden die Becken umweltfreundlich erwärmt, 2006 wurden die Umkleiden behindertengerecht eingerichtet, mehr Wertfächer und Komfort mit Liegen und Sonnenschirmen wurde geschaffen, später folgte eine Beckenkopfsanierung. 2017 Notsanierung, die Decke war heruntergekommen. Die große energetische Sanierung mit neuer Fassade und technischen Installationen begann im Februar 2019, am 16. Oktober 2021 wurde das Hallenbad mit neu gefliestem Schwimmerbecken wieder geöffnet. Materialengpässe und fehlende Bestandspläne hatten zu Verzögerungen geführt.
Das Land Hessen hat die Biedensandbäder als Schwimmausbildungszentrum ausgezeichnet. Weitere Neuerungen sind die E-Tankstelle und die E-Bike-Station seit letztem Jahr und die PV-Anlage, die jetzt schon 40 Prozent eigenen Strom liefere. Erneuert werde noch das Blockheizkraftwerk. Der Wohnmobilstellplatz sei gut genutzt, diese Investition von etwa 12.000 Euro habe sich gelohnt.
Bäder kosten Geld und seien ein Zuschussgeschäft, räumte Schmidt ein, doch sehe er zahlreiche Vorteile wie den Standortvorteil für Lampertheim und dass die Menschen schwimmen lernen, gesünder und länger leben. Alle Lampertheimer Schulen sowie Schulen aus Gernsheim und Biblis und ein Dutzend Lampertheimer Vereine, auch Wormser Vereine, haben Flächen gebucht, dazu kommen noch 17 VHS-Kurse. Ein Bad für viele Zielgruppen und für die ganze Region, fasste Schmidt zusammen und dankte den Mitarbeitern. Das Bad lebe vom guten Miteinander.
Auch die Kultur kommt nicht zu kurz: Schmidt wies auf das Hallenbadcafé als Plattform für Kunstausstellungen und „Bärbels Leseecke“ hin, eine Idee von Mitarbeiterin Bärbel Kronauer, die sich auch um das gut sortierte Bücherregal kümmert.
Philipp Schofeld, Vorsitzender des Fördervereins, gratulierte zum Jubiläum und erklärte, dass sich der Förderverein als Bindeglied zu den Badegästen und Ansprechpartner verstehe und stets auf der Suche nach Unterstützern und Förderern sei. Hannelore Nowacki
Blick auf das Hallenbad mit dem Schwimmerbecken des Freibades im Vordergrund. Foto: Hannelore Nowacki