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Mo., 10. März 2014, 17:16 Uhr
Bergsträßer Hebammen bei Mahnwache in Frankfurt
Hebammen - früher verbrannt, heute kaltgestellt
Verena Berger (im braunen Kleid) mit andere Hebammen, jungen und werdenden Müttern auf der Demo in Frankfurt. Foto: oh
HÜTTENFELD - Am vergangenen Samstag, dem „Weltfrauentag", demonstrierten bundesweit mehrere Tausend Hebammen. Rund 600 Menschen trafen sich in Frankfurt zu einer Mahnwache, um auf die sich dramatisch zuspitzende Krise der Begleitung von Familien rund um die Geburt aufmerksam zu machen. Darunter auch einige Hebammen aus Lampertheim, Viernheim, Heppenheim und Bensheim, denn auch diese sehen sich ab 2015 gefährdet, Familien dann noch zur Seite stehen zu können.
Noch nie waren Schwangere so vielseitig informiert und gleichzeitig so verunsichert. Internet Foren, Apps und Bücher, überall finden werdende Eltern eine Flut von Informationen rund um die Geburt, die jedoch oft widersprüchlich sind. Großfamilien als Vorbild sind ein Auslaufmodell. Hebammen können junge Familien unterstützen herauszufinden, was sie für die spannende Reise des Familie Werdens brauchen können. "Das ist bei jeder Familie etwas anderes", erklärt Christine Urbansky, Hebamme aus Heppenheim, "für die eine ist es die Stärkung des Selbstvertrauens in den Körper und die Intuition, was das Baby braucht. Für andere eine Hilfe beim Abbau von Ängsten, die durch "Horrorgeschichten aus dem Internet" geschürt werden. Und für die nächste sind es Tipps im Umgang mit ihrem Neugeborenen". Auch Tatjana S., die Ihr Kind im März erwartet, bestätigt dies: "Dadurch, dass sich meine Hebamme für die Vorsorgeuntersuchung soviel Zeit nimmt, haben wirklich alle aufkommenden Fragen Raum. So fühle ich mich wirklich als Mensch im Ganzen wahrgenommen, nicht nur medizinisch betrachtet".
Hebammenhilfe ist vielfältig. Sie umfasst Betreuung von Beginn der Schwangerschaft bis Geburt und Wochenbett - alles Leistungen, die von den Krankenkassen erstattet werden. Die Vor- und Nachsorgen werden von Hebammen meist in Form von Hausbesuchen durchgeführt. "Schon jetzt übersteigt an der Bergstraße teilweise die Nachfrage das Angebot, vor allem in den Ferienzeiten und an Feiertagen kommt es zu Engpässen. Frauen, die sich erst spät in der Schwangerschaft oder gar erst nach der Geburt darum kümmern finden nicht immer eine Hebamme, die noch Kapazität hat", bedauert Berger, die auch Kreisvorsitzende an der Bergstraße ist.
Zur Geburt haben Schwangere bisher gesetzlich geregelt die Wahlfreiheit, ob sie ihr Kind in einer Klinik, einem Geburtshaus oder zu Hause gebären möchten. "Statistisch gesehen ist jede Form gleich sicher, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind", berichtet Berger, "hierzu gibt es Studienergebnisse von über 40.000 Geburten, wie unter www. quag.de nachzulesen ist".
Doch wie es sich seit Jahren angebahnt hat, könnte sich schon bald die Situation für junge Familien radikal verändern: Die Gebührenanpassungen für Hebammenleistungen stieg in den letzten Jahren nicht annähernd im Verhältnis zur Kostensteigerung, derzeit liegt der durchschnittliche Stundenlohn einer Hebamme bei 8,50 Euro. Betrug die Haftpflichtversicherung für Geburten 1981 noch 30 Euro, stieg die Summe bis 2003 auf 453 Euro und wird sie 2014 auf 5091 Euro ansteigen. Und das nicht, weil Hebammen häufiger Fehler machen, wie manche meinen, sondern weil die wenigen tragischen Situationen, in denen Mutter oder Kind zu Schaden kommen, immer höhere Kosten durch immer mehr medizinische Fortschritte mit sich bringen" erklärt Berger, "doch bedeutet das nicht, dass es weniger dieser schweren Schicksale gäbe, wenn es keine Hebammen bei Geburt mehr gäbe, sondern wohl eher mehr. Und wer würde dann Frauen in den Stunden der Geburt beistehen?"
Doch nächstes Jahr droht genau dies, und zwar nicht nur für die Betreuung während der Geburt, sondern auch in der Begleitung von Schwangerschaft und Wochenbett. Für 2015 hat bisher noch kein Versicherer zugesagt, Hebammen zu versichern. Das kommt einem Berufsverbot gleich, und zwar nicht nur für außerklinische Geburtshilfe, denn auch in Kliniken arbeiten heutzutage viele Hebammen nicht im Angestelltenverhältnis, sondern freiberuflich als Beleghebammen.
Deswegen fordert der Deutsche Hebammenverband, dass eine Haftungsobergrenze festgelegt werden muss, bis zu der die Hebamme haftbar gemacht werden kann. 2003 betrug diese noch 2,5 Millionen, heute sind es 6 Millionen Euro. Diese Summe kann die zahlenmäßig kleine Berufsgruppe nicht alleine abdecken.
In der Politik scheint das Problem der Hebammen angekommen zu sein. Nach einem Abschlussbericht einer interministeriellen Arbeitsgruppe soll an einer Umgestaltung der Kostentragung gearbeitet werden. "Viel Zeit bleibt nicht", weiß Berger, " auch hier im Kreis prüfen einige Kolleginnen, ob sie zu diesen Bedingungen diesen Beruf mit der Verantwortung über zwei Menschenleben noch tragen wollen und oder können. ehr