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Mo., 06. Juni 2016, 22:51 Uhr
Familie Gräf hatte beim Stadtfest zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen
Heimatmuseum – Ort der Entdeckungen und Erkenntnisse
So geht Gemütlichkeit – Bruno Gündling präsentiert ein Zimmer wie es in den 1950er Jahren häufig anzutreffen war. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Einmal im Jahr, jedes Jahr wieder zum Stadtfest öffnet Familie Gräf das Hoftor des Heimatmuseums zum „Tag der offenen Tür“. Am Sonntag nutzten viele Interessierte die Gelegenheit zu einem Besuch im Anwesen in der Peterstraße, schon um zehn Uhr fanden sie Einlass - bei freiem Eintritt und auf Wunsch mit Führung. Nichts bleibt wie es ist. Das lässt sich an diesem romantischen Ort am besten erleben. Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte, die vor hundert Jahren noch täglich genutzt wurden, sind hier zu bestaunen wie in der alten Schreinerwerkstatt. Kunstwerk oder Maschine? Eine Bohrmaschine mit Fliehkraftregelung aus der Zeit um 1920 sieht wirklich kunstvoll aus. Im Raum für Finanzen und Bürosachen staunten die Besucher über die alte Geldzählmaschine und die mechanische Rechenmaschine. Die Abteilung Fotografie bietet Fotos und Apparate aus vergangenen Zeiten – die sensationelle Auflösungen hervorbrachten. Hans Held, der letztes Jahr mit 88 Jahren verstarb, hatte sich seit der Gründung dieses einzigartigen Museums ehrenamtlich um die Ausstellung gekümmert und Kinder wie Erwachsene bei seinen Führungen für die Heimatgeschichte begeistert. Edgar Gräf, Eigentümer dieses privaten Museums, hat mit Bruno Gündling einen Nachfolger gefunden, der sich mit großer Leidenschaft seiner neuen Aufgabe widmet. Mit einigen Veränderungen in der Präsentation will er die Blicke auf die Exponate lenken, ohne den Betrachter mit Eindrücken zu überhäufen. Im letzten Jahr hatte er eine eigene Ausstellung mit historischen Fotoapparaten gezeigt. Dem 65-jährigen Technikfan ist die Begeisterung anzusehen, wenn er beispielsweise von einem Gerät mit der Produktbezeichnung Tefifon aus den 1950er Jahren erzählt, das eine deutsche Erfindung zwischen Schallplatte und Tonband war, aber von der Einführung des Magnetbandes überholt wurde. Nun muss er das technische Wunderwerk noch reparieren, wenn möglich, um die noch vorhandenen Endlosbänder, zum Beispiel „Frohe Weihnachten“ abzuspielen. Im neu eingerichteten Wohnzimmer aus dieser Zeit fehlt es dank seiner Liebe zum Detail auch nicht am stilgerechten Flaschenhalter oder Spitzendeckchen. Die Besucher scharten sich am Sonntag um Gündling, der mit seinen Kenntnissen aus dem Vollen schöpft. Im Musikzimmer hängen und stehen viele Erinnerungen von Edgar Gräf in Gestalt von Musikinstrumenten, die er selbst als Profi-Musiker gespielt hat, wie die Trompete und den E-Bass. Viele historische Instrumente hat er gesammelt, wie die seltene Hammond-Orgel, Baujahr 1964, die unter den flinken Fingern von Gregor Winkler zu neuem Klangleben erblüht. „Was ist ein Dengelblock?“ Rita Stumpf aus Bobstadt hat die Beschriftung gelesen, aber das eiserne Gerät gibt Rätsel auf. Ein anderer Besucher, Karl Heinz von Dungen, wusste Bescheid.
Im Musikzimmer lebt die Welt der Töne weiter, wenn auch verstummt. Doch die Hammond-Orgel gewinnt ihren Schwung zurück, sobald geschulte Finger über die Tasten fliegen. Foto: Hannelore Nowacki
Seinem Großvater, der noch Landwirt in Bürstadt war, hat damit Sensen geschärft, das habe er selbst gesehen, erzählte er. Damals sei noch von Hand gemäht worden, anschließend sei das Getreide zum Trocknen zu Garben gebunden worden – „das war noch harte Arbeit“. Das Ehepaar Rita und Siegmar Stumpf aus Bobstadt ist historisch interessiert, er engagiert sich in der Arbeitsgruppe Ortsgeschichte. „Alles hier ist mit viel Liebe gemacht, das merkt man“, findet Rita Stumpf. Ihr gefällt auch, dass es im Heimatmuseum von allem etwas gibt, wie das kleine Schulzimmer. Mitten im grünen Garten, mit Blick auf historische Schätze, ließen sich einige Besucher gemütlich nieder, um die Eindrücke und das schöne Wetter zu genießen – die Gewitterwolken machten zu dieser Zeit um Bürstadt einen Bogen. Wer an einer Führung interessiert ist, kann sich bei Edgar Gräf (Telefon 06206/8417) oder Bruno Gündling (Telefon 06206/8615) melden. Hannelore Nowacki