BERATUNG: Integrationslotsen bilden sich zu Gesundheitscoaches weiter
Helfen können durch Wissen
An zwei Tagen lernen die Integrationslotsen, was sie als Gesundheitscoaches in ihrer Stadt und Gemeinde wissen müssen, um Zugezogenen bei Sprachproblemen und beim Zurechtfinden im Gesundheitssystem helfen zu können. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Was tun, wenn man die deutsche Sprache nicht versteht und ins Krankenhaus muss oder einen Termin beim Hausarzt oder beim Facharzt hat? Viele der neu Zugezogenen wandten sich dann hilfesuchend an die Integrationslotsen, die sie dorthin begleiteten und in schwierigen Situationen übersetzen mussten. Allerdings oft ohne mit dem fachlichen Vokabular vertraut zu sein, häufig ohne das notwendige Wissen über Krankheitszusammenhänge und das Gesundheitssystem. Über diese Problematik berichtete Dr. Gerd Baltes, Geschäftsführer von Lernmobil Viernheim, beim Pressegespräch im Bürgerzentrum am vergangenen Samstag. In wenigen Minuten sollte die Veranstaltung beginnen. Zu dieser Weiterbildung waren Integrationslotsen aus Bürstadt, Lampertheim, Groß-Rohrheim, Biblis und Heppenheim angemeldet. Baltes berichtete aus der Vorgeschichte: Der Verein Lernmobil habe die Begleitung von Menschen ins Krankenhaus oder zu Ärzten durchdie Integrationslotsen vorübergehend eingestellt und nach einer Möglichkeit gesucht, die Lotsen für diese Aufgaben weiterzubilden. Das ist nun mit der zweitägigen Ausbildung von 35 Integrationslotsen gelungen, die sich für die Qualifizierung gemeldet hatten. Das Ausbildungskonzept wurde in Kooperation erstellt, beteiligt waren die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Viernheim Maria Lauxen-Ulbrich und Angelika Oberrheim von der Schwangeren- und Mütterberatung bei der Caritas in Viernheim, die auch referierten. Weiterer Referent ist Dr. med. Gökce Karakas, Patientenberater beim Gesundheitstreffpunkt Mannheim. Beata Gergely, für die Abteilung Integrationslotsen beim Verein Lernmobil zuständig und bei der Weiterbildung vor Ort, erläuterte im Pressegespräch, dass es am ersten Tag neben anderen Themen um die Frauengesundheit gehe. Auf dem Podiumstisch war das umfangreiche Anschauungsmaterial ausgebreitet, darunter Nachbildungen diverser Körperorgane. Inhalte der Ausbildung sind unter anderem Krankheitsbilder, Fachbegriffe, Behandlungsarten, medizinische Fachrichtungen, Patientenrechte, Vorsorge, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt. Auch müssen die Gesundheitscoaches die Anlaufstellen und Beratungsstellen im Kreis Bergstraße kennen. Die digitale sprachliche Unterstützung in vielen Sprachen wird per Smartphone über das Internetangebot Zanzu in die Weiterbildung integriert. Zanzu ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Sensoa, dem Flämischen Expertenzentrum für Sexuelle Gesundheit. Wegen der Vielzahl der Teilnehmer wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt, eine allein für Viernheim, die andere Gruppe kam am vergangenen Samstag nach Bürstadt in den großen Saal des Bürgerzentrums, Fortsetzung eine Woche später in der Zehntscheune in Lampertheim. Bürgermeisterin Barbara Schader freute sich über das große Interesse und sagte den Teilnehmern in ihrem Grußwort: „Sie sind wichtig für unsere Gesellschaft“. Fünf Lotsen aus Bürstadt nehmen an der Weiterbildung zum Gesundheitscoach teil. Eine Integrationslotsin, Hawa Nur, hat sich bereits für das Familienprogramm über das Lernmobil qualifiziert. Abou Raed, auch ein Lotse der ersten Stunde, wurde als Sportcoach ausgebildet und begleitet das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“. Hannelore Nowacki