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  • Mo., 22. Juni 2020, 08:40 Uhr
    Benedict Pretnar neuer Leiter des Alten- und Pflegeheims Mariä Verkündigung

    Herausforderungen in Zeiten von Corona – aber keine Infektionen

    Benedict Pretnar stellte sich im Pressegespräch als neuer Heimleiter des Alten- und Pflegeheims Mariä Verkündigung vor. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Benedict Pretnar hat am 1. Mai die Leitung des Alten- und Pflegeheims Mariä Verkündigung übernommen – mitten in der Coronakrise. Vieles kam anders als gedacht, berichtete der 40-jährige Diplom-Pflegewirt (FH) und examinierte Altenpfleger beim Pressegespräch am Freitagmorgen im Konferenzraum des Alten- und Pflegeheims, das eine Einrichtung des Caritasverbandes Darmstadt ist. Eigentlich sollte die „Schlüsselübergabe“ von seiner Vorgängerin Heide Neumann mit einem Gottesdienst und Festakt Ende April offiziell gefeiert werden, das musste entfallen. Zum Glück habe er das offene, freundliche Haus und seine Bewohner noch vor Kontaktsperre und Abstandsgebot ab Mitte März ganz normal kennenlernen dürfen, berichtete er, denn schon seit 1. Januar habe er seine Tätigkeit im Verband aufgenommen. 23 Jahre Erfahrung in der Altenhilfe bringe er mit, aber noch nie zuvor habe er erlebt, dass ein Haus keine Besucher hatte. Wenn Pretnar von Herausforderungen spricht, die diese Coronapandemie den Bewohnern und Mitarbeitenden abverlange, sieht er sich gut gerüstet. Berufliche Erfahrung bringt Pretnar als Projektleiter für die Digitalisierung und Gesamtleiter für die ambulant betreuten Wohngemeinschaften bei der Caritas Altenhilfe St. Martin Rheinhessen mit sowie aus fünf Jahren Pflegedienstleitung. Nach seiner berufsbegleitenden Ausbildung zum Qualitätsmanager im Gesundheits- und Sozialwesen war er Qualitätsmanagementbeauftragter des Trägers. Als der Lockdown auch dem Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung Einschränkungen auferlegte, habe die betriebliche IT sehr schnell reagiert, lobte Pretnar die Arbeit der Kollegen. Die Bereichslaptops seien mit einer Messengeranwendung ausgestattet worden, die den Bewohnern Videotelefonie und Grußbotschaften ermöglicht habe. Zusätzlich helfen drei Smartphones beim Kontakthalten in der Besuchssperre, die ein führender Telekommunikationsanbieter einschließlich eines Datenvolumens gespendet hatte. Beeindruckt sei er vom großen Verständnis der meisten Bewohner, sagte Pretnar. Die sichtbar größte Herausforderung für die Bewohner sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Besuchszeiten. Bedauerlich sei, dass die gewohnten Betreuungs- und Sozialangebote zurzeit nicht im üblichen Umfang stattfinden könnten. Ab Montag gelte jedoch eine neue Verordnung, freute sich Pretnar einerseits. Statt eines einstündigen Besuchs pro Woche seien nun drei angemeldete Besuche mit jeweils einer Stunde in der Woche möglich. Das bringe andererseits hohen Aufwand mit sich und den Mitarbeitern viel Arbeit. Dabei gelte nach wie vor das Abstandsgebot mit Mund-Nasen-Schutz. Die Besuchsorte seien entsprechend vorbereitet, bei gutem Wetter treffe man sich draußen. Die Unterbringung in Einzelzimmern gehöre zum Schutzkonzept. „Wir müssen die Balance zwischen maximalem Schutz und Aufrechterhalten von Kontakten finden“, betonte Pretnar, „ein Spagat mit Kompromissen und Lösungen“. Von den Ehrenamtlichen, die in der Coronakrise nicht zur Stelle sein können, wisse er, dass sie den Kontakt und ihre Aufgaben vermissen.  Trotz allem solle das Leben im Pflegeheim möglichst alltagsnormal sein. Allerdings stellt Pretnar mittlerweile fest, dass die behördlich verordneten Coronaregeln von den Besuchern nicht mehr immer vorbehaltlos akzeptiert werden, je länger die Pandemie dauert: „Es wird schwieriger“. Zurzeit hat das Haus 80 Bewohner, die Belegung mit über hundert Bewohnern wäre möglich. Auf eine Aufgabe freut sich Pretnar besonders: Der Neubau ist geplant, an dessen Vorbereitung und Wohnkonzept im Sinne eines Haus- und Wohngemeinschaftmodells er nun mit seinem Team mitwirke. In dieser Zeit der „stabilen Ungewissheit“ will Pretnar je nach Situation schauen, was geht und „auf Sicht fahren“. Die gute Nachricht: Das Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung hat keinen Coronafall gehabt. In seiner Freizeit findet Benedict Pretnar, der verheiratet und Vater zweier Kinder ist, Ausgleich in der Stockkampfkunst und Fotografie. Claudia Betzholz vom Caritasverband Darmstadt, die am Pressegespräch teilnahm, wies darauf hin, dass die Bewohner während der Coronakrise trotz aller Einschränkungen gut versorgt und nicht einsam seien, weil sie mit den Mitarbeitern und der Hausgemeinschaft in Kontakt seien. Hannelore Nowacki

    Das Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung will mit einem Neubau ein modernes Wohnkonzept verwirklichen. Ein passendes Grundstück wird gesucht. Foto: Hannelore Nowacki

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