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Do., 07. Juni 2018, 14:25 Uhr
Theaterabend am Lessing-Gymnasium mit vier beeindruckenden Vorführungen
Hinter den sieben Bergen nicht die Krise kriegen
Was ein Apfel nicht alles bewirken kann? Das Leben hinter den sieben Bergen ist nicht viel anders als anderswo. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Ein Apfel, an sich als gesund bekannt, kann auch giftig sein. Das weiß man, seit Schneewittchen arglos einen Bissen nahm. Ganz ohne Angst konnte man zugreifen, als vor Beginn des Theaterabends am Lessing-Gymnasium Lampertheim (LGL) am Dienstag eine nette junge Dame einen Teller mit Apfelschnitzen zum Zugreifen herumreichte. Auch keine Angst vor Theater hatten die Zuschauer in der voll besetzten Mensa, soviel vom Augenschein her zu erkennen war. In bester Stimmung war das altersgemischte Publikum versammelt, folgte aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne und spendete immer wieder begeistert Applaus. Tiefgründig und ernsthaft reflektiert waren die selbst erarbeiteten Stücke im Fach „Darstellendes Spiel“, verflochten mit Humor und Situationskomik, mit Blick auf das Leben, wie es oft anders kommt als gedacht – mit den erwünschten heiteren Reaktionen beim Publikum. Für die schönen Lichteffekte und den guten Ton war die Technik AG unter der Leitung von Fachlehrer Jérôme Dath verantwortlich. Ein Jahr lang haben die Kursteilnehmer im Unterricht mit Anleitung ihrer Fachlehrerinnen die Vorführungen kreativ erarbeitet, eigene und aktuelle Themen sind ins Theaterspiel eingeflossen. Die Frage nach der Theater-Angst stellte Katja Böttche zu Beginn des Theaterabends, anknüpfend an Gotthold Ephraim Lessing, den großen Dichter der Aufklärung und Namensgeber für das Lessing-Gymnasium. Abschließend erklärte Spielleiterin Julia Schubert-Förster mit wieviel Spaß an der Sache die Schülerinnen und Schüler in andere Rollen schlüpften. An diesem Abend waren die Ausflüge in die Welt der Gefühle und die Unterwelt des Unbewussten ausdrucksstark in vier Vorführungen verpackt. Bei den Zwergen „Hinter den sieben Bergen“ klappte die solidarische Arbeitsteilung trotz Auftrag nicht. „Ich habe es ihm gesagt“, sagte der eine Zwerg, doch der andere hat trotzdem nicht saubergemacht. Alt bekannte Figuren aus dem Märchen lernten die Zuschauer ganz neu kennen, kaum weniger märchenhaft als in Grimms Märchen, aber moderne Lebensart kritisch beleuchtend. Zählt das Äußere? „Schönheit ist einfach alles“, meinte die Königin, die den Spiegel fragte „wer ist die Schönste im ganzen Land“. Der Song „I’m so beautiful“ schien ihr recht zu geben. Schneewittchen jedenfalls aß vom Apfel und fiel den Zuschauern der ersten Reihe vor die Füße. Erstaunt waren die Zwerge: „Was ein Apfel nicht alles bewirken kann“. Dem Spiel der zwanzig Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse aus dem Kurs E2 (Einführungsphase 2) unter der Leitung von Katja Böttche folgte die zweite Vorführung in mehreren Szenen des Kurses Q2 (Qualifizierungsphase 2) mit siebzehn Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse, die im nächsten Jahr ihr Abitur machen. Ganz harmlos beginnt ihr Spiel zum Thema Familienkrisen im zweistimmigen Chor: „Bring den Müll runter“ – „mache ich später“, dann die allgemein bekannten Ansagen wie „räum dein Zimmer auf“, „mach die Jacke zu“. „Wer kennt das nicht“, kam als Kommentar. Nicht die Krise kriegen ist einfacher gesagt als getan, zumal „die Gärtners“ eine Familie mit zwei Vätern und Sohn sind. Der Sohn leidet unter dem Mobbing der Mitschüler, die Gärtners suchen die Lösung ihres polarisierenden Problems im Rahmen einer Talkshow. „Wir leben im 21. Jahrhundert“ war eine zustimmende Meinung aus dem Talkshow-Publikum, eine andere Stimme beharrte auf der Ansicht „das ist keine normale Familie“. Eine ausgelassene Party wurde in Szene gesetzt und die Familie Bauer mit zwei verlotterten Töchtern und der wohlgeratenen Schwester vorgestellt. Aber wie konnte es dazu kommen? Seine Ex war schuld, befand der Vater. Mehrstimmig stellte sich der Kurs E2 in der dritten Vorführung unter der Leitung von Stephanie Ulber mit allen neunzehn Teilnehmern den vielen Gesichtern der Angst entgegen, literarisch inspiriert von Goethes „Der Erlkönig“ und „Der Totentanz“ sowie von „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff. Die nette Familie Gärtner hat nur ein Problem. Nicht die Krise kriegen war das Motto, am besten bei einer Talkshow. Foto: Hannelore Nowacki
Die „Mitteilungen einer unheimlichen Gefährtin: Die Angst …“ waren höchst aktuell in ihrer Themenwahl – von der Angst vor Zudringlichkeit, Angst vor Armut und Dramen an der Grenze mit der Angst vor dem Tod. „Wer hat Angst vor der Angst?“ – „Niemand“. „Und wenn sie kommt?“ - „Dann stellen wir uns ihr“. Mit dem Kurs der Q2 war „Träumen“ angesagt, eine anschauliche Inszenierung der 21 Kursteilnehmer unter der Leitung von Julia Schubert-Förster vom Träumen im Schlaf, von Träumen, die wahr werden können, von menschlichen Abgründen, die Psychoanalytiker Sigmund Freud interpretierte, und von Wunschträumen. Einst sagte Martin Luther King „I had a dream“. Glück und Traum sind ein Paar, dem Freud nicht traute. Wie aber steht es um den Traumpartner, die Liebe, Sport, Karriere und weitere Wunschträume? In einer lebhaften „Game-Show ging es um die Frage „was ist euer Traum?“ Eine Kandidatin will aus Lampertheim weg, eine wünscht sich innere Ausgeglichenheit. Kurz und bündig wünscht sich ein Kandidat einen besonderen Mercedes, ein anderer wäre schon glücklich mit „jeden Tag Pizza“. Aber es gab auch den Traum von innerer Ausgeglichenheit. Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur sprach den Darstellern ihre „große Bewunderung“ aus und bekannte, dass sie der faszinierende Abend durch ein Wechselbad der Gefühle geführt habe. „Ihr habt ganz viel Persönlichkeit gegeben“. Hannelore Nowacki