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  • Di., 02. August 2016, 12:56 Uhr
    Verein für Heimatgeschichte stellte privaten Nachlass des früheren Krieger- und Soldatenvereins vor

    Historische Fahne und Unterlagen gut erhalten



    Der Vereinszweck war auf der Fahne eingestickt und für die junge „Germania“ hatte der Verein eine Vorlage ausarbeiten lassen. Das Eichenlaub stehe als Sinnbild für die „deutsche Sache“, erklärte Günter Mössinger beim Archivarbeitsabend. Im Bild (von links): Maria Bingel, Rüdiger Ried, Günter Mössinger und Irmtraud Geiss. Foto: Hannelore Nowacki

    NORDHEIM – Geschichte wird greifbar, wenn es historische Materialien gibt. Eine Fahne, ja sogar Fahnenstangen mit und ohne Samtbesatz, zwei dekorative Spitzen und das zugehörige Ledergeschirr zum Tragen der Fahne sowie ein Karton voller Unterlagen aus der Zeit des ehemals aktiven Krieger- und Soldatenvereins Germania Nordheim befinden sich nun in Händen des Vereins für Heimatgeschichte, der sich mit diesen Relikten aus der Nordheimer Vergangenheit des 19. und 20. Jahrhunderts intensiv beschäftigen wird. Zum Archivarbeitsabend im Burg-Stein-Museum in der Rathausstraße waren am vergangenen Freitag zahlreiche Mitglieder gekommen, um zu sehen und zu hören, was der Verein aus dem Nachlass des jüngst im hohen Alter verstorbenen Gönners des Vereins Georg Bickelhaupt erhalten hat. Schon dessen Vater, der ebenfalls den Namen Georg Bickelhaupt trug, hatte die Sachen in Besitz. Zuletzt hatte Rüdiger Ried die Erbstücke über sechs Jahre aufbewahrt. Auch er war bei der Vorstellung anwesend. Überraschendes habe sich in den letzten Wochen getan, hatte Vereinsvorsitzender Günter Mössinger angekündigt. Weiße Baumwollhandschuhe hatte er sich übergestreift, wie es die Historiker üblicherweise tun, wenn sie alte Schätze schützen wollen. Das dicke Protokollbuch des Krieger- und Soldatenvereins wurde in sauberer Handschrift geführt, noch birgt es viele unbekannte Informationen, da bislang gar keine Zeit war, sich näher mit dem Inhalt zu befassen. Auch die weiteren Dokumente aus der Zeit seit Gründung des Krieger- und Soldatenvereins 1873 geben Aufschluss über die Entwicklung dieser Vereine, so viel hat Mössinger schon herausgelesen. Aus patriotischen Krieger- und Soldatenvereinen als örtliche Selbsthilfeorganisationen mit geselligem Anspruch wurden  später landesweit organisierte Organe mit verstärkt militärischem Charakter, bis sie schließlich ganz von der NSDAP vereinnahmt wurden. Nach dem Krieg 1870/71 Deutschland gegen Frankreich hätten die Vereine Zulauf gehabt, was der preußische König damals recht  gerne sah im Gegensatz zu den sozialdemokratischen Arbeitervereinen, erläuterte Mössinger. Wie in anderen Orten habe der Nordheimer Krieger- und Soldatenverein die besser gestellte Schicht der Handwerksmeister und größeren Landwirte angezogen. Die Fahne aus dem Jahr 1907 sei aus bestickter Seide gefertigt, meinte Mössinger nach Augenschein. „Wir sind froh, dass sich die Unterlagen erhalten haben“, freute sich Mössinger, „wir sind den Verwandten dankbar“. Nun wartet viel Arbeit auf die Heimatforscher, die auf Entdeckungen im Protokollbuch gespannt sind. Hannelore Nowacki

     
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