Sa., 15.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mo., 04. Juli 2022, 15:59 Uhr
    HOCHWASSERSCHUTZ: Sandsäcke als probates Mittel / Gefahrenkarten werden erstellt / Leben der Menschen im Vordergrund

    Hochwasser- und Starkregenvorsorge im Zeichen des Klimawandels und im Fokus der Gefahrenabwehr

    Der Hochwasserschutz spielt im Kreis Bergstraße eine große Rolle – so wie hier 2013 an der Weschnitz sind dabei Sandsäcke auch künftig von großer Bedeutung. Archivfoto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Die erschreckenden Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Juli haben sich in unser Gedächtnis gebrannt: Nicht nur den Betroffenen vor Ort, sondern Menschen in ganz Deutschland wurde deutlich vor Augen geführt, wie schnell die Natur zuschlagen kann. Umso wichtiger ist es, die Gefahrenlage auch vor Ort und im Kreis Bergstraße zu kennen und Vorkehrungen zu treffen, um im Notfall bestmöglich vorbereitet zu sein. Anlässlich der sich am 15. Juli jährenden Flutkatastrophe fand am Montag bei der Feuerwehr in Lampertheim ein Pressegespräch mit Landrat Christian Engelhardt, dem Kreisbrandinspektor und Abteilungsleiter der Gefahrenabwehr des Kreises Steffen Lutter, dem Kreisbrandmeister Klaus Reiber sowie dem Geschäftsführer des Bergsträßer Gewässerverbandes Ulrich Androsch statt. Grundsätzlich ist der Kreis Bergstraße im Bereich Hochwasserschutz gut aufgestellt, allerdings gibt es auch Optimierungsbedarf – dies wird nun angepackt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der dezentralen Lagerung von Sandsäcken, zudem sollen mittels Hochwassergefahrenkarten und Starkregenschutzkarten mögliche Starkwasserereignisse und Überschwemmungen besser vorhergesehen werden können. Generell ist aus Sicht der Verantwortlichen bei allen Maßnahmen und Handlungen die Rettung von Menschenleben das oberste Gebot.

    Landrat Engelhardt betonte zu Beginn mit Blick auf die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen vor einem Jahr, dass es auch im Kreis Bergstraße viele Gewässer gebe – nicht nur den Rhein und den Neckar, sondern auch beispielsweise die Weschnitz. Bereits einen Tag nach der Flut habe man sich daher bereits zusammengesetzt und ausgetauscht, wie der Stand in Sachen Hochwasserschutz vor Ort sei und um die Planungen nochmals genauer zu betrachten. „Der Hochwasserschutz war jedoch bereits zuvor ein wichtiges Thema im Kreis. Wir haben gesehen, dass die Natur in der Lage ist, sich relativ schnell zu verändern und so Gefahren für menschliche Strukturen sowie für Leib und Leben mit sich zu bringen. Wir müssen sehen, wie wir unsere Güter und Werte – hier in erster Linie Mensch und Tier – bestmöglich schützen können. Aber auch der Schutz von umweltgefährdenden Anlagen darf dabei nicht vergessen werden. Der Gefahrenschutz im Kreis ist hier gut aufgestellt, dies hat unter anderem das Rheinhochwasser im Jahr 2013 gezeigt. Allerdings müssen wir uns auf weitere Stresstests vorbereiten, denn das Klima und damit auch das Wetter ändern sich. Wichtig ist hierbei, nicht nur etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sondern auch zu lernen, mit diesem zu leben.”

    Sandsäcke wirken

    Steffen Lutter erläuterte, dass man sich im Bereich der Gefahrenabwehr neu aufgestellt und bewusst den Hochwasserschutz stärker mit einbezogen habe und hier eine Optimierung erreichen wolle. „Daher haben wir die Sandsäcke dezentral gelagert, nämlich dort, wo sie benötigt werden: In den Gemeinden entlang der Weschnitz, des Rheins und des Neckars. In Lampertheim ist dabei die Sandabfüllanlage des Landes Hessen stationiert. Klaus Reiber wurde zudem im März Kreisbrandmeister und hat hier den Schwerpunkt Hochwasserschutz, wobei er im engen Austausch mit den Anrainern der Gewässer, etwa Biblis und Lampertheim, ist.” Dieser ergänzte, dass man knapp 60.000 Sandsäcke bereithalte – leere, da gefüllte nicht für eine längere Lagerung geeignet seien. Zudem seien 450.000 Bigpacks vorhanden, die in Reihe gestellt einen Damm bilden können. In Lampertheim, Biblis und Groß-Rohrheim sind darüber hinaus weitere 150.000 Sandsäcke auf Lager. Ergänzt würden diese durch ein Schlauchsystem zur Bildung eines Rückhaltebeckens für die Weschnitz in Rimbach. „Für die Sandabfüllankage benötigen wir viel Manpower. So haben wir für das dreitägige Rheinhochwasser 2013 in Biblis 88.000 Sandsäcke gefüllt, 1.4000 Einsatzkräfte kamen dabei zum Einsatz.” Der Rhein selbst mache dabei weniger Probleme, vielmehr seien die Lauter oder auch die Weschnitz problematischer. Aber: „Sandsäcke sind hier eine wirkungsvolle Methode. Wichtig sind aber auch geländegängige Fahrzeuge – hier sind wir am Überprüfen, was gegebenenfalls noch benötigt wird.“

    Land unter – immer wieder kommt es wie hier in Lampertheim 2016 zu Hochwasser – um diesen besser begegnen zu können, werden kreisweit Starkregengefahren- sowie Hochwassergefahrenkarten erstellt. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    Hochwassergefahrenkarte wird erstellt

    Für den Schutz gegen Hochwasser stehen zudem zwölf große Hochwasserrückhaltebecken zur Verfügung – mit insgesamt 4,5 Millionen Kubikmetern Fläche, davon ein Teil im Odenwald, um bereits dort Wassermassen aufhalten zu können, der Großteil jedoch im Ried. Insgesamt gibt es im Kreis 60 Kilometer eingedeichte Gewässerstrecken, wie Ulrich Androsch darstellte. Wichtig bei allem Maßnahmen sei es zu berücksichtigen, dass sich die Binnengewässer schneller füllen als der Rhein, zumal sei beim Rhein die Entwicklung des Hochwassers besser absehbar. „Auch wir hatten 2021 die Prognose für Wassermassen, die es so noch nicht gab, dies ist aber im Gegensatz zur Ahr glücklicherweise nicht eingetreten. Hochwasser können sehr unterschiedlich und sehr lokal sein. Fest einstudierte Pläne sich daher nicht sinnvoll, wichtig ist hingegen, dass genügend Material vorhanden ist und ein entsprechendes System, um schnell reagieren zu können. Wir haben steigende Extreme, die sich beispielsweise hier im Kreis durch Frühjahrsgewitter zeigen. Aus deinem Grund erstellen wir jetzt für alle kleinen Gewässer eine Hochwassergefahrenkarte, die nahezu alle Gemeinden im Kreis betrifft.” Landrat Engelhardt hob hervor, dass dies eine der Konsequenten aus der letztjährigen Flutkatastrophe an der Ahr sei. „Dies ist ein hoher Aufwand, da die Topographie im ganzen Kreis gemessen werden muss, um eventuelle Ausbreitungen des Wassers im Vorfeld zu erkennen. Es ist eine umfangreiche und kostenintensive, aber sehr sinnvolle und wichtige Maßnahme.” Zur Vorbereitung dieser Karte wird zunächst eine Starkregengefahrenkarte erstellt, die bis Ende des Jahres als erster Entwurf vorliegen soll. Die Schutzkarten stellen auch das Deichbruchrisiko am Rhein dar. „Sturzgewitter häufen sich und können kleine Gewässer schnell füllen und Innenstädte unter Wasser geraten lassen. Hierdurch können große Schäden entstehen”, ergänzte Ulrich Androsch. Die Frühinformation für die Bürger kann durch entsprechende Karten erfolgen, diese sind nach Fertigstellung nicht nur Online, sondern auch in den jeweiligen Rathäusern der Gemeinden einsehbar – und tragen damit dazu bei, dass künftig bereits alle Bürger frühzeitig über die Gefahren bei Starkregen und Hochwasser aufgeklärt sind. Benjamin Kloos

     

     
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1