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Mo., 07. November 2022, 11:17 Uhr
ANGEBOTE: 2. Lampertheimer Demenz-Messe mit großer Anziehungskraft
Hoher Informationsbedarf und viele Hilfsangebote
Informationen aus erster Hand von Experten aus der Praxis waren bei der Demenz-Messe gefragt. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die neueste Zahl für Deutschland sagt, dass 1,7 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung leiden, dazu kommen noch die ungezählten Angehörigen und Freunde, die durch die veränderten Lebensumstände betroffen und auf Unterstützung angewiesen sind. Demenz ist also ein Thema, das viele Menschen beschäftigt, Informationen und Hilfsangebote sind gefragt. Das zeigte sich auch bei der gut besuchten dreistündigen Lampertheimer Demenz-Messe am Samstag im Römersaal des Hauses am Römer, die vom Arbeitskreis Demenz veranstaltet wurde. An den Informationstischen der verschiedenen Anbieter von Leistungen, Beratung und Hilfen drängten sich die Besucher, die nicht nur die Broschüren mitnehmen wollten, sondern das Gespräch mit den jeweiligen Experten der Einrichtungen und Organisationen suchten. Bürgermeister Gottfried Störmer eröffnete die Demenz-Messe, die zum zweiten Mal in Lampertheim stattfand. Den Lampertheimer Einrichtungen bescheinigte er „hervorragende Arbeit“, auch würden die hilfreichen Angebote angenommen. Als zuständiger Dezernent sprach Erster Stadtrat Marius Schmidt die zunehmende Tendenz der Demenz-Erkrankungen an, die besonders ein altersbedingtes Risiko seien und schon allein wegen der demografischen Entwicklung zunehmen werden. In Deutschland geht die Angst vor dieser Erkrankung um, denn immerhin hätten bei einer DAK-Umfrage die Hälfte der Befragten gesagt: „ich habe Angst“. Schmidt berichtete, dass zwei Drittel der Demenzkranken im häuslichen Umfeld gepflegt werden, betroffen seien Partner, Kinder und Enkel. Bei der Demenz-Messe gebe es Informationen aus erster Hand. In Lampertheim werden die Menschen nicht alleine gelassen, machte Schmidt deutlich. Bei allen auftretenden Problemen gelte: „Mensch bleibt Mensch“. Dem Gesundheitsnetz der Ärzteschaft Lampertheim GALA dankte Schmidt für die Unterstützung, auch durch den Druck der Plakate. Meistens enden irgendwann die Kräfte der pflegenden Angehörigen, dann steht die Heimaufnahme an. Jedoch häufig zu spät, meint Rebecca Bauer, Leiterin des Caritas-Alten- und Pflegeheims Mariä Verkündigung. Die meisten Demenzkranken kämen in fortgeschrittenen Stadien. Im beschützten Wohnbereich werde am Erhalt und der Entwicklung von Fähigkeiten gearbeitet, was jedoch bei diesen schwer Erkrankten schwierig werde. Auch am Infotisch des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses und bei der Ökumenischen Diakoniestation Lampertheim drängten sich die interessierten Messe-Besucher. Dass die Diakonie die Tagesbetreuung „Meine Zeit“ anbietet, sei noch nicht genügend bekannt, war zu hören. Björn Burwitz und Kolleginnen klärten über die Einrichtung und weitere Hilfen auf. In der Tagesbetreuung gehe es unter anderem um kreative Beschäftigung, Trainieren und Hilfestellung bei täglichen Aktivitäten und Entspannungsübungen. Beratung und Orientierung bieten die Seniorenberatung Lampertheim des Caritasverbandes kostenlos, konfessionsunabhängig und trägerübergreifend, für Privatversicherte gibt es die compass Pflegeberatung mit umfassenden Informationen zu Anträgen, Anbietern und Hilfen. Teamleiterin Maria Rief betonte im Gespräch mit dem TIP, dass es auch in einer Pflegesituation darum gehe, ein selbstbestimmtes und möglichst selbständiges Leben führen zu können. Rat werde auch telefonisch erteilt. Um ein eigenständiges Leben in vertrauter Umgebung geht es bei der ehrenamtlichen Wohnberatung, die vom Behindertenbeirat und Seniorenbeirat, unterstützt von der Stabstelle Soziales mit Stephanie Rapp beim Magistrat der Stadt Lampertheim, geleistet wird. Am Stand informierten Jochen Halbauer und Herbert Tiefel, wie das Wohnumfeld barrierefrei gestaltet werden kann. In frühen Stadien einer Demenz könnten zudem Elektrogeräte mit automatischer Abschaltung hilfreich sein, später könnten Demenzkranke nicht mehr allein leben. Eine große Zuhörerrunde hatte sich zum Vortrag von Dr. Csaba Reich eingefunden, alle Sitzplätze waren frühzeitig belegt. Der Chefarzt der Klinik für Geriatrie am St.-Marien-Krankenhaus Lampertheim informierte über neuere Forschungsergebnisse und Leitlinien der Behandlung von Alzheimer Demenz, die 70 Prozent der zurzeit 1,7 Millionen Demenzerkrankten ausmache. WeitereDemenzformen seien die vaskuläre Demenz und Demenz nach Schlaganfall sowie durch Parkinson. In seinem etwa zwanzigminütigen Vortrag wies Reich auf die wichtige Rolle des persönlichen Umfeldes bei der Erkennung erster Symptome hin, um hier frühzeitig helfen zu können. Dagegen sei die frühzeitige klinische Diagnostik kompliziert und teuer. Dem Absterben der Nervenzellen folge eine Verkleinerung der Gehirnmasse mit mehr Platz für Hirnwasser. Als aktuellen Ansatzpunkt der Therapie nannte Reich die Vermehrung des notwendigen Überträgerstoffs von Nervenimpulsen. Ab Diagnosestellung betrage die Lebenserwartung etwa acht Jahre. Die Genetik spiele bei der Frühdemenz zu etwa fünf bis zehn Prozent eine Rolle. Bis 2050 werde in Deutschland mit drei Millionen Demenzkranken gerechnet. Beim Vortrag des Ergotherapeuten Markus Michl ging es um Alltagshilfen zur Motivation und Förderung. Für die Besucher standen zur Stärkung unter anderem gefüllte Blätterteigtaschen, Obst und Getränke bereit. Hannelore Nowacki