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  • Mo., 17. August 2020, 18:58 Uhr
    Unterhaltsamer „Kulturspaziergang am Rhein“ begeisterte mit Historie und Geschichten

    Idyllische Kulturlandschaft mit viel Geschichte 

    Mit dem Odenwaldklub Lampertheim unterwegs: Jetzt geht’s los zum Kulturspaziergang am Rhein. Marius Schmidt erläuterte die Route. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Der Odenwaldklub hatte am Sonntag zu einem zweistündigen „Kulturspaziergang am Rhein“ eingeladen, Treffpunkt war dort, wo das Industriegebiet bei Beton Pfenning am Küblinger Weg endet und die weite Landschaft vor Augen liegt. Zum etwa sieben Kilometer weiten Rundweg hatte sich die begrenzte Teilnehmerschar nach Coronaregeln anmelden und für alle Fälle auch die üblichen Masken mitbringen müssen. Wanderführer Marius Schmidt mit neuem Strohhut für die Sommersonne gewappnet, führte die Gruppe zu mehreren historischen „Erklärstopps“, über die Günter Mössinger, Vorsitzender des Nordheimer  des Vereins für Heimatgeschichte, erstaunliche Erkenntnisse zusammengetragen und aufgeschrieben hatte. Die Strecke haben die beiden in Vorbereitung des Kulturspaziergangs gemeinsam abgelaufen, für die meisten Teilnehmer war hier Neuland, obwohl geübte Kenner der Gegend dabei. Weit über grüne Wiesen darf der Blick schweifen, die Horizonte von Baumriesen begrenzt, dann wieder ein neuer Ausblick über frisch abgeerntete Felder, die fruchtbare Erde dunkel in der heißen Sonne liegend, golden leuchtende Stoppelfelder. Und immer wieder am Altrhein und Rhein entlang bieten sich durch das Buschwerk der Uferbepflanzung Ausblicke aufs Wasser. Kanuten und großen Jachten teilen sich das Gewässer, an der Mündung in den Rhein ziehen die Schiffe mit Rohstoffen und Waren beladen vorbei. Ein Land zwischen den Deichen,  beliebt auch bei Fahrradfahrern. Auf das Freischärlergrab im schattigen Grün am Altrhein weist an der Weggabelung ein künstlerisch gestaltetes Holzschild hin. Für die deutsche Freiheit während der 1848er Revolution war der angeschwemmte unbekannte Freischärler wohl gestorben und am Ufer des damals noch nicht begradigten Rheins beerdigt, das Grab von vorbeiziehenden Flößer noch bis 1857 gepflegt. Der heutige Stein wurde 1980 gesetzt. Der Zwist zwischen den Aristokraten und Demokraten in Lampertheim ging so weit, dass die zuvor gemeinsame Schweineherde geteilt wurde. Führer der Demokraten waren der Lehrer Ludwig Usinger in Lampertheim und Jakob Carra in Hofheim. Goldgründe am Rhein waren schon vor dem 30-jährigen Krieg bekannt und über die Pacht eine reichhaltige Einnahmequelle des Landesherrn und weiterer Nutznießer. Das Gewann Ludwigswert war besonders ergiebig, doch 1775 stellte der Schreinermeister Litters die Goldwäscherei ein, was den Landesherrn empörte. Wegen der Uferverzäunungen hatte sich kein Goldsand mehr abgesetzt. Gold ist noch heute im Rhein, so viel steht fest. Große Veränderungen sah man am Rhein mit dem Durchstich 1879, der an dieser Stelle etwa 900 Meter lang ausgebaggert wurde. In Folge der Tullaschen Durchstiche entstand hier wie überall der Altrhein mit der Tendenz zur Verlandung. Neurhein werde der große Strom jedoch nicht in Hofheim und Nordheim genannt, ließ Schmidt wissen. Auf dem alten Treidelpfad ging es weiter, eine Versuchsstrecke mit dichter artenerhaltender Uferbepflanzung hat das Wasserschifffahrtsamt hier angelegt und zahlreiche Tafeln aufgestellt.

    Die Teilnehmer des „Kulturspaziergang am Rhein“ konnten zahlreiche tolle Blicke genießen. Foto:  Hannelore Nowacki


    Eine Treppe zum Rhein gibt es jedoch nicht, auch Bänke zum Ausschau halten finden Spaziergänger nicht. Beim nächsten Halt der  unterhaltsamen Zeitreise im Schatten alter Bäume erzählte Schmidt die Legende von Karl dem Großen und seiner jungen Angebeteten, die ihn erst erhörte und zum Ehemann nahm, als er ihr einen kostbaren Zauberring an den Finger steckte. Am Holländer Richtweg angekommen, erfuhren die Teilnehmer, dass die Sanierung 35.000 Euro durch die Stadt Lampertheim gekostet hatte und nach Augenschein gelungen schien. Die Bezeichnung hat ihren Ursprung aus der Zeit vor 1800, als die Rheinkilometer noch nicht vermessen waren und Schiffer aus Holland hier mit dem Schießstand eine Wegmarkierung vorfanden. Später entstand ein Gasthaus aus der Wachstation des Schießstandes. Auch hier steht eine Infotafel des Lampertheimer heimatkundlichen Pfades, an dem der verstorbene Ehrenbürger Heinrich Karb mitgearbeitet hatte, wie Schmidt betonte. Was Fakenews anrichten können, zeigte sich bei der Überflutung des nördlichen Rieds um die Jahreswende 1882/83, denn seitdem hatte sich eine gewisse Feindschaft zwischen Lampertheim und Bürstadt entwickelt. War doch tatsächlich das Gerücht aufgekommen, dass die zwölf Lampertheimer Deichwächter den Deich durchbohrt hätten, um ihre Stadt vor dem Hochwasser zu bewahren, stattdessen aber Bürstadt überflutet wurde. Das Wasser kam bis Gernsheim, unter Wasser standen auch Wattenheim, Nordheim und Bobstadt. Gelbes Strahlen - eine Blühwiese mit Sonnenblumen erstreckt sich hier am Deich entlang, die der Bauhof ebenso wie das Eidechsenhabitat im Sinne der Biodiversität angelegt habe, erklärte Schmidt im kühlen Deichwärterhäuschen. Auf einem nahe gelegenen Feld zog ein Traktor bei der Bodenbearbeitung Staub hinter sich her, Raben und ein Storch erwarteten reichliches Futterangebot. Nur noch 700 Meter unter der hoch stehenden Sonne, dann waren die Autos erreicht und die Wanderfreunde freuten sich auf das gemeinsame Mittagessen beim Wassersportverein. Für das Ziel, das historische Erbe stärker zu pflegen, hat Schmidt beim Stadtmarketing einen Geopunkt angeregt, der im nächsten Jahr realisiert werden soll. Hannelore Nowacki

    Ein Besuch wert: Das Deichwärterhäuschen. Foto:  Hannelore Nowacki


     

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