Zeckengefahr und Vorbeugung - Ausstellung im Schillercafé bis 26. Juni
Im Fadenkreuz der Zecken
Ein Blick in die Fenster des ehemaligen Schillercafés lohnt sich – bis 26. Juni ist die Plakat-Ausstellung zur Zeckenvorsorge zu sehen. Im Bild (von rechts): Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz, Apothekerin Sibylle Fath, Bürgermeister Gottfried Störmer, Dr. Matthias Früh, Dr. Thomas Faßbender und Gesundheitspräventionsbeauftragte Reinhild Zolg. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Eine Krise kommt selten allein - alle sprechen über das Coronavirus, aber Gefahr droht in dieser Jahreszeit nach dem milden Winter auch von gefährlichen Viren und Bakterien, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden. In die Natur hinauszugehen war und ist in der Zeit der Coronapandemie mit Ausgehbeschränkungen ein besonderes Vergnügen. Wald und Wiesen durchstreifen, wandern oder auch gemütlich die frische Luft im Garten einsaugen – der Gemeine Holzbock lauert überall auf Gräsern und Gebüsch. Doch er ist nicht allein unterwegs, aus der Zeckenfamilie fühlen sich weitere Arten im Kreis Bergstraße, in der Metropolregion und darüber hinaus wohl und begehren das Blut des Menschen von Februar bis weit in den Herbst. Im schlimmsten Fall, aber gar nicht selten, verursachen dabei die übertragenen Viren die gefürchtete Frühsommer-Meningoenzaphelitis (FSME) und die Borrelien die Borreliose. Dass man vorbeugen und eine Erkrankung verhindern kann, zeigt bis zum 26. Juni die Ausstellung zum ThemaZecken im ehemaligen Schillercafé auf dem Schillerplatz. Auf den Plakaten sindbeim Rundgang entlang der Fensterfront interessante Informationen aus dem Leben der Zeckenarten zu entdecken. Vorbeugende Maßnahmen, die jeder für sich ergreifen kann, sind ebenso erklärt wie die FSME, die Hirnhautentzündung und die Borreliose. Zur Ausstellungseröffnung hatte die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin des Kreises Bergstraße Diana Stolz Bürgermeister Gottfried Störmer, die Presse und als Experten Dr. Matthias Früh, der auch das Ärztenetz GALA vertrat, und Apothekerin Sibylle Fath eingeladen. Gesundheitspräventionsbeauftragte Reinhild Zolg und Dr. Thomas Faßbender, Amtstierarzt beim Veterinäramtdes Kreises Bergstraße gaben Auskunft aus ihren Fachgebieten. Im Fadenkreuz der Blutsauger ist der Mensch, aber auch Tiere sind beliebte Opfer, wie der Amtsveterinär erläuterte. Betroffen sind Hunde und Nutztiere auf der Weide. Im Reich der Zecken gibt es mittlerweile Arten aus den Tropen, die wohl mit den Zugvögeln eingereist sind und weitere Krankheiten verursachen können. Gruselig erscheint das Verhalten der Tropenzecke Hyalloma, die dem Menschen bis zu hundert Metern hinterherlaufen könne, wie der Amtstierarzt aus Berichten weiß. Die Fachleute erwarten mehr Zecken in diesem Jahr, insgesamt sei die Tendenz über Jahre steigend, erklärte Stolz. Das Treffen fand bei sonnigem Wetter mit ein paar Regentropfen im Freien vor dem ehemaligen Schillercafé statt, mit Abstand wie es die Corona-Regeln vorgeben. Sichtlich erfreut teilte die Gesundheitsdezernentin mit, dass dies der zweite öffentliche Auftritt nach dem Lockdown sei. Bürgermeister Störmer wies darauf hin, dass dies über die Jahre nicht die erste Aufklärungsaktion in Lampertheim sei. Die meldepflichtigeFSME trat in Deutschland 2019 mit 444 klinischen Fällen auf. Im Kreis Bergstraße waren es nur zwei Fälle. Zolg vermutet, dass dies vielleicht von der guten Präventionsarbeit kommt. Eine Broschüre zur Zeckenvorsorge liegt vor dem Stadtmarketing in der Domgasse 9 und vor dem Rathaus-Service in der Domgasse 2 aus. Hannelore Nowacki
Zecken warten in vielen Lebensräumen auf ihre menschlichen Opfer. Doch man kann vorsorgen. Foto: Hannelore Nowacki
Information
Vorbeugen durch Impfung und Verhalten
Aus Speicheldrüsen und Darm der Zecke gelangen die Krankheitserreger in den Menschen, deshalb raten die Fachleute, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Dabei soll sie nicht gequetscht werden, mit den passenden Werkzeugen aus der Apotheke (Zeckenkarte und spezielle Pinzette) gelingt es die Zecke herauszudrehen. Damit sie keinen weiteren Schaden anrichtet, muss die sehr widerstandsfähige Zecke tödlich geknackt werden, empfiehlt der Amtstierarzt. Wer es selbst nicht kann, findet ärztliche Hilfe. Am besten man entdeckt die Zecke bei ihrer Wanderung auf Kleidung und Haut bevor sie zusticht. Gerne suchen Zecken die zarten, warmen Hautstellen auf. Auf heller Kleidung sind die kleinen Blutsauger besser erkennbar. Lange Hosen, die in den Socken stecken, sollen die Zecken aufhalten. Gegen die Hirnhautentzündung gibt es die gut verträgliche FSME-Impfung, gegen Borreliose müssen Antibiotika eingesetzt werden, je früher umso besser. Nicht jede Zecke ist infiziert, wenn doch, dann wird die FSME-Infektion sofort übertragen, bei den Borrelien kann es bis vier Stunden nach dem Stich dauern. Gegen FSME gibt es sogar eine Schnellimpfung, üblicherweise wird in drei Etappen geimpft. Alle fünf Jahre soll die Impfung aufgefrischt werde, bei Menschen über 50 Jahre schon nach drei Jahren. Am besten mit dem Impfausweis zum Hausarzt gehen. Zur Abschreckung von Zecken sind diverse Mittel zum Einsprühen und Einreiben auf dem Markt.