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Fr., 15. Mai 2020, 11:40 Uhr
KULTUR IN HOFHEIM: Noch Fragezeichen hinter Veranstaltungen / Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Im Garten von Anette Jansen fühlt sich eine Ringelnatter wohl
Seltener Gast: Im Garten von Anette Jansen ist eine Ringelnatter sesshaft geworden. Foto: Anette Jansen
HOFHEIM – Anette Jansen staunte nicht schlecht, als sich in ihrem Gartenteich vor Kurzem eine Schlange zeigte.„Sie ist unter der Holzterrasse aufgetaucht und wurde immer länger und länger“, erzählt die Hofheimerin von dieser nicht alltäglichen Begegnung. Bei genauer Betrachtung des Tieres stellte sich heraus, dass es sich um eine Ringelnatter handelt. Zwei halbmondförmige gelbe Flecken am Hinterkopf machen sie praktisch unverwechselbar. Die friedfertige Schlange ist ungiftig und in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Nach altem Volksglauben sollen Ringelnattern, die in der Nähe des Menschen leben, kleine Kinder bewachen, Haus und Vieh schützen und ganz allgemein Glück und Segen bringen. Das klingt schon mal gut.
Mit einer Länge von „bestimmt 80 Zentimeter“, so Jansen, weist der neue Mitbewohner eine stattliche Größe auf und hat die Idylle des Gewässers schon etwas durcheinander gebracht. Sprich, die Froschpublikation sinkt. „Der Teich ist wahrscheinlich zu klein und es gibt zu wenig Nahrung. Ich denke, sie ist nur auf der Durchreise“, merkt die Gartenliebhaberin schmunzelnd an. Es sei schon ein Erlebnis gewesen die erste Begegnung, es sollten weitere folgen. Denn das Reptil entpuppte sich als äußerst fotogen und Jansen gelang nach langem Warten sogar eine Aufnahme, bei der die Ringelnatter ihre Zunge zeigt. Das außergewöhnliche Motiv würde sie gerne – vergrößert auf 60 x 90 Zentimeter – bei der Kunstausstellung im Bürstädter Bürgerhaus im Oktober präsentieren. Dass in Zeiten von Corona nichts mehr nach Plan läuft, das weiß Anette Jansen, schließlich sorgte der Shutdown für ein vorzeitiges Ende der Projektreihe „Frauen 2020“, welches sie gemeinsam mit der Künstlerin Heike Kissel-Eltrop initiiert hatte. In Zusammenarbeit mit Pfarrerin Sabine Sauerwein und Kantorin Heike Ittmann fand am 8. März, dem Internationalen Frauentag, in der Lampertheimer Domkirche ein Gottesdienst mit anschließender Vernissage statt. Den weiteren Veranstaltungen, darunter „Frauen, Statemets und Musik mit dem Bollwerk Duo“ am Equal Pay Day sowie das Orgelkonzert „Komponistinnen“ unter Mitwirkung der Dekanatskantorei Ried, machte das Virus einen Strich durch die Rechnung, die Kirche ist seitdem geschlossen. „Die Auftaktveranstaltung war erfolgreich wie keine andere, wir schließen eine Fortsetzung der Projektreihe zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus“, so Jansen.
Auch der Vor-Ort-Termin „Bienenfreundlicher Garten“ im Rahmen des Jahresprogramms der Hofheimer Landfrauen am 27. Mai wurde abgesagt. „Es läuft uns ja alles Gott sei Dank nicht weg, dann machen wir das eben nächstes Jahr“, sagt die Frau mit dem grünen Daumen. Ob die „Offene Gartenpforte Hessen“, für die sie im vergangenen Jahr zahlreiche Teilnehmer gewinnen konnte, am 13. und 14. Juni stattfindet, sei noch nicht entschieden. Doch auch hier könne davon ausgegangen werden, dass das Open-Air-Event gecancelt wird. Durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens und die Kontakteinschränkungen fehle derzeit ein Ziel. „Im Moment ist der Garten so ein bisschen mein Ausgleich, hier lässt es sich aushalten.“ Auf 1.000 Quadratmeter haben Jansen und ihr Freund Andreas Brandl Bachlauf, Stauden, Gehölze, XXL-Insektenhotel und Kräutergarten mit Kunst und vielen kreativen Ideen gepaart. Ein Platz, an dem sich auch Eichhörnchen, Schmetterlinge, Holzbienen und nicht zuletzt die Ringelnatter wohlfühlen. Jansen beschreibt dies in einem Gedicht, mit dem sie an der Aktion des Landfrauenverbandes Hessen„Gemeinsam statt einsam“ teilgenommen hat. Darin heißt es: „Ein großer Garten ist mein persönliches Glück, es ist vom Paradies ein kleines Stück. Es ist mein Leben auf dem Land, mit der Zufriedenheit, die ich hier fand“. Petra Gahabka