Mi., 19.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 07. Februar 2024, 09:07 Uhr
    Widerstand: Gedenken zum 79. Todestag des Lampertheimer Ehrenbürgers und Jesuitenpaters Alfred Delp auf dem Europaplatz

    Im Widerstand und in der Todesstunde für …

    Eine große Runde interessierter Bürger hatte sich auf dem Europaplatz zur Gedenkfeier für Alfred Delp an dessen Todestag vor 79 Jahren versammelt. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Zum Tode verurteilt vom Volksgerichtshof Hitlers wegen Hoch- und Landesverrats und am 2. Februar 1945 im Alter von 37 Jahren in Berlin in der berüchtigten Hinrichtungsstätte Plötzensee gehängt – das Schicksal von Pater Alfred Delp geht vielen Menschen in Lampertheim auch nach 79 Jahren nahe. Im zivilen Widerstand gegen das Hitler-Regime hatte er sich ab Frühjahr 1942 einer Widerstandsgruppe angeschlossen, die später als „Kreisauer Kreis“ bekannt wurde. Bei den Zusammenkünften auf dem Hofgut des Grafen von Moltke im schlesischen Kreisau ging es um Überlegungen zu Gesellschaftsentwürfen für die Zeit nach Krieg und Nazidiktatur. In dem Haus am Europaplatz, an dem die Gedenktafel angebracht ist, lebte er mit Eltern und Geschwistern von 1915 bis 1922. Nach seiner Priesterweihe im Juni 1937 hielt er einen Monat später in Lampertheim in der St.-Andreas-Kirche seine erste Messe als Priester. Zur öffentlichen Gedenkfeier auf dem Europaplatz zum Todestag des Jesuitenpaters Alfred Delp hatte die St.-Andreas-Gemeinde gemeinsam mit der Stadt Lampertheim aufgerufen und eingeladen. Zehn Minuten lang erklangen alle Glocken der St.-Andreas-Kirche, mit den Glocken der Domkirche, die bald ebenfalls läuteten, baute sich ein berührendes Kraftfeld über der Innenstadt auf.

    Was Alfred Delp heute bedeutet
    In großer Runde hatten sich die Menschen auf dem Europaplatz zur Gedenkfeier versammelt, in der Hand Kerzen, die Ministranten verteilt hatten. Mitglieder des Magistrats, Stadtverordnete und die Mannheimer Alfred-Delp-Gesellschaft waren gekommen. Die Geistlichen der Pfarrei in Begleitung von Festprediger Pater Andreas Batlogg SJ aus München waren mit den Ministranten von der Kirche auf den Europaplatz gezogen. Nach dem Verstummen des Glockengeläuts spielte die Katholische Kirchenmusik das musikalische „Dankgebet“, im Laufe der Gedenkfeier folgten „Eventide Fall“ und „Von guten Mächten“. Bürgermeister Gottfried Störmer nahm in seiner Ansprache Bezug auf aktuelle Entwicklungen und warnte davor, rechtsextreme Kräfte zu unterstützen, für die die AfD das unterstützende Feigenblatt sei. In seinem Abschiedsbrief nach dem Todesurteil hatte Alfred Delp geschrieben: „Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind“. Störmer knüpfte daran an und betonte: „Die anderen sind wir“.

    Lebensweg und Glaube
    „Wir wollen die Erinnerung an den Menschen, den Widerstandskämpfer und an unseren Lampertheimer Mit- und Ehrenbürger Alfred Delp wachhalten“, sagte Erich Maier, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lampertheim. In seiner Ansprache ließ er die Zuhörer teilhaben am Lebensweg des Jesuitenpaters Alfred Delp und dessen Überzeugungen. An seine jesuitischen Mitbrüder hatte Alfred Delp nach seiner Verurteilung geschrieben, der eigentliche Grund sei, dass er Jesuit sei und geblieben sei. Mit gefesselten Händen war er in Haft, was er schrieb, wurde aus dem Gefängnis geschmuggelt. Ergreifende Gedanken in seiner Lage, aber auch kritische Analysen zur Kirche, sein ökumenisches Anliegen und zur Praxis tätiger Nächstenliebe hatte er aufgeschrieben. Im Widerstands hatte er sich mit Fragen der Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und des gesellschaftlichen Wiederaufbaus nach dem Krieg auf der Grundlage der christlichen Soziallehre befasst.

    Aus der Gerichtsverhandlung ist bekannt, dass der Vorsitzende Freisler Alfred Delp voller Hass sagte: „Sie Jämmerling, Sie pfäffisches Würstchen – und so was erdreistet sich, unserem geliebten Führer ans Leben zu wollen … Eine Ratte – austreten, zertreten sollte man so was“. Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse mit dem Treffen in Potsdam und den Demonstrationen wünschte sich Maier: „Zeigen wir Flagge, stehen wir auf, zeigen wir alle gemeinsam, dass wir in Lampertheim massiv gegen eine solche Entwicklung sind. Alfred Delp wäre stolz auf seine Lampertheimer“.

    Schüler und Schülerinnen der Alfred-Delp-Schule hatten ein Gedicht und einen Rap-Song gemacht, Zitate gesammelt und von berührenden Gefühlen der Hilflosigkeit erzählt, die Alfred Delp in seiner Haft in Erwartung der Hinrichtung aufgezeichnet hatte. Foto: Hannelore Nowacki


    Eine Schule, die seinen Namen trägt
    Schülerinnen und Schüler der Alfred-Delp-Schule hatten Plakate gestaltet und sich zum Leben und Wirken des Jesuitenpaters Alfred Delp Gedanken in Form von Lesungen mit Zitaten aus Briefen von Alfred Delp und einem eigenen Song gemacht. Was Alfred Delp in den dunklen und schweren Stunden unter Folter und Warten auf den Henker gefühlt und gefürchtet hat, haben die Jugendlichen einfühlsam vorgetragen. Der Jahrgang 7 im Wahlpflichtunterricht Theater mit Fachlehrerin Christine Weppelmann hatte sich mit einem Besuch der Alfred-Delp-Kapelle vorbereitet. Gedicht und Rap hatte der Jahrgang 10 im Deutschunterricht mit Fachlehrer Machkour Rachid erarbeitet. Pfarrer Rauch dankte allen, die sich an der Gedenkfeier beteiligt und mitgewirkt haben. „Ihr habt der Alfred-Delp-Schule alle Ehre gemacht“, sagte er den Jugendlichen, die sich mit ganz viel Herzblut und Kreativität eingebracht hätten.

    Gedenken bei der Eucharistiefeier
    In der St.-Andreas-Kirche wurde anschließend die Eucharistiefeier zelebriert, musikalisch vom Chor Ephata gestaltet. Wie einst Alfred Delp war auch Jesuitenpater und Festprediger Andreas Batlogg SJ, aus München kommend, eine Zeitlang verantwortlich bei der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“ tätig. Nach dem Verbot der Zeitschrift und Beschlagnahme des Verlagshauses wurde Alfred Delp in München-Bogenhausen Kirchenrektor. Umgänglich, lebensfroh und hilfsbereit sei er gewesen, ein Seelsorger mit Leib und Seele. Während der Frühmesse dort in St. Georg wurde er im Juli 1944 verhaftet. Wie Erich Maier sprach er die fällige Seligsprechung Alfred Delps durch den Papst an, die jedoch auf sich warten lasse. Pfarrer Christian Rauch hatte eine frohe Botschaft mitzuteilen: Zum Patron der Großpfarrei habe Bischof Peter Kohlgraf Alfred Delp ernannt.

    Hannelore Nowacki

    [ngg src="galleries" ids="2364" display="basic_thumbnail" thumbnail_width="240" thumbnail_height="160" thumbnail_crop="0"]

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2