KAMPF GEGEN CORONA: Kreisspitze zur aktuellen Situation / Omikron auf dem Vormarsch / Meinungsfreiheit und Dialog wichtig
„Impfungen sind verfügbar!”
Im Kreis Bergstraße gibt es derzeit ausreichend Impfangebote – für Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen sowie für Kinder von 5 bis 12 Jahren. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen im Kreis Bergstraße? Welche Altersgruppen sind besonders betroffen? Wie steht es mit der Verbreitung der Omikron-Variante? Was gibt es Neues zum Thema Impfen im Kreis? Über diese und weitere für die Region relevanten Fragen rund um die Coronavirus-Pandemie informiertenLandrat Christian Engelhardt und die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz am Dienstag im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz. Dabei fragte der TIP auch zum Umgang mit den sogenannten „Montags-Spaziergängen” nach.
Landrat Christian Engelhardt erläuterte zunächst, dass es derzeit „eine spannende Zeit mit vielen spannenden Diskussionen” sei. Er setzt große Hoffnungen darauf, dass sich „das realisiert, was einige mit Blick auf Südafrika und Großbritannien erwarten, nämlich dass die Omikronvariante den Weg aus der Pandemie zeigt, da sie milder verläuft und wir so alles, was mit der Pandemie zusammenhängt, zu Ende bringen. Gleichwohl sind wir noch in der Pandemie und es ist davor auszugehen, dass wir in den nächsten Tagen über Inzidenz von 350 kommen werden, auch in der gesamten Metropolregion. Von solch einem Trend löst man sich normalerweise nicht.” Die Überschreitung dieses Schwellenwertes würde weitere Maßnahmen nach sich ziehen, denn wenn die Inzidenz drei Tage über dem Wert von 350 liegt wird das Land Hessen den Kreis zum Hotspot erklären – mit unter anderem 2G+ im Sport- und Freizeitbereich in Innenräumen und auch in der Gastronomie. „Zudem müssten wir eine Allgemeinverfügung auf den Weg bringen, die untere anderem die Einschränkung des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit oder auch die Maskenpflicht in Einkaufszentren wie dem Rhein-Neckar-Zentrum und Fußgängerzonen wie in Besnheim und Heppenheim beinhaltet. Hierauf sind wir bereits seit längerem vorbereitet und haben uns mit den Kommunen über entsprechende Flächen abgesprochen.
Impfkampagne läuft
Bezüglich des Impfens hatte Landrat Engelhardt gute Nachrichten dabei – mit der Ausnahme des starken Rückgangs an Erstimpfungen. „Wir impfen derzeit in vier Impfzentren des Kreises, zudem fahren viele Ärzte Aktionen. Es gibt bereits eine Sättigung, die Termine sind nicht mehr alle nachgefragt, insbesondere bezüglich des Impfstoffes Moderna. Auch auch die Verfügbarkeit an Biontecdosen steigt an. Impfungen sind verfügbar und das ist gut! Keiner kann sagen, er würde sich gerne impfen lassen, findet aber keine Möglichkeit – auch das ist positiv.” Ähnlich sieht es bei der Impfung für Kinder aus, auch hier seien relativ kurzfristig Termine zu finden.
In der vergangenen Wochen wurden in den Impfzentren des Kreises insgesamt 3.384 Impfdosen verimpft, mit Abstand die meisten davon als Boosterimpfungen. Die Zahl der Erstimpfungen sei dabei nach einem relativ hohen Anteil zum Start der Impfzentren stark zurückgegangen und liegt nur noch bei 106.
Kritische Infrastruktur im Blick
Um immer ein aktuelles Bild über die Situation im Bereich der kritischen Infrastruktur zu haben, tage der Krisenstab wieder. In diesem besprechen sich regelmäßig Kreisspitze, Polizei, Bundeswehr, die Rettungsdienste, Krankenhäuser und die Feuerwehrleitung. „Mit Blick auf Omikron erwarten wir hohe Fallzahlen, trotz des erhofften milden Verlauf muss dieser Bereich im Blick behalten werden”, erläuterte Landrat Engelhardt.
Eine gute Nachricht gab es für die Kommunen: So erhalten diese ein Drittel der Einnahmen aus den Bussgeldern, die in Zusammenhang mit Verstößen gehen die Corona-Maßnahmen in diesen als Ordnungswidrigkeit aufgenommen werden. Ziel sei es, hier den Aufwand der betreffenden Städte und Gemeinden zu berücksichtigen.
Jüngere Altersgruppen besonders betroffen
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz betonte mit Blick auf die aktuelle Entwicklung, dass die Inzidenz insbesondere seit Jahresbeginn stark gestiegen sei. Mit Stand von Dienstag sei der Inzidenzwert seit drei Tagen knapp unter dem Schwellenwert von 350, könnte mit dem morgigen Tag aber bereits über dem Schwellenwert liegen „Wir stellen uns darauf ein und sind vorbereitet”, so die Gesundheitsdezernentin. Das aktuelle Infektionsgeschehen spiele sich weiterhin besonders in den jüngeren Generationen ab. Besonders die Altersgruppen der 16- bis 20-Jährigen mit einer Inzidenz von deutlich über 800 und der 21- bis 25-Jährigen mit einem Wert von über 700 stünde dabei im Fokus. Positiv sei: Alle Altersgruppen über 70 haben einen Wert von unter 100, „besonders gut ist, dass wir am heutigen Dienstag bei den Höchstbetagten über 90 eine Inzidenz von 0 haben”, berichtete Diana Stolz. Aktuell sind alle Kommunen des Kreises betroffen, das Durchschnittsalter der aktuell Infizierten liegt bei rund 34 Jahren.
Einen Blick richtete die Erste Kreisbeigeordnete auch auf die Zahlen der Infizierten, die geimpft bzw. nicht geimpft sind. Von Ende Dezember bis Anfang Januar lag hierbei die Anzahl der Personen, die trotz Impfung positiv getestet wurden, bei 25 Prozent der Gesamtzahl, die der Ungeimpften bei 75 Prozent. „70 Prozent der Bevölkerung, die durchgeimpft sind, machen 25 Prozent des Infektionshesschens aus, 30 Prozent der Bevölkerung machen 75 Prozent des Infektionsgeschehens aus”, warb Diana Stolz für das Impfen. Der Anteil der Personen, die bereits eine Boosterimpfung erhalten haben, liegt demnach bei 6 bis 7 Prozent unter den infizierten Personen.
Wie bundesweit zu beobachten ist hat sich auch im Kreis Bergstraße die Omikronvariante stark ausgebreitet. Mit Stand von Montag gab es 154 bestätigte Fälle, es gibt nur noch zwei Kommunen, für die kein bestätigter Omikron-Fall vorliegt. Auffällig sei, dass es einen stärkeren Anstieg an Fallzahlen gibt, aber nicht an Patienten in den Krankenhäusern
„Dialog suchen”
Wie steht der Kreis zu den Montagsspaziergängern und welche Maßnahmen erachtet die Kreisspitze diesbezüglich für sinnvoll – diese Frage stellte der TIP im Rahmen der Pressekonferenz. Landrat Engelhardt betonte hierzu zurecht, dass es „wichtig ist, dass Menschen ihre Meinung äußern können. Das ist eine entscheidende Grundlage unserer Demokratie.” Er persönlich sehe es kritisch, dass mit diesen „Spaziergängen” das Versammlungsrecht umgangen werden soll. „Dieses soll Versammlungen steuern und nicht verbieten, denn Meinungsfreiheit soll stattfinden können. Hier finden jedoch de facto Demonstrationen statt.” Persönlich sei er bereits bei einer solchen Demonstration anwesend und habe sich mit den Demonstranten unterhalten, so Landrat Engelhardt weiter. „Ich finde es wichtig, den Dialog zu führen“, stellte er klar. Gleichzeitig hab man auf Wunsch der Städte und Gemeinden geprüft, solche „Spaziergänge” zu verbieten – hier sähe man aber keine Möglichkeiten und wolle auch die Meinungsfreiheit nicht einschränken. Benjamin Kloos