
BÜRSTADT – Der 47-jährige Reinhard Tabar hat mit seiner Zustiftung in Höhe von 20.000 Euro in das Kapital der Bürstädter Bürgerstiftung offenbar selbst die Menschen überrascht, die ihn aus der ehrenamtlichen Arbeit des Inklusionsbeirates kennen. Denn es handelt sich um eine außergewöhnlich hohe Summe, die das Kapital der Bürgerstiftung auf jetzt 143.700 Euro aufstockt – und es ist die bislang größte Zustiftung seit Gründung der Bürgerstiftung im Jahr 2011. Damals stifteten 23 Privatpersonen und Unternehmen 86.500 Euro für das Grundkapital, das sich durch Zustiftungen wie nun geschehen und durch Zinsen vermehrt. Das Stiftungskapital darf nicht angetastet werden, nur die Zinserträge werden für Aufgaben verwendet. Die Bürgerstiftung hat sich mit ihrer Satzung zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität in Bürstadt zu steigern und Gemeinschaft zu fördern. Dazu braucht es außer Geld Mitwirkende, die sich mit ihren Ideen und Anregungen für Projekte einbringen.
Genau das hat Reinhard Tabar zugesagt, der ursprünglich selbst eine Stiftung gründen wollte. Diese „tolle Spende“ war der Anlass für Rüdiger Engert, Vorsitzender der Bürgerstiftung, zu einem Pressetermin mit Reinhard Tabar und den Finanzverwalter der Bürgerstiftung Lothar Litters und den Vorsitzenden des Inklusionsbeirates Hans-Dieter Niepötter einzuladen. Das Treffen fand am barrierefrei gebauten Wohnsitz Tabars statt, der seit seinem schweren Zweiradunfall 1994 körperlich eingeschränkt und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Seine Motivation zu spenden erklärte Tabar mit seiner persönlichen Geschichte und den vielen positiven Erlebnissen mit fremden Menschen in Bürstadt seit seinem Unfall, seiner Verwurzelung in Bürstadt seit seiner Kindheit und dem Wunsch etwas tun und auch zurückgeben zu wollen. Das Abitur in Heppenheim habe er nur machen können, weil andere dafür gesorgt hatten, dass es dort einen Fahrstuhl gab. Bei der Bürgerstiftung könne man sich mit den eigenen Fähigkeiten in bestehende Strukturen einbringen, denn in Gemeinschaft könne man mehr erreichen, ist Tabar überzeugt.
Etwas zurückgeben wollen
„Jetzt bin ich in der Lage etwas zurückzugeben“, sagt Tabar. Angefangen hatte dieser Weg bei Gesprächen mit Hans-Dieter Niepötter, der ihn unbedingt im Inklusionsbeirat haben wollte, weil er an Reinhard Tabar dessen Sicht auf die Welt und den Austausch schätzt. So habe es auch Michael Molitor von der Stadtverwaltung gesehen. Niepötter sagt klar: „Ich bin froh, dass er dabei ist, er ist eine Bereicherung des Inklusionsbeirats“. Tabar erzählt, dass er zwar schon damals die Motivation hatte etwas zu tun, anfangs aber etwas zögerlich gewesen sei. Geld sei nötig um etwas zu tun, aber wichtig sei die Öffentlichkeit, um sichtbar zu sein und um Leute zum Nachdenken zu bringen. Man könne durch Geld- und Sachspenden seinen Beitrag leisten, wenn man nicht körperlich aktiv werden könne. Hier merkte Engert an, dass die Bürgerstiftung klein sei, aber mit wenig Geld viele Projekte anstoße und begleite – was sogar dem Stiftungsverband aufgefallen sei, der sich lobend geäußert habe. Das Geld gehe eins zu eins in die Projekte, der Vorstand sei ehrenamtlich tätig.
Individuelle Schülerbetreuung für lernschwache Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund, Lesepaten, Hilfe bei der Berufswahl mit „Fit for Future“ und einiges mehr unterstützt die Bürgerstiftung mit Hilfe von Ehrenamtlichen und Unternehmen. „Der Geist der Bürgerstiftung hat mich beeindruckt“, sagt Tabar. Fest steht, dass der jährliche Zinsertrag von 400 Euro der Inklusion zugutekommt. Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich, die Tabar aus der Statistik nennt: In Bürstadt hätten 12 Prozent der Einwohner einen Grad der Behinderung höher als 50 Prozent, was etwa 1.800 Personen entspreche, indirekt betroffen seien zusätzlich die Angehörigen. Engert würde die 400 Euro gerne durch Spenden aufgestockt sehen und wies auf das Spendenkonto der Bürgerstiftung hin (unter www.buergerstiftung-buerstadt.de).
Hannelore Nowacki
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