SPD-SOMMERTOUR: Beamtenbau, Bushaltestelle und der bergmännische Tunnel im Fokus
In Neuschloß geht es voran
Hier könnte gegen den Willen der Neuschlösser die neue Bahntrasse entstehen. Die SPD Lampertheim und der Bundestagskandidat Sven Wingerter sprechen sich für den bergmännischen Tunnel aus. Foto: Hannelore Nowacki
NEUSCHLOSS – Wird es regnen oder ziehen die dunklen Wolken vorbei? Als sich die SPD Lampertheim am Montagabend zur einstündigen Sommertour vor dem eingerüsteten Beamtenbau traf, wärmte die Sommersonne und so blieb es auch. Dieser schöne Sommerabend passte zur guten Stimmung der vielköpfigen Gruppe, der sich auch zwei Nichtmitglieder aus Neuschloß angeschlossen hatten. Anders war es den Hüttenfeldern ergangen, dort hatte es zuvor geschüttet und gehagelt. Ortsvorsteherin Carola Biehal (SPD) begrüßte die Teilnehmer zum politischen Spaziergang von der zukünftigen Bushaltestelle an der L 3110 bis zum Wald am Ortsausgang Richtung Hüttenfeld, wo ein Flatterband am rechten Fahrbahnrand der Landesstraße und ein kleines Schild mit der Aufschrift ICE seit einigen Jahren anzeigen, wie nahe an der Wohnbebauung die neue Bahntrasse gebaut werden soll. Ein Ziel ist fast erreicht: „Seit drei Jahren haben wir für diese Bushaltestelle gekämpft“, erklärte Biehal, „ich freue mich, wenn sie fertig ist“. Der Blick auf die abgesperrte Baustelle zeigt, es wird noch etwas dauern, denn die Altlasten der früheren Chemiefabrik im Boden müssen noch fachgerecht versiegelt werden, bevor der neue Asphalt gegossen werden kann. Dass ein Teil der Grünfläche weggenommen wurde, damit die Busse im Gegenverkehr aneinander vorbeikommen, findet Biehal bedauerlich, aber zu verschmerzen. Der Beamtenbau, eigentlich das schönste Gebäude in Neuschloß, steht eingerüstet da und wird von seinem Eigentümer außen und innen unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen komplett saniert. Bis Ende August soll das Dach fertig gedeckt sein, wenn Wetter und Corona es zulassen, parallel zu den Außenarbeiten geht es im entkernten Innern voran, wusste Ortsvorsteherin Biehal zu berichten. Wohnraum soll entstehen, mehr habe der Eigentümer noch nicht verraten. Die vielen neuen Dachgauben fallen auf, die seien mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Gerne hätte Biehal in Räumen des Erdgeschosses eine Art Heimatmuseum eingerichtet, doch für die Anmietung gebe es von der Stadt Lampertheim kein Geld. Der Bürgermeister müsste noch überzeugt werden. Dass die Stadt Lampertheim den Beamtenbau vor zehn Jahren verkauft habe, werten Jens Klingler, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament und Vorsitzender des Ortsbezirks Lampertheim Mitte, und Marius Schmidt, der Erste Stadtrat und Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Bergstraße, aus Kostengründen als notwendig. Die aufwändigen Sanierungen hätte die Stadt nicht bezahlen können. „Wir können stolz darauf sein, was wir seit 2016 für den Stadtteil erreichen“, meinte Schmidt.
Bei der SPD-Sommertour in Neuschloß war die neue Bushaltestelle ein großes Thema. Ortsvorsteherin Carola Biehal erklärte dem SPD-Bundestagskandidaten Sven Wingerter die Hintergründe. Foto: Hannelore Nowacki
Dazu zählt er den Wohnungsbau der Baugenossenschaft Lampertheim auf dem ursprünglichen Brachgelände, das zuvor der katholischen Kirche gehörte. Klingler stellte die Verdienste der Bürgerkammer heraus, darunter die Bushaltestelle. „Jetzt rundet sich das Bild in Neuschloß ab“, meinte Klingler und richtete an Ortsvorsteherin Biehal, die zuvor Vorsitzende der Bürgerkammer war, ein Lob: „Carola, du hast was geschafft“. Mittlerweile war der SPD-Bundestagskandidat für den Kreis Bergstraße Sven Wingerter angekommen, der zum bergmännischen Tunnel für die neue Bahntrasse seine ganz entschiedene Meinung vortrug: Dafür müsse gekämpft werden. Dies sei Aufgabe der ganzen Region im Konsens, des zukünftigen Bundestagsabgeordneten und des Landrats. Sich gleich auf die offene Tunnellösung einzulassen, nur weil die Bahn jetzt ihre Planung vorgestellt hat, verschlechtere die Verhandlungsposition. Bei Ortsvorsteherin Biehal kam diese Stellungnahme gut an: „Das wollten wir heute hören, dass wir die Unterstützung der Politik bekommen“. Man solle sich in der Region nicht gegeneinander ausspielen lassen, war man sich einig. Auch dass es sich mit der neuen Bahntrasse um ein Infrastrukturprojekt handelt, das nicht nur die Neuschlösser in den nächsten Jahrzehnten begleiten werde. Vom Begriff „ICE-Trasse“ will Biehal wegkommen zugunsten der Bezeichnung „neue Bahntrasse“, weil dort auch Güterzüge fahren sollen. Der Abend sollte gemütlich in der Heide ausklingen, dazu ermunterte Biehal die Genossen. Hannelore Nowacki
Die Baustelle für die neue Bushaltestelle ist wegen der Altlasten im Untergrund eingehaust. Foto: Hannelore Nowacki