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Do., 19. April 2018, 08:01 Uhr
Karl Ernst – eine Lampertheimer Legende / Erinnerungsstücke für Sonderausstellung im Rahmen des Oldtimer-Treffens „Rund um den Dom” am 13. Mai gesucht
„In seinen Adern floss kein Blut, sondern Benzin”
Motorräder waren die Leidenschaft von Karl Ernst – ob bei Rennen oder beim Schrauben. Foto: oh
LAMPERTHEIM – Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – und diese haben größtenteils die Form von Oldtimern und den neuesten Modellen der Autohäuser der Region. Denn am Sonntag, 13. Mai, findet schon traditionell am Muttertag das Oldtimer-Treffen „Rund um den Dom” statt, verbunden mit einer großen Autoschau und einem verkaufsoffenen Sonntag.
Organisiert wird das Oldtimer-Treffen durch „Lampertheim Classics”. Der Verein hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, alte Fahrzeuge zu erhalten, sondern gleichzeitig auch junge Menschen für diese faszinierende Welt der Oldtimer zu interessieren und zu begeistern. Und ein weiterer Punkt liegt dem Verein am Herzen: Die Bewahrung der Erinnerung an die Lampertheimer Rennlegenden wie Wilhelm Herz, Karl Ernst und Manfred Herweh. Diese Erinnerung soll im Rahmen einer Sonderausstellung am Muttertag im Alten Rathaus wieder aufleben – mit Bilder, Filmvorführungen und alten Erinnerungsstücken wie Medaillen, Urkunden, Presseberichten und vielem mehr.
Karl Ernst – eine Lampertheimer Legende
„In seinen Adern ist kein Blut, sondern Benzin geflossen” – diese Aussage zu Karl Ernst stammt aus dem Mund von Menschen, die den Lampertheimer Motorrad- und Motorsportbegeisterten Karl Ernst so gut kennen wie kaum jemand und die die Erinnerung an ihn lebendig halten: Seine Tochter Ruth Steffan und sein Schwiegersohn Hermann Steffan. „Wenn er im Garten war hat er gehört, welcher Motor auf der Straße zu hören war”, berichteten sie im Gespräch mit dem TIP.
Sein Leben lang hat Karl Ernst mit Leidenschaft an Motorrädern geschraubt. „Er hat immer aus relativ wenig Material viel gemacht. Er war ein Tüftler mit Herz und Leidenschaft”, erinnern sich Ruth und Hermann Steffan. Zahlreiche Motorräder hat er in seinen Händen gehabt und liebevoll auseinander- und wieder zusammengeschraubt, repariert und restauriert. So brachte er einmal gemeinsam mit Hermann Herz zwei Motorräder aus Italien mit – eines der beiden befindet sich noch heute im Familienbesitz.
Dabei handelte Karl Ernst immer nach dem Motto „Erst wird überlegt, dann geschraubt”. Kein Wunder, dass er besonders gerne zuhause schraubte, in Ruhe und mit genug Zeit zum Überlegen. Und so kam es immer wieder vor, dass er zu Testfahrten fuhr, um diese abzubrechen und das getestete Motorrad nicht vor Ort, sondern erst zuhause zu reparieren. Ruth Steffan erinnert sich auch gerne daran, als Karl Ernst einen Motor auf den Küchentisch legte um an ihm zu schrauben. Bedauerlich fand sie es nur, wenn er liebevoll restaurierte Motorräder verkaufte, um sich anschließend einem neuen Projekt zu widmen.
Ruth und Hermann Steffan, die Pokale, Urkunden und Bilder vor allem aus den 1950er-Jahren, die Karl Ernst beispielsweise vom Landrat nach Rennen erhalten hatte, liebevoll aufbewahren, erinnern sich zudem gerne an Rennen zurück, die Karl Ernst fuhr. So gab es damals das sogenannte Dreiecksrennen, für das bei Karlsruhe Autobahnen gesperrt und zu Rennstrecken umfunktioniert wurden. Auch bei weiteren Straßenrennen oder Rennen wie am Riedring in Lorsch sowie später bei Sandbahnrennen, unter anderem in Altrip und Herxheim, war Karl Ernst mit Leidenschaft dabei.
Es war zwar kein Rennen, aber an eine Begebenheit mit Karl Ernst auf dem Motorrad werden sich sicher noch viele Lampertheimer erinnern: Als er auf dem zugefrorenen Altrhein fuhr und das Motorgeräusch weit zu hören war.
Eines fand Karl Ernst, der stets sehr selbstlos war, dennoch sehr schade: Dass es in Lampertheim keinen Motorsport-Club gab. Nichts desto trotz hat er die Jugend in diesem Bereich gefördert und vieles von seinem Wissen rund um Motorräder weitergegeben – auch an seinen Schwiegersohn.
Die Familie lag Karl Ernst trotz aller Begeisterung für Motorräder immer besonders am Herzen. Und so lies er es auch nicht zu, dass seine Tochter Ruth bei Sandbahnrennen der Zweisitzer im Beiwagen saß – selbst nicht bei seinem besten Freunde, dies war ihm zu gefährlich.
Geweckt wurde die Leidenschaft für Motorräder schon sehr früh, als Karl Ernst 16 Jahre alt war. Während des 2. Weltkrieges wurde er bei den KRAD-Fahrern eingesetzt und konnte so jung an Jahren seine Liebe zu den Motorrädern entwickeln – auch wenn ihm das Gedankengut des NS-Regimes fern lag. Prüfender Blick: Karl Ernst reparierte mit viel Herzblut Motorräder. Foto: oh
Auch zu Zeiten, in denen es noch lange kein Internet und Facebook gab, war Karl Ernst sehr gut vernetzt und wusste immer, wo er die entsprechenden Ersatzteile oder Unterstützung bekommt. Und dies nicht nur in Lampertheim, wo es viele Interessierte an Motorrädern und Motorsport gab, sondern in der ganzen Region und darüber hinaus. Diese gute Vernetzung spiegelte sich auch in einer guten Kameradschaft wider: So war es unter den Rennfahrern üblich, dass man bei Rennen bei heimischen Rennfahrern übernachten konnte.
Wer einige der Urkunden und Pokale von Karl Ernst sehen möchte, hat dazu im Rahmen der Lampertheimer Autoschau in der Ausstellung von „Lampertheim Classics” Gelegenheit, denn Ruth und Hermann Steffan stellen einige ihrer Andenken an ihren Vater und Schwiegervater zur Verfügung.
Wer hat Erinnerungsstücke?
In diesem Zusammenhang bittet „Lampertheim Classics” die Bevölkerung um Mithilfe und Unterstützung, auch wenn es bereits eine große Resonanz auf die bisherigen Aufrufe im TIP gab: Wer ebenfalls über Erinnerungen und besonders über altes Bildmaterial von den Lampertheimer Rennlegenden Wilhelm Herz, Karl Ernst und Manfred Herweh verfügt, wird gebeten, sich telefonisch unter der Nummer 06206/57839 bei Herrn Kissel oder unter der Nummer 0160/3662482 bei Herrn Asel unter der E-Mail-Adresse jv@la-classics.de zu melden. Die Bilder werden dann durch Hans-Karl Asel abfotografiert und großflächig aufgezogen. Gerne werden auch Leihgaben wie Souvenirs von Rennen oder andere Erinnerungsstücke an die glorreiche Lampertheimer Rennzeit angenommen – etwa Prospekte oder Rennprogramme. Und natürlich sind auch persönliche Anekdoten willkommen, die vorab gerne im TIP veröffentlicht werden können. „Wir wollen eine besondere Ausstellung realisieren, mit persönlichen Erinnerungen, da viele Lampertheimer die Rennsportlegenden noch kennen – oder aber von Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern einen besonderen Bezug zu diesen haben”, hoffen die Mitglieder von Lampertheim Classics auf große Resonanz. Benjamin Kloos
Info: Wer alte Fotos oder Erinnerungsstücke an die Lampertheimer Rennlegenden wie Wilhelm Herz, Karl Ernst und Manfred Herweh hat, wird gebeten, sich telefonisch unter 06206/57839 oder unter 0160/3662482 sowie per E-Mail unter jv@la-classics.de mit dem Verein in Verbindung zu setzen.