Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Informative Gesprächsrunde zur Jugend- und Suchtberatung
Mo., 14. Oktober 2019, 11:42 Uhr
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht zu Besuch bei PRISMA
Informative Gesprächsrunde zur Jugend- und Suchtberatung
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht im informativen Gespräch mit Vertretern aus der Politik und der AWO. Im Bild (von links): Philipp Ofenloch (Jusos Bergstraße) und AWO-Geschäftsführer Sebastian Parker. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die Bundesministerin kam pünktlich und blieb eine gute Stunde, um sich vor Ort über die Angebote der AWO Jugend- und Suchtberatung im Kreis Bergstraße im Bereich des Rieds bis Viernheim zu informieren. Großer Trubel herrschte im verwinkelten Haus der AWO Jugend- und Suchtberatung PRISMA am Freitagnachmittag beim Empfang von Christine Lambrecht, die im Juni dieses Jahres Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD) wurde und seit 1998 für den Kreis Bergstraße als SPD-Bundestagsabgeordnete tätig ist. Im gar nicht so großen Büro von Fachbereichsleiter Adrian Steier-Bertz, das mit gemütlicher Sitzgruppe auch als Beratungsraum genutzt wird, waren alle Besucher und Mitarbeiter versammelt. Gekommen waren der AWO-Geschäftsführer mit Sitz in Bürstadt Sebastian Parker als Ansprechpartner, der AWO-Kreisvorsitzende Ludwig Kern sowie SPD-Stadtverordnete mit dem Fraktionsvorsitzenden Marius Schmidt und Philipp Ofenloch, der als Vorsitzender der Jusos Bergstraße später den diesjährigen Sozialpreis der sozialdemokratischen Jugendorganisation an Fachbereichsleiter Steier-Bertz überreichte. Dotiert ist der Preis in diesem Jahr mit 200 Euro, die in einem kleinen goldenen Säckchen Platz hatten. Gesammelt hatten die Jusos bei Christine Lambrecht, der Landtagsabgeordneten Karin Hartmann (SPD), dem Kreisbeigeordneten Karsten Krug (SPD) und beim SPD-Vorsitzenden Bergstraße Marius Schmidt. Weitere 200 Euro gehen an einen Verein. Von den Fachkräften ließ sich Lambrecht im Detail über die umfangreichen Aufgabengebiete informieren, fragte nach „wie habe ich mir das vorzustellen“ und hakte immer wieder nach. Es komme auf Freiwilligkeit an, aber Betroffene kommen auch auf Anraten des Jobcenters, der Schule, des Arbeitgebers oder es sei eine Auflage des Gerichts, erklärte Diplom-Pädagoge Frederic Krassowka. Die Arbeit in Familien laufe zum Teil über zwei bis drei Jahre, wobei die Familien mit Eltern, die von Sucht betroffen sind, wöchentlich mehrere Stunden unterstützt werden. „Wir sind da sehr nahe drin“, ergänzte Fachbereichsleiter Steier-Bertz. AWO-Geschäftsführer Parker wies darauf hin, dass zu Beginn vor 30 Jahren die klassische Suchtberatung im Vordergrund stand, eine Vielzahl neuer Angebote sei hinzugekommen mit „Produkten“ wie Familienarbeit und betreutes Wohnen. Als Fachstelle für Suchtprävention werde auch vorbeugende Aufklärungsarbeit in Schulen geleistet. Außerdem habe die AWO die Fachberatung für Glücksspielsucht für den Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis übernommen. In Hessen sei es immerhin möglich, dass sich Spieler in einer Spielhalle sperren lassen können, eine Regelung, die im Dreiländereck in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nicht greife. Im Online-Spielbereich müsse man die Datenlage abwarten, meinte Steier-Bertz. Das „Abtauchen“ der Jugendlichen an sich sei ein Thema, verknüpft mit einem Mischkonsum verschiedener Stoffe und nichtstofflichen Süchte wie Medienabhängigkeit und Spielsucht. Während die Opiatabhängigkeit rückläufig sei und der Tabakkonsum dank hoher Steuern ebenfalls, gebe es mehr Komasaufen bei insgesamt rückläufigem Alkoholkonsum. Neue Produkte wie E-Zigaretten müsse man im Blick behalten und die Jugendlichen aufklären. Sozialpädagoge Hans Münchmeyer sprach die kostenpflichtige MPU-Vorbereitung bei Führerscheinentzug an, der oftmals bei Betroffenen Signalwirkung habe und Grund sei sich zu ändern. Parker gab an, dass die Anzahl der Suchtberatungen von 283 Personen im Jahr 2014 auf 566 Personen bis 2018 anstieg, im letzten Jahr wurden für die vier Fachkräfte insgesamt 2.119 Kontakte verzeichnet. Wobei die Finanzierung durch das Land Hessen, den Kreis Bergstraße und die Kommunen nicht Kosten deckend sei, betonte Parker, die Lücke betrage mehrere tausend Euro. Seit Jahren könnten die Fachkräfte von PRISMA nicht tarifgerecht bezahlt werden und in die Infrastruktur müsste deutlich mehr investiert werden. In Verhandlungen mit den Kommunen wolle er diese Lücke schließen, teilte Parker mit. Lambrecht dankte für diesen Überblick, den sie zugleich als „Appell an die Bürgermeister und Städte“ verstand, dass diese ihre Zahlungen anpassen. „Das wollen wir mitnehmen und dafür werben“. Schmidt meinte abschließend: „Wir sind zu allem bereit“. Hannelore Nowacki
Den mit 200 Euro dotierten Sozialpreis der Jusos Bergstraße nahm Fachbereichsleiter Adrian Steier-Bertz im Kreis von AWO-Mitarbeitern und Besuchern entgegen, unter ihnen Kreisbeigeordneter Karsten Krug, SPD-Stadtverordnete und Jusomitglieder. Foto: Hannelore Nowacki