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  • Di., 30. Januar 2024, 19:00 Uhr
    Inklusionsbeirat: Das neue Gremium vertritt Interessen von Menschen mit verschiedenen Einschränkungen

    Sitzbänke auf dem Bahnhofsvorplatz zu niedrig, zu hoch, ohne Armlehne

    Sitzpilze auf dem Bahnhofsvorplatz sind für Menschen mit einer mobilen Einschränkung kaum nutzbar. Für wetterfeste Sitzbänke mit Armlehnen in barrierefreier Gestaltung will sich der Inklusionsbeirat einsetzen. Beim Ortstermin (von rechts) waren Hans Dieter Niepötter (Vorsitzender, VdK), Reinhard Tabar im Rollstuhl mit Silke Uihlein (Schriftführerin), Birgit Mascetta (stellvertretende Vorsitzende, Caritasverband) und Sibylle Schmenger. Stephan Thomas (stellvertretender Vorsitzender, Diabetiker Selbsthilfe) sowie die Vertreterinnen der AWO und eines privaten Pflegedienstes waren verhindert. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Ortstermin Bahnhofsvorplatz: Fast alle Mitglieder des neu gebildeten Inklusionsbeirates trafen sich letzte Woche bei Sonnenschein auf dem Bahnhofsvorplatz, um zu schauen, wie es um die Sitzgelegenheiten steht. Barrierefrei sollten sie sein, damit Menschen mit Einschränkungen der Mobilität gut darauf Platz nehmen können. Möblierung ist vorhanden, doch die Sitzpilze bieten sich eher beweglichen Menschen an und auch die Holzbänke in unterschiedlichen Höhen können nicht als barrierefrei gelten, wie der geschulte Blick erkennt: Entweder sind die Sitzflächen zu hoch oder zu niedrig, Armlehnen fehlen und im Sommer sitzt man schattenlos in der heißen Sonne.

    Mit wenigen Mitteln zu verbessern
    Beiratsmitglied Reinhard Tabar, der auf den Rollstuhl angewiesen ist und mit Begleitung unterwegs ist, regt an, zwischen den neuen Sitzbänken genügend Platz für Rollstuhlfahrer einzuplanen, damit diese integriert an Gesprächen teilnehmen können. Nicht Holzbänke mit Splitterpotenzial, sondern wetterfestes glattes Material wie Edelstahl werden bevorzugt. Schon mit wenigen Mitteln ließe sich die Situation verbessern. Besser wettergeschützt wären die Sitzbänke zum Beispiel mit verlängerter Überdachung am Bahnhofsanbau.

    Dass sich hier hinter der grauen Tür das öffentliche WC befindet, ist nicht erkennbar, es fehlt ein Hinweisschild. Auch das sollte geändert werden. Anfragen aus der Bevölkerung habe es gegeben, berichtete Hans Dieter Niepötter, Vorsitzender des zurzeit sieben Mitglieder starken Inklusionsbeirates.

    Aus einem Antrag der Freien Wähler im Bauausschuss für Sitzbänke sei ein Auftrag an den Inklusionsbeirat geworden. „Ich freue mich über die Aufgabe, das zeigt, dass der Inklusionsbeirat angenommen wird“, sagte Niepötter im Einvernehmen mit den motivierten Mitstreitern. Der Kontakt zu den Menschen sei wichtig, betonte Tabar. „Es gibt viel zu tun“, ist Birgit Mascetta sicher. Zunächst gehe es um die Bestandsaufnahme, bevor man etwas verändern könne. „Man weiß, man kann etwas verändern und ist nicht allein“, meinte Niepötter. Ideen sind schon da, zum Beispiel den Kontakt zu Bürstädter Sportvereinen vertiefen, denn Bewegung sei für jeden wichtig.

    Einsatz für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
    In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 1. Juni letzten Jahres hatten alle Fraktionen einstimmig die Einrichtung eines Inklusionsbeirates beschlossen, der höchstens elf Mitglieder haben soll. Das Ziel ist Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Im November fand die konstituierende Sitzung statt, Anfang Januar das erste reguläre Treffen. In diesem Jahr stehen elf Sitzungen im Sitzungskalender der Stadt. Weitere Ortstermine sollen nach Bedarf folgen.

    „Alle sind begeistert“, stellte die Gruppe fest. Bei nur sieben Mitgliedern ist Verstärkung willkommen - Interessierte können sich an Hans Dieter Niepötter wenden. Ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 Prozent soll vorliegen oder Erfahrungen als Angehörige, die ebenso wertvoll für die aktive Mitarbeit seien. Einschränkungen und Behinderungen sind vielfältig – Hören, Sehen, Gehen sind Beispiele. Auch die Frage „wie komme ich ins Internet“ gehören zum Thema Barrierefreiheit. Nach dem Ortstermin ging es über den Bahnübergang ins gegenüber liegende KamÜ zum Pressegespräch.

    Zur Ergänzung der vorhandenen Sitzgelegenheiten am Bahnhof schlägt der Inklusionsbeirat wetterfeste Sitzbänke mit Lehnen in barrierefreier Sitzhöhe vor. Foto: Hannelore Nowacki


    Kontakt suchen und sichtbar sein
    Der Inklusionsbeirat werde zukünftig Beratungen anbieten, dafür werde es nach dem Umbau der früheren Buchhandlung Pegasos am Historischen Rathaus Beratungsplätze geben, kündigte Niepötter an. Die Verschwiegenheitspflicht gelte für alle Mitglieder.

    Der Inklusionsbeirat berät politische Gremien mit Rederecht zu den Themen in den Ausschüssen. Bei Bauvorhaben könnten auf diese Weise Fehler vermieden werden, die teuer zu beheben wären. Reinhard Tabar wird regelmäßig im Haupt- und Finanzausschuss sein, Hans Dieter Niepötter wird am Bauausschuss und an der Stadtverordnetenversammlung teilnehmen, Stephan Thomas am Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität.

    Im Kreis Bergstraße will man sich vernetzen. In der Öffentlichkeit präsent sein, heißt auch Teilnahme am Frühjahrsmarkt in Bürstadt am 21. April. Aber nicht irgendwo zwischendrin, der Inklusionsbeirat wünscht sich einen zentralen Platz, gemeinsam mit anderen sozialen Organisationen. Am 5. Mai steht die Teilnahme am Internationalen Protesttag der Menschen mit Behinderung mit einer eigenen Aktion auf dem Plan.

    Hans Dieter Niepötter ist telefonisch erreichbar unter 0179/9672270 und per E-Mail: hans-dieter.niepoetter@vdk.de

    Hannelore Nowacki

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