INNENSTADT: Strategiekonzept Einzelhandel im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss vorgestellt
Innenstadt als Wohlfühloase – City-Initiative Lampertheim als Motor
Auch der Schillerplatz mit Umgebung soll attraktiver – denn nicht immer pulsiert hier das Leben wie bei einem Markttag am Samstag bei der Veranstaltungsreihe „Kultur auf dem Wochenmarkt“. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die Zukunft der Innenstadt mit Blick auf Kaiserstraße, Domwiese, Europaplatz und Schillerplatz sowie angrenzenden Straßen kann beginnen. Denn nun liegt das 138-seitige „Strategiekonzept Einzelhandel zur Stärkung der Innenstadt“ vor, das im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (SEBA) vorgestellt und wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Es soll langfristig als Richtschnur dienen. Die darin formulierten Ergebnisse, Ziele und Empfehlungen erläuterte Dr. Christian Eckert von der imakomm AKADEMIE GmbH in Aalen, die die Stadt Lampertheim im Juni 2022 mit der Erarbeitung beauftragt hatte. Eine Beschlussfassung war nicht vorgesehen. Bürgermeister Gottfried Störmer wies auf das geförderte Stadtumbauprogramm hin, das mit dem Strategiekonzept einen weiteren Baustein bekommen habe. Im Ausschuss war man sich einig: Das Strategiekonzept soll nicht in der Schublade verschwinden.
CIL – das neue Gremium für mehr aktive Mitarbeit
Aus der Innenstadt lässt sich viel machen, das geht jedoch nicht wie von selbst – solche Veränderungen hin zu mehr Anziehungskraft müssen auch von allen Akteuren mitgetragen und vorwärtsentwickelt werden. Daran lassen der Referent, der Ausschuss und der Bürgermeister keinen Zweifel. Das Stadtmarketing soll zwar eine Hauptrolle bei der Umsetzung und Erreichung der Ziele übernehmen. Aber nicht alles könne aufs Stadtmarketing abgeladen werden, machte Bürgermeister Störmer deutlich. Mit der City-Initiative Lampertheim (CIL) wird eine neue Plattform geschaffen, die das Vorhaben aus privater Sicht begleitet und für sichtbaren Output, sprich Ergebnisse, sorgen soll. Geschäftsleute, Immobilienbesitzer und die Jugend sollen an Bord genommen werden. Das Gremium ohne neue Rechtsform, bestehend aus 15 Personen, soll sich eine freiwillige Geschäftsordnung geben, sich vierteljährlich treffen und einmal im Jahr den politischen Gremien berichten. Da auf das Stadtmarketing in der Hauptrolle der Umsetzung mehr Arbeit zukommt, müsste das Personal aufgestockt werden. Nach Rechnung des Referenten fehlen 1,8 Vollzeitstellen im Vergleich mit anderen Kommunen. Beim bisherigen Arbeitskreis Innenstadt habe sich eine gewisse Lethargie eingeschlichen. Da bereits die MIL (Musiker-Initiative Lampertheim), die KIL (Künstler-Initiative Lampertheim) und die LIL (Literatur-Initiative Lampertheim) zur Erfolgsgeschichte der Stadt gehören, hat auch die CIL dem Namen nach beste Chancen.
Der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (SEBA) befasste sich unter anderem mit dem „Strategiekonzept Einzelhandel zur Stärkung der Innenstadt“. Auf der Leinwand ein Zitat als Anstoß zum Handeln. Foto: Hannelore Nowacki
Ideen, Vorschläge und eine Vision
Im „Strategiekonzept Einzelhandel zur Stärkung der Innenstadt“ sind die bisher gewonnenen Erkenntnisse und Entwicklungspotenziale zusammengefasst und eine “Vision 2035“ sieht die Innenstadt als Wohlfühloase mit hoher Aufenthaltsqualität in Verbindung mit dem Einzelhandel, der zwar nicht mehr im Fokus steht, aber durch die zu entwickelnden Frequenzbringer mehr emotionale Bindekraft und Kundenzulauf bekommen soll. Das können laut Konzept Veranstaltungen und Events sein, die insgesamt zur Belebung der Innenstadt beitragen. Wenn alles so kommt wie im Strategiekonzept angedacht, wird die Innenstadt zum „Wohnzimmer“ mit neuen Erlebnismöglichkeiten, aber mit weniger Individualverkehr. Der Fußgänger- und Radverkehr soll gestärkt werden. Ideen wie ein Sommerkino und temporärer Stadtstrand, Begrünung und besser gestaltete Verbindungen, zum Beispiel zum Stadtpark als Veranstaltungsort und Erholungsraum, sind im Konzept formuliert. Eine gemeinsame Weiterentwicklung der Standortstrukturen aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen ist im Einzelhandelskonzept vorgesehen, das mit einem Nahversorgungskonzept kombiniert wird. In der Vorbereitung wurden Geschäftsleute interviewt, es gab mehrere Beteiligungsformate wie auch eine Onlinebefragung der Bürger. Über den Antrag der FDP-Fraktion zum Aufhübschen von Kaiserstraße und Schillerplatz mittels Farbkonzept zur Fassadengestaltung wurde nach intensiver Debatte nicht abgestimmt. Die Eigentümer sollten mit einem Betrag von 500 Euro unterstützt werden. Gernot Diehlmann (FDP) wurde überzeugt, dass dies noch nicht der richtige Zeitpunkt sei.
Debatte mit Appell zum Mitmachen
Helmut Rinkel (Grüne) wünschte sich vom Referenten ein positives Beispiel für das Gelingen der Vorschläge aus anderen Städten, um daraus lernen zu können. In Herzogenaurach in Mittelfranken sei ein Leerstand für eine Pop-up-Fläche angemietet worden, die als Frequenzbringer wirke, teilte Eckert mit. Rinkel sprach auch die relativ hohen Ladenmieten als Hemmschuh an. Wie es mit dem Parkraum steht, wollte Dominik Ofenloch (SPD) wissen, dazu sei im Konzept nichts enthalten. Er sei kein Verkehrsplaner erklärte Eckert, doch nach seinem subjektivem Eindruck gebe es eine ausreichende Zahl von Parkplätzen. In Lampertheim sei bereits vieles umgesetzt, was in dem Strategiekonzept beschrieben sei, warf Carola Biehal (SPD) ein. Sie hoffe, dass am Konzept weitergearbeitet werde. Bürgermeister Störmer appellierte an die Bürger mitzuwirken, denn für das Stadtmarketing sei nicht alles leistbar. Ausschussvorsitzender Thomas Bittner (FDP) sieht insgesamt positive Impulse.