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  • Do., 21. März 2019, 14:15 Uhr
    Ergebnis der Umfrage „Vitale Innenstadt” liegt vor / Schillercafé soll übergangsweise Vereinen zur Verfügung gestellt werden / Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept soll folgen

    „Innenstadt ist nicht annähernd so schlecht wie sie gemacht wird”

    Bis sich ein neuer Pächter findet soll das Schillercafé Vereinen und Verbänden zur Verfügung gestellt werden, die sich dort unter anderem mit Ausstellungen präsentieren können. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Wie lässt sich die Vitalität der Lampertheimer Innenstadt steigern? Unter dieser Fragestellung beteiligte sich das Stadtmarketing Lampertheim an einer bundesweiten Umfrage unter dem Titel „Vitale Innenstädte 2018”, die durch das Institut für Handelsforschung in Köln durchgeführt wurde. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben. 

    Dabei steht fest: So schlimm, wie die Innenstadt häufig geredet wird, ist deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit in weiten Punkten nicht, auch wenn in anderen Bereichen dringender Handlungsbedarf besteht. Dies ist das Resultat der viertägigen Befragung, an der bundesweit 116 Kommunen teilgenommen haben, darunter 37 in vergleichbarer Größe mit Lampertheim. 15 Fragen wurden 403 Passanten an markanten Punkten in der Innenstadt in der Wilhelmstraße, Domgasse und Kaiserstraße sowie auf dem Schillerplatz befragt. Zu den standardisierten Fragen bestand die Möglichkeit, zwei lokalspezifische Fragen zu ergänzen. Ergebnis dieser beiden Fragen war, dass einerseits über 70 Prozent der Befragten die Sonderkulturen wie den Spargel als wichtigstes Attribut der Stadt sehen – gefolgt von den Naturerlebnissen, der Erholung und Freizeitaktivitäten Andererseits wurden als  wesentliche Bestandteile einer vitalen Innenstadt alle fünf Antwortmöglichkeiten nahezu mit der gleichen Prozentzahl ausgewählt. Zu diesen gehören neben dem kulturellen Angebot wie Feste und Veranstaltungen unter anderem um ein vielfältiges gastronomisches Angebot sowie ein gut sortierter Einzelhandel.  

    Mangelnde Attraktivität der Innenstadt

    Allerdings: Die Gesamtbewertung der Attraktivität der Innenstadt liegt bei 3,3 – und damit klar unter dem Schnitt der vergleichbaren Städte, die hier auf einen Wert von 2,7 kommen, während das gastronomische Angebot über dem Schnitt liegt – lediglich ein Biergarten im Herzen der Innenstadt wird vermisst. Und auch in einem weiteren Bereich gibt es eine negative Bewertung: So wird im Gesamteindruck der Attraktivität in Bezug auf den Einzelhandel das Angebot an Bekleidung als schlecht eingestuft, auch wenn drei Einzelhändler, unter diesen Horlé – den Bereich von jung bis alt abdecken. Und auch dass es kein Angebot im Bereich der Schreibwaren und Büroartikel gibt wurde als negativ bewertet, hier hofft das Stadtmarketing auch mit Blick auf die zentrale Schillerschule auf eine künftige positivere Entwicklung. Positiv ist hingegen die Einschätzung des sonstigen innenstadtrelevanten Angebotes wie Lebensmittel, Optiker, Uhren und Schmuck, Schuhe, Drogeriewaren sowie Bücher. Generell wird zudem die Aufenthaltsqualität und der Erlebnis-Charakter der Innenstadt als unterdurchschnittlich bewertet, während das Angebot des Einzelhandel und der Gastronomie überdurchschnittlich bewertet werden. Erstaunt zeigten sich die Mitglieder des Stadtmarketing angesichts der Kritik an der Parkplatzsituation – denn auch dank des Parkhauses mit einer dreistündigen kostenfreien Nutzungsmöglichkeit stünden nach Einschätzung des Stadtmarketings ausreichend Parkplätze zur Verfügung. „Die Befragung war ein erster Schritt. Es ist wichtig, die Frequenz in der Innenstadt zu erhöhen, durch Aufenthalts-, Lebens- und Freizeitattraktivität – und durch den Einzelhandel. Hierzu sind auch Events von der Innenstadt wichtig, aber auch die Fassadengestaltung der Häuser in der Kaiserstraße, hier herrscht Handlungsbedarf.” Als erfreulich sieht Dewald die Aussagen zum Onlinehandel in der Umfrage, denn dieser spielt für die Kaufentscheidung der Befragten nur eine untergeordnete Rolle. „Das Ergebnis der Umfrage bestätigt meine subjektive Einschätzung”, betonte Dirk Dewald, beim Stadtmarketing für den Bereich City- und Eventmanagement zuständig. „Die Innenstadt ist nicht annähernd so schlecht wie sie gemacht wird, aber es gibt Problempunkte und Herausforderungen. Dabei überlagen punktuelle Probleme wie das leerstehende Schillercafé die positiven Aspekte.”

    Übergangsnutzung für Schillercafé 

    Dabei ist auch für das Stadtmarketing der nach wie vor andauernde Leerstand des Schillercafés ein Ärgernis. „Die Verpachtung obliegt dem Immobilienmanagement, wir unterstützen hier aber gerne. Hierzu haben wir auch Kontakt mit der Dehoga und mit der Hotelfachschule in Heidelberg aufgenommen. Es ist wichtig, einen Pächter zu finden, denn der Leerstand ist uns allen ein Dorn im Auge. Bis aber ein solcher gefunden wurde, soll den Vereinen und Verbänden die Möglichkeit gegeben werden, das Schillercafé als Bühne zu nutzen – für musikalische Vorführungen, für Ausstellungen und vieles mehr, gerne besonders samstags während des Wochenmarktes. Jeder Tag, an dem das Schillercafé belebt ist, ist ein guter Tag“, so Dirk Dewald. 

    Nächste Schritte geplant

    Und auch bezüglich der Weiterentwicklung der Innenstadt sind bereits die nächsten Schritte geplant. So sieht das Stadtmarketing eine weitere Befragung außerhalb der Innenstadt als sinnvoll an, um zu erfahren, warum die Kunden die Fachmarktzentren und nicht die Innenstadt anfahren. Hier sollen möglichst alle Bürger erreicht werden, auch durch eine Onlinebefragung. Eines steht für das Stadtmarketing fest: „Jetzt muss eine Strategie folgen, wie wir uns künftig aufstellen wollen. Dazu benötigen wir ein Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept“, betonte Dirk Dewald. In dieses sollen auch die Stadtteile aktiv mit einbezogen werden. Zudem sollte das Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept, in das die Ergebnisse der Umfrage mit einfließen, in enger Abstimmung mit einem Tourismus- und Freizeitkonzept erfolgen, da beide Bereiche teilweise gegenseitig voneinander abhängig sind und kombiniert betrachtet werden müssen. Diese beiden Konzepte sollen extern vergeben werden, um ein neutrales Bild zu erhalten und die Innenstadt bestmöglich zu fördern und deren Attraktivität zu steigern. Benjamin Kloos

     

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