Do., 24. Januar 2019, 14:26 Uhr
Erfolgreicher Jahresauftakt bei den „Lômbadder Babblern“
Interesse an Mundart wächst weiter
LAMPERTHEIM – Das Interesse an der Lampertheimer Mundart und das Gefühl, es hautnah zu erleben und aktiv mitzugestalten, wächst weiter. Dies war beim Neujahrstreffen der „Lômbadder Babbler“ ganz deutlich zu spüren. Das Alte Rathaus war bis auf den letzten Platz besetzt und insgesamt hatten sich 70 Besucher eingefunden um sich gemeinsam mit der Dialektgruppe auf das neue Jahr einzustimmen.
„Erschdemohl Brosd Neijohr unn alles Guude fass neie Johr. Ich hoff, dass da dess guud ôgfônge hedd.“ so begrüße „Owwabaddler“ Kalle Horstfeld die zahlreichen Gäste. Er musste erst einmal tief durchatmen und war sichtlich beeindruckt vom zahlreichen Erscheinen der anwesenden Besucher.
„Wir”, und damit meinte er Manfred „Mônners Krämer, Hans Henning Lassen und Nadine Schütz, „sind mächtig stolz, dass wir in den letzten Wochen so viel Zuspruch für unsere Zeitreise durch die Lampertheimer Zeitgeschichte erhalten haben. Besonders erfreulich sei auch, dass sie bei ihren Aktivitäten von immer mehr Bürgerinnen und Bürgern unterstützt werden.
Kalle, wie er in Lampertheim kurz von fast allen genannt wird, gab dann auch einen kleinen Einblick über die laufenden Aktivitäten der Gruppe. Mônners und er prüfen im Moment, welche Möglichkeiten
bestehen das 1. Lampertheimer Wörterbuch von Manfred Rupp noch einmal neu aufzulegen bzw. nachzudrucken. Kalle hat Manfred Rupp schon mehrmals besucht und ihm davon berichtet. Grundlage des Nachdrucks soll auf jeden Fall das 1. Lampertheimer Wörterbuch sein, das um weitere neue und moderne Wörter wie bei Weggetaria. Wegôna. Ônschela Määgl. Goddfried Schdääma. Fußgengazohn. Owwafeld, ergänzt wird.
Gemeinsam mit dem Stadtmarketing und Marius Schmidt von der SPD ist am 21. Februar 2019 dem internationalen Tag der Muttersprache auch eine „Radwanderung vom Kroddeloch bis zum Gaasseneschd“ geplant. Entlang der Fahrstrecke sollen aktuelle Lampertheimer Straßen (Namen) ein zweites Schild mit ihrer lômbadderischen Schreibweise bekommen. z.B. 1. Neugasse – Erschdie Neigass, Römerstraße – Reemaschdrooß, Unnerdorf, Owwerdorf, Mittelgass.
Am 8. Februar startet auch der heimatliche Sprachkurs an der Lampertheimer Schillerschule. Die Grundschule hat bereits ein Elternanschreiben mit einigen Informationen zu diesem Thema verteilen lassen und Nadine Schütz und Kalle Horstfeld werden am 8. Februar um 15 Uhr dort mit dem Sprachkurs beginnen.
Es liegt ihm mittlerweile auch eine Information aus dem Büro des Landrates Christian Engelhardt vor, dass er an einer dieser Stunden des Sprachkurses teilnehmen wird. Zum Mundart-Ried-Treffen im Jahre 2019 laufen auch bereits einige Aktivitäten. Ziel dieses Treffens ist es ein gemeinsames Treffen aller Mundartgruppen im Ried zu organisieren. Zuerst soll ein Erfahrungsaustausch stattfinden und die Möglichkeiten der gemeinsamen Unterstützung besprochen werden. Ein weiteres Ziel ist es, auch einmal eine gemeinsame Veranstaltung aller Ried-Mundart-Gruppen zu organisieren. Wobei Kalle Horstfeld betont, dass natürlich Viernheimer und Mannheimer Mundart-Gruppen eine Wild Card bekommen.
Nach dem kurzen Bericht von Kalle, gab es dann auch die mitgebrachten und selbstgeschriebenen Geschichten zum Thema Silvester und Neujahr im „Lômbadder“ Dialekt. Erika Krämer-Tomczak, Diana Boll, Inge Weber und Heinz „Clever“ erzählten von verspäteten Weihnachtsgeschenken, Silvesterparties mit den Kindern, der Jahresuhr und dem erwarteten politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen des neuen Jahres. Sehr zur Unterhaltung der anwesenden Gäste. Jeder Beitrag wurde mit einem kräftigen Applaus belohnt. Wobei viele Teilnehmer während der Beiträge
in schallenden Gelächter ausbrachen, teilweise sogar Tränen lachten.
Sein Autorendebüt als „Lômbadder Babbler“ gab der Zeichner der Gruppe Hans-Henning Lassen. Er berichtete in gekonnter Manier über ein mehrfach stattfindendes Klassentreffen in „Lômbadde“. Eine Co-Produktion gab es von „Kalle & Mônners“ über eine Silvesterreise durch die Zeitzonen. Manfred Krämer trug diese Geschichte dann in unnachahmlicher Weise gekonnt vor. Zusätzlich übersetzte er später noch einige Geschichten aus dem Lampertheimer Buch simultan und trug sie im „Lômbadder“ Dialekt vor. Kalle Horstfeld berichtete dann noch von dem Kauf eines „Najooas Bretzl beim Hegge Begga“ und dem Gespräch bzw. der Vorstellung davon, mit einem Glücksschwein.
Kerstin Zecher stimmte dann abschließend mit einem Gedicht auf die nächste Veranstaltung der „Lômbadder Babbler“ am 19. März 2019 zum Thema „Fasnacht und Aschermittwoch“ ein. Kalle Horstfeld freute sich danach besonders darüber das auch Kerstin Zecher das Team zukünftig verstärken wird.
Stolz und sichtlich beeindruckt beendete Kalle Horstfeld dann den interessanten und unterhaltsamen Abend. Die Stimmung war einfach fantastisch. Die Besucher hatten sich hervorragend amüsiert.
Man spürte, dass diese ganze Initiative für die Gruppe nicht nur eine Freizeitbeschäftigung ist, sondern dass sie die Aktivitäten und Inhalte auch mit Haut, Herz und Seele leben.
Kalle wies noch darauf hin, dass sie sich seiner Meinung nach erst am Anfang der Reise befinden.
Das Bestrebung der Gruppe sei es, Menschen Mut zu machen. Dass sie Interesse an der Mundart haben sei unbestritten. Aber sie möchten ihnen Mut machen eine kleine Geschichte zu schreiben und bei einem der Treffen vorzutragen. Das alle Mitwirkende vorher nervös und angespannt sind habe er ja
schon mehrmals angesprochen. Es gehört schon Mut dazu hier etwas vorzutragen, aber wer einmal dabei war, der ist danach sehr stolz.
Es sei ein großer Wunsch der Gruppe, dass immer mehr vom Zuschauer zum Aktiven werden. Einfach auch, weil in ihren Köpfen ein wertvoller Schatz und ein großes Potential liegt.
Und was für sie auch ganz wichtig ist, „wir haben in unserer Gruppe einen unheimlich großen „Team-Spirit“ und stehen eigentlich tagtäglich miteinander in Kontakt und tauschen Ideen und Informationen aus. Und unser Ideenpool ist immer noch sehr groß. Das werden wir jetzt nach und nach angehen“. zg