So., 23.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 09. Januar 2020, 09:32 Uhr
    Forstamt Lampertheim nimmt zu der Vorzugsvariante e 3 der Deutschen Bahn Stellung

    „Interessen des Waldes und die ihn nutzenden Menschen berücksichtigen”

    LAMPERTHEIM – Das Forstamt Lampertheim nimmt zu der Vorzugsvariante e 3 der Deutschen Bahn für den Streckenabschnitt Lorsch Mannheim der ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, wie sie am 6.12.2019 dem Beteiligungsforum in Mannheim vorgestellt wurde, wie folgt Stellung:

    Der auf größerer Strecke durch den Wald geplante Bau eines Tunnel in offener Bauweise (e 3) führt zwar zu einer leichten Verbesserung gegenüber der Katastrophentrasse e 1, die als freie oberirdische Strecke geplant war. Gleichwohl wurde die problematischste Streckenführung für den Wald im südhessischen Ried ausgewählt, obwohl umweltverträglichere Varianten vorliegen.

    Das Forstamt Lampertheim betrachtet vor allem die hohe ökologische Wertigkeit der betroffenen Fläche, eines unzerschnittenen Raumes von über 27 Quadratkilometer (einer der drei letzten zusammenhängenden Waldgebiete in dieser Größe im hessischen Ried) zwischen Lorsch, Bürstadt und Neuschloss. Dieser Naturraum dient als klimatischer Ausgleichsraum für die umliegenden Siedlungsflächen, als Wasserschutzwald, als bedeutsames Erholungsgebiet für die in der Region lebenden Menschen und als wichtiges Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten (Vogelschutz-, FFH-Gebiet und Landschaftsschutzgebiet). Das Forstamt Lampertheim weist auf die vorhandenen Belastungen des Riedwaldes durch langjährige Grundwasserabsenkungen und durch massive Klimaerwärmung  in den letzten 30 Jahren hin. Ein Tunnel in offener Bauweise führt während der Bauphase zu einer jahrelangen offenen Wunde, die dazu führt, dass die  Waldbestände nach Abschluss der von der DB vorgesehenen Maßnahmen sich nicht mehr regenerieren können. Ein schnelles Absterben und Auflösen der beidseitig angerissenen Bestände ist zu erwarten. Ein wirklicher Hochwald wird auf der mit geringmächtigem Erdreich abgedeckten zukünftigen Bahnstrecke nicht entstehen können.

    Für die Variante e 3 verbleiben durch die Inanspruchnahme eines zusammenhängenden unzerschnittenen Raumes und einer Trassenführung durch das Herz dieses Waldgebietes insgesamt erhebliche, bisher nicht ausreichend berücksichtigte Umweltauswirkungen. Diese setzen sich zusammen aus Zerschneidungswirkungen in einem ökologisch sehr wertvollen Waldgebiet und aus Schadwirkungen (Windwurf, Sonnenbrand, Schadinsekten usw.), die ausgehend von den Trassenrodungen in den angrenzenden Wald hineinwirken. 

    Dies alles stellt die Tragfähigkeit der Waldökosysteme im betroffenen Gebiet grundsätzlich in Frage. Zu befürchten ist der Verlust von Hochwaldeigenschaften und der davon abhängigen Waldfunktionen (Klima-, Wasser-, Immissions-, Lärmschutz) sowie von derzeit nicht absehbaren Vermögensschäden für die Stadt Lampertheim und das Land Hessen.

    Seltene Vogelarten leben in den Kiefernwälder. So kommt der Ziegenmelker, Leitart des Vogelschutzgebietes „Wälder der südlichen hessischen Oberrheinebene“ inmitten dieses Waldgebietes so zahlreichvor, dass in ganz Hessen kein vergleichbares Vorkommen zu finden ist. Es ist mit erheblichen Beeinträchtigungen seines Bestandes zu rechnen.  Nach Einschätzung des Forstamtes verlangen die zu befürchtenden Störungen durch die Bauvariante e3 schon deshalb nach Trassenalternativen.

    Die Einstufung der Variante f 5 durch die DB als nicht geeignet bzw. nicht genehmigungs-fähig ist ohne konkreten Nachweis der Beeinträchtigung von Erhaltungszielen nicht zulässig, die darauf aufbauende Trassenbeurteilung somit unzutreffend.

    Eine sich aufdrängende, nach den Vorstellungen des Forstamts Lampertheim modifizierte Variante f 4 (bergmännische Tunnelbauweise zum Schutz des Bannwaldes angrenzend an Lorsch sowie zum Schutz des Waldes am Viernheimer Dreieck) muss untersucht werden.

    Eine zu befürchtende Doppelbelastung des Südhessischen Waldes durch zwei neue Bahntrassen ( e 3 Variante der ICE Neubaustrecke und Güterzugbypass entlang der A67, sofern eine Untertunnelung Mannheims nicht möglich ist und der Güterzugverkehr wachsen wird) kann keine Lösung sein. Diese verkehrsstrategische Aufgabenstellung muss durch eine geeignete Trassenwahl für die ICE – und die Güterzugneubaustrecke gebündelt gelöst werden.

    Die Variante e 3 wird wegen der gravierenden waldökologischen Auswirkungen und aufgrund des Risikos zweier Neubaustrecken durch den südhessischen Wald in der vorliegenden Form (Tunnel in offener Bauweise) abgelehnt.

    Stattdessen werden die für eine Waldzerschneidung vergleichsweise unproblematischen Trassen (f 5 bzw. modifiziert f 4) favorisiert. Das Forstamt Lampertheim setzt sich für Interessen des Waldes und die ihn nutzenden Menschen in der Region ein. zg

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 1