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Fr., 02. Februar 2018, 10:13 Uhr
Sechs ausgebildete Integrationslotsen erhielten ihre Zertifikate
Interkulturelle Vermittler werden in Anlaufstellen tätig
Die Integrationslotsen in Bürstadt und Biblis sollen wichtiger Teil im Integrationsprozess sein und interkulturelle Vermittler. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT/BIBLIS – Im Bürstädter Rathaus konnte eine Erfolgsgeschichte gefeiert werden, die mit der Ausbildung der ersten sechs Integrationslotsen aus dem Ried gerade begonnen hat. Nach umfangreicher Ausbildung beim Lernmobil Viernheim erhielten sie ihre Zertifikate und sind nun bereit für ihre Tätigkeit bei verschiedenen Anlaufstellen. Strahlend nahmen sie die Zertifikate aus der Hand der Bürgermeisterin entgegen, die jedem Einzelnen gratulierte und persönliche Worte der Anerkennung fand. Fares Abou Raed aus Syrien ist von Beruf Landvermesser, spricht Arabisch und Englisch. Student Manar Hanna aus Damaskus spricht Arabisch. Mit Somalisch und Englisch bereichert Hauswirtschafterin Hawa Nur aus Somalia die Sprachenvielfalt. Polnisch spricht Altenpflegerin Marta-Julia Osmanska-Lalurny aus Polen. Deutsch und Englisch sprechen Carmen Pfeiffenberger, von Beruf Hauswirtschafterin, und Wirtschaftsinformatikerin Gisela Bär, die für Biblis tätig wird. Auch Vertreter der zukünftigen Einsatzorte nahmen an der Feierstunde teil, ebenso die pädagogische Leiterin des Vereins Lernmobil Viernheim Dr. Brigitta Eckert und die Leiterin der Erwachsenenbildung Larysa Kay-Kulakowski. Bürgermeisterin Barbara Schader und Bürgermeister Felix Kusicka waren sich einig, dass diese interkommunale Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Ausbildung die richtige Entscheidung war. Beide Stadtoberhäupter setzen auf weitere Interessenten und wandten sich an die neuen Integrationslotsen mit dem Aufruf, Werbung für ihre Tätigkeit zu machen. Schader sprach von „gelebter Partnerschaft“ in „unseren Städten“, um hier eine Heimat zu finden. In Bürstadt leben Zuwanderer aus 84 Nationalitäten – die meisten kommen aus Polen, der Türkei und Griechenland, außerdem sind noch Syrien, Kroatien, Spanien und Italien stärker vertreten. Etwa 14,4 Prozent der 16.000 Einwohner sind Migranten, erklärter Schader, weitere 6,7 Prozent der Einwohner sind eingebürgert. Bürgermeister Kusicka umriss das Ziel der interkulturellen Verständigung: „Es ist schöner in einer Gesellschaft miteinander zu leben als nebeneinanderher“. Zudem machten die Herausforderungen nicht an den kommunalen Grenzen halt. „Sie haben sich auf einen unbekannten Weg gemacht, Sie werden Erfahrungen machen und dabei so viel verändern“, meinte Dr. Brigitta Eckert an die Integrationslotsen gewandt. In Bürstadt wird es mehrere Einsatzstellen mit angekündigten Sprechstunden geben: Im Rathaus, im Jobcenter Ried, in der Kita Sonnenschein, in der Erich-Kästner-Schule und in der Schillerschule sowie im Interkulturellen Büro. Gerasimoula Grigoraki, Rathausmitarbeiterin im Bürgerbüro und externe Frauenbeauftragte für Bürstadt, begleitet und koordiniert das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Lernmobil. In Biblis wird die Integrationslotsin im Rathaus erreichbar sein. Die Integrationslotsen sollen sprachliche Barrieren überbrücken, übersetzen und aufklären, wenn Begriffe in der anderen Muttersprache nicht existieren. Bei Konfliktgesprächen in Einrichtungen wie Jugendamt, Schulen oder Bürgerdiensten ist ihre Unterstützung gefragt. Sie informieren über kommunale Institutionen, Vereine und Verbände, stellen Kontakt zu Beratungsstellen und Fachdienste her und sie sollen die Zugewanderten zum Erlernen der deutschen Sprache motivieren. Hilfe zur Selbsthilfe, Kultursensibilität und interkulturelle Toleranz sollen sie vermitteln. Dabei sind die Integrationslotsen zur Neutralität, Verschwiegenheit und Berücksichtigung von Datenschutzanforderungen verpflichtet. Zweimal jährlich nehmen sie an Fortbildungen zu interkulturellen Themen teil und bilden eine „Peergroup“ mit gemeinsamen Fallbesprechungen. Auf diese vielfältigen Aufgaben wurden in acht ganztägigen Seminaren und einem zwanzigstündigem Praktikum bei bestehenden Einsatzstellen vorbereitet, dem ein Abschlusskolloquium mit Fallbesprechung folgte. Dass große Nachfrage besteht, machte Dr. Brigitta Eckert vom Lernmobil Viernheim auf Nachfrage deutlich, sie berichtete von der Arbeit der Integrationslotsen in Viernheim, die im vergangenen Jahr 1920 Anfragen hatten. Die Ausbildung werde vorwiegend vom Land Hessen finanziert. Honoriert wird die ehrenamtliche Tätigkeit ähnlich wie bei Übungsleitern. Hannelore Nowacki