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Di., 24. Februar 2015, 10:10 Uhr
Luther-Nachmittag des Evangelischen Bundes mit Andacht, Vortrag und Ehrung
„Jan Hus – Erinnerung an einen vorreformatorischen Märtyrer“
Helmut Jakob erhielt vom Vorsitzenden des Evangelischen Bundes Hessen und Nassau Matthias Ullrich (rechts) die Dankesurkunde mit Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der Gemeindegruppe Lampertheim. Kirchenvorstandsmitglied Meinrad Schnur gratulierte dem Geehrten. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die sechs großen Tische im Martin-Luther-Haus waren schön gedeckt, Ginster und Tulpen in den Vasen weckten Frühlingsgefühle. Kaffee und Kuchen gehören zum Luther-Nachmittag des Evangelischen Bundes traditionell dazu. Doch bevor der Sonntagnachmittag in gemütlicher Runde bei angeregten Gesprächen ausklingen sollte, erwartete die Besucher ein Programm mit Andacht und Vortrag sowie eine außergewöhnliche Ehrung. Kirchenvorstandsmitglied Meinrad Schnur begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen Dekan Karl Hans Geil und Dekan Matthias Ullrich, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Bundes Hessen und Nassau mit Sitz in Bensheim. Den Vortrag zum Thema „Jan Hus – Erinnerung an einen vorreformatorischen Märtyrer“ hielt der Theologe und Historiker Pfarrer Dr. Walter Fleischmann-Bisten, der das Konfessionskundliche Institut Bensheim leitet. Pfarrer Ralf Kröger sprach in der Andacht über den Glauben, der die Begegnung mit dem lebendigen Christus bedeute und ein Geschenk Gottes sei. Andererseits heiße Glauben „nicht wissen“. Dekan Matthias Ullrich ging der Frage nach: „Was ist eigentlich evangelische Identität heute, wer sind wir?“. Darauf müssten die Protestanten eine Antwort finden. Immer auch in der Ökumene leben, den Nächsten besser kennenlernen gehöre dazu. „Bildung und Glauben gehören zusammen“, formulierte Ullrich als Kernsatz und Aufgabe des Evangelischen Bundes, der Seminare und Aktionen anbiete. Eine besondere Überraschung erwartete Helmut Jakob, der ab 1956 zwanzig Jahre lang als Rechner im Vorstand der Gemeindegruppe Lampertheim des Evangelischen Bundes tätig war und von 1976 bis 2014 den Vorsitz innehatte. Als Dank für diese einzigartige Leistung im Dienste des Protestantismus überreichte Dekan Ullrich dem 83-Jährigen eine Dankesurkunde mit Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. „Sie alle haben durch Ihr Mitmachen die Grundlage dafür gelegt, dass ich so lange Vorsitzender sein konnte“, sagte der Geehrte später in seinen Dankesworten. Der Ehrenvorsitzende zeigte sich fest überzeugt: „In Lampertheim ist der Evangelische Bund nicht am Einschlafen – machen Sie weiter so“. In seinem Vortrag über den vorreformatorischen Märtyrer Jan Hus, der während des Konstanzer Konzils als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, spannte Dr. Fleischmann-Bisten den Bogen von der Bedeutung des Konzils für die damalige Einheit der Kirche mit einem Papst statt dreier Päpste bis zur Frage, welche Auswirkungen bis heute bedeutsam sind. Vor 600 Jahren wurde der böhmische Priester und Gelehrte Jan Hus verbrannt, weil er, wie der englische Kirchenkritiker John Wyclif, wesentliche Grundsätze der Kirche ablehnte. Das Abendmahl in beiderlei Gestalt auch für die Gemeinde, wie von Hus gefordert, wurde durch die Reformation eingeführt. Hannelore Nowacki