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  • Di., 10. März 2020, 10:03 Uhr
    Ausstellung „Frauen 2020“ in der Domkirche eröffnet / Projektreihe wartet mit drei Veranstaltungen im März auf

    Jeder Betrachter soll sich sein eigenes Bild machen

    Der Frauenchor Chorisma bereicherte den Gottesdienst und die anschließende Vernissage gesanglich. Foto: Petra Gahabka


    LAMPERTHEIM – Bereits seit mehr als 100 Jahren wird am 8. März mit dem Internationalen Frauentag weltweit auf deren Rechte, die Gleichstellung der Geschlechter und bestehende Diskriminierungen aufmerksam gemacht. So auch in der Lampertheimer Domkirche, wo am Sonntag nach dem Gottesdienst die Kunstausstellung „Frauen 2020“ eröffnet wurde. 

    Noch bis zum 29. März schmücken Malereien, Skulpturen und Fotografien von Heike Kissel-Eltrop und Anette Jansen das Gotteshaus. Die beiden Hofheimerinnen waren vor einem Jahr mit der Idee, hier ihre Werke auszustellen, an Pfarrerin Sabine Sauerwein und Kantorin Heike Ittmann herangetreten und dabei auf große Begeisterung gestoßen. Daraus entwickelte sich eine Veranstaltungsreihe, die von vielen Seiten Unterstützung erfuhr. Es ist schon etwas besonderes, dass einer Vernissage ein Gottesdienst vorausgeht. Organistin Heike Ittmann spielte zu Beginn ein Stück von Fanny Hensel, eine deutsche Komponistin der Romantik, der eine musikalische Karriere und Veröffentlichungen zu Lebzeiten von der Familie weitgehend untersagt wurden. Für Frauen in der Bibel standen exemplarisch vier Lesungen, unter anderem „Die kanaanäische Frau“. Die Heilige Schrift erzähle von ausgegrenzten, liebenden, klugen und selbstbewussten Frauen, bemerkte Pfarrerin Sauerwein in ihrer Predigt. Beispielsweise der Purpurhändlerin Lydia, die erste genannte Christin auf europäischem Boden in der griechischen Stadt Philippi. Die Ausstellung habe einen starken Aspekt auf dem Schwerpunkt des Handelns, „die Welt zu gestalten mit Kunst und Musik, aber auch mit Zuwendung zum Nächsten, mit Verantwortung für die Welt.“ Damit knüpfe sie genau an das Evangelium an. 

    Der Frauenchor Chorisma unter der Leitung von Dr. Elke Voelker begleitete sowohl den Gottesdienst als auch die Vernissage gesanglich. Was bedeutet es Frau zu sein? Diese Frage hatten Jansen und Kissel-Eltrop Frauen verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichen Alters für ihre erste Frauen-Ausstellung im Jahr 2018 gestellt. Die Antworten in der zu Beginn gezeigten Videobotschaft reichen von „Wir bilden das Herzstück der Gesellschaft, wir halten die Fäden zusammen“ bis „Es gibt keine Gleichberechtigung“. Es sind teils sehr emotionale Berichte, sie zeugen von guten und schlechten Erfahrungen. „Damals wie heute sind wir sicher, es braucht noch eine bessere Sichtbarkeit von Frauen in unserer Gesellschaft“, sagten die Künstlerinnen in ihrem Grußwort. Es sei schon vieles besser geworden, was aber „nicht zwingend auch gut“ bedeute. Durch ihr Projekt möchten sie auf Themen hinweisen, die noch nicht den Stellenwert haben, den sie verdienen oder auch Dinge, die Frauen schon seit jeher prägen. 

    Jedes Bild der Fotoausstellung „HANDeln“, die im Altarraum gezeigt wird, spricht für sich. Foto: Petra Gahabka


    Die Fotoinstallation „HANDeln“ im Altarraum greift auf, dass dem Denken auch Taten folgen sollten. 27 kleinformatige Bilder zeigen Frauenhände, die beispielsweise beschützen oder beten. Jedes Motiv spricht für sich. Mit den Skulpturen aus Steinguss und Beton sowie Bildern, die durch Oxidation, Resinkunst oder Fototransfer eine große Wirkung zeigen und Titel wie „Geschwätz“, „Aufbruch“ oder „Maskerade“ tragen, soll ein Denkraum geschaffen werden, der den Betrachter nicht nur vorbeilaufen lässt, sondern zur Auseinandersetzung mit den Werken anregt. Dies ist gelungen, wie sich am Sonntag zeigte. Der Gesprächsbedarf der Gäste mit den Initiatorinnen, aber auch untereinander war enorm, zwei Stunden nach der Eröffnung waren immer noch zahlreiche Interessierte vor Ort. „Ich bin geflashed, ich bin beeindruckt, ich fühle mich angesprochen von dieser hochkarätigen Ausstellung im Dom“, sagte eine Besucherin. Der Dank der Künstlerinnen galt ihren beiden Mitstreiterinnen Sabine Sauerwein und Heike Ittmann, dem Chor Chorisma, der Lukasgemeinde samt seinem Förderverein, der den Sektausschank übernommen hatte, sowie cultur communal der Stadt für die Unterstützung. 

    Petra Gahabka

    Weitere Veranstaltungen:

    17. März (Equal Pay Day): Frauen, Statements, Musik mit dem Bollwerk Duo, 19.30 Uhr.

    25. März: Klang und Farbe, Offener Abend zum Kommen, Verweilen und Gehen, ab 19.30 Uhr.

    29. März: Konzert „Komponistinnen“ mit Sopranistin Giulia Scopelliti, Anna Pikulska (Orgel) und der Dekanatskantorei Ried, Leitung Heike Ittmann, 19 Uhr. Konzertkarten sind erhältlich im Vorverkauf für 13 Euro (ermäßigt 11 Euro) im Rathaus Service sowie an der Abendkasse für 15 Euro (ermäßigt 13 Euro).

    Projektreihe

    Für den zweiten Teil im August möchten Jansen und Kissel-Eltrop Künstlerinnen einladen, mit ihrer Sicht auf das Thema Frauen durch ein Bild oder eine Skulptur die Projektreihe zu ergänzen. Informationen dazu gibt es unter www.anette-jansen.de und www.eltrop4art.de.

     

     

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