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  • Fr., 09. März 2018, 09:53 Uhr
    Unterhaltsamer Internationaler Frauentag im vollen Bürgerhaus

    „Jo, wir schaffen das!“ – meinte Kabarettistin Yvonne Hotz

    Kabarettistin Yvonne Hotz hatte zu Beginn die junge Generation vom TV 1891 Bürstadt an ihrer Seite. Foto: Hannelore Nowacki
    BÜRSTADT – Ernst und Lachen liegen ganz eng beieinander, ganz besonders, wenn es um Kabarett und den Internationalen Frauentag geht. Doch die Bürstädter und die Lampertheimer Frauenbeauftragte, Gerasimoula Grigoraki und Sonja Niederhöfer, haben diesen Zwiespalt gemeinsam mit der singenden und tanzenden Kabarettistin und Wortkünstlerin Yvonne Hotz, und dem gut aufgelegten Publikum am Donnerstagabend gemeinsam ganz hervorragend mit Humor bewältigt. Zum ersten Mal hatten die beiden Frauenbeauftragten eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt – und die Frauen strömten in Scharen ins Bürgerhaus. Nachdem der Kartenvorverkauf schleppend angelaufen war, waren sich die Veranstalterinnen zuvor gar nicht sicher, ob viele Frauen kommen würden. Und dann die Überraschung – der große Saal im Bürgerhaus wurde voll, weitere Stühle wurden schnell aufgestellt. Die beiden Frauenbeauftragten begrüßten das leicht gemischte Publikum mit einem Strahlen: „Wir sind vollkommen aus dem Häuschen“, sagte Niederhöfer angesichts des Zuspruchs. Eine zuverlässige Zählung ergab, dass genau neun Männer unter den Zuschauern waren. Mitmachen war vielfach angesagt, das Publikum wurde beim Mitsingen aktiv und auf der Bühne bewiesen Bürgermeisterin Barbara Schader und der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer ihre Qualitäten bei der Zubereitung von Käse-Trauben-Tomaten-Spießchen mit Dip. Der Goldene Kochlöffel war ihnen sicher und in der Pause wurde gerne vom gesunden Gaumenschmaus genascht. Zutaten und Vorarbeiten hatten die Bürstädter und Lampertheimer Landfrauen beigesteuert, die den bürgermeisterlichen Wettbewerb auch fachlich überwachten. Im Veranstaltungstitel „Jo, wir schaffen das!“ war ein aufforderndes Augenzwinkern mit Ausrufezeichen zu spüren. Das Frauenwahlrecht in Deutschland wurde zwar schon vor 100 Jahren eingeführt, aber es gibt noch viel zu tun, zeigte sich deutlich. Auch machte der historische Wandel in der Gesetzgebung einige Pausen, Rückschritte mussten die Frauen immer wieder hinnehmen und wie die ungleiche Bezahlung zeigt: Die Frauen müssen weiter am Ball bleiben und ihre Stimme erheben.
    Als explosive Karotte machte sich Kabarettistin Yvonne Hotz über aufgehübschte Äpfel und andere Zumutungen her. Foto: Hannelore Nowacki

    100 Jahre Frauengeschichte ließ die Kabarettistin anschaulich mit historischen Aufnahmen und kabarettistischen Einlagen Revue passieren, unterhaltsam und immer wieder überraschend. Im Rückblick auf die Französische Revolution wurde klar, damals war es mit den Frauenrechten nicht weit her, als rasender Reporter berichtete Frank Gumbel von dort – die Guillotine war im Einsatz. Eine weitere Liveschaltung führte nach London in die Zeit der Suffragetten mit Emily Pankhurst. Im Film festgehaltene Interviews und Aussagen von Kindern in Bürstädter und Lampertheimer Kindergärten und lebenserfahrenen Frauen in Senioreneinrichtungen beider Städte vermittelten spannende Einsichten zum Thema, ganz unbefangen und offen von Jung und Alt erzählt. Gar nicht unzufrieden scheinen die Alten mit der Frauenfreiheit, wie sie heute ist. Und wer kocht und wäscht heute in den jungen Familien? Das läuft ganz unterschiedlich. „Mein Papa macht alles beide“, sagte ein kleiner Junge und ein Mädchen berichtete: „Kochen an den Wochenenden ja, manchmal legt er auch die Wäsche zusammen“. Wer der Kabarettistin genau zugehört hatte, konnte die Gewinnfrage leicht beantworten: In welchem Jahr eine Frau zum ersten Mal in einem demokratisch gewählten deutschen Parlament sprach (die Lösung: 1919). Eine Gewinnerin und ein Gewinner können nun mit ihrer Eintrittskarte den Film „Göttliche Ordnung“ am 18. März in Bensheim sehen. Mädchen vom TV 1891 Bürstadt hatten die Lose eingesammelt. Der Frauenchor des MGV 1840 Lampertheim unter der Leitung von Elisabeth Seidl verkündete zunächst singend „Wenn wir zusammenstehen, sind wir stark und bringen uns voran“. Sogar das Singen im Chor war für Frauen bis vor einigen Jahrzehnten nicht selbstverständlich, ergab sich aus dem Gespräch von Kabarettistin Hotz mit Chorleiterin Seidl. Mit dem Lied „Oh Happy Day“ klang der Abend nach zweieinhalb Stunden Programm glücklich aus. Hannelore Nowacki



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