
SÜDHESSEN – In den vergangenen Wochen wiederholten sich mehrere Presseverlautbarungen zum Bau eines Kernfusions-Versuchsreaktors auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerkes in Biblis. Darin wurde der Eindruck vermittelt, dass damit jetzt schon die Energieprobleme der Zukunft gelöst seien. Der Vorstand der Freie Wähler Kreis Bergstraße befasste sich in seiner Sitzung am 10. Juli mit diesem Thema. Mit Hinweis auf die Veröffentlichung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (TA) des Deutschen Bundestages vom 16. Dezember 2024, sehen die Freien Wähler jedoch absolut keinen Anlass für eine voreilige euphorische Glorifizierung dieser Technologie. Der Kreisvorstand der Freien Wähler erachtet die Erforschung neuer Technologien als richtig und wichtig. Gleichzeitig darf man vor der Realität allerdings nicht die Augen verschließen. In der Zusammenfassung des Berichtes des Bundestagsausschusses wird darauf verwiesen, dass im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Ressourcenbedarf, Emissionen, nukleare Sicherheit und Erzeugung von radioaktiven Abfällen vielfältige Fragen geklärt werden müssen und erst ganz am Ende dieses Prozesses die Frage nach dem gesellschaftlichen Nutzen dieser Technologie geklärt werden kann. Rainer Scheffler, Sprecher der Arbeitsgruppe (AG) „Sicheres Zwischenlager Biblis“ verweist dazu auf den bei dieser Technologie erforderlichen extrem hohen Energieaufwand. Der Prozess zur Erzeugung der notwendigen Leistung erfordert gut zwei Megajoule Laserenergie, wobei gerade einmal drei Megajoule Energie freigesetzt wurden. Dabei sind für die Laserleistung des eigentlichen Prozesses der Kernfusion insgesamt 300 Megajoule notwendig.
Starke Kontaminierung und extreme Belastungen
Völlig offen sind zudem die Fragen nach der Herstellung des Brennstoffes Tritium, des schweren betastrahlenden Isotops von Wasserstoff mit zwei Neutronen sowie das Material für mögliche Reaktorbauteile, die bei der Fusion stark radioaktiv kontaminiert und schnell verspröden werden. Hinzu kommt, dass derzeit unter Laborbedingungen die Fusion bestenfalls einmal am Tag für Bruchteile von Sekunden stattfinden kann. Für das Vakuumgefäß indem die Fusion stattfindet gibt es nach Kenntnis des Bundestagsausschusses derzeit kein Material das den extremen Belastungen standhält. „Der Bericht des Bundestagsausschusses bestätigt die Erkenntnisse Kalifornischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2022, wonach es einige Dekaden dauern werde, bis ein kommerzieller Reaktor technisch überhaupt realisiert werden kann“, bringt es Kreisvorsitzender Walter Öhlenschläger auf den Punkt. Insofern ist es nach Meinung der Freien Wähler viel zu früh die Standortfrage zu stellen bzw. in Euphorie zu verfallen. „Obwohl die Entsorgung der radioaktiven Abfälle in Biblis immer noch ungeklärt ist, begrüßt man schon die nächste Technologie, deren Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt nicht annährend zu Ende erforscht ist“. zg
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