
BÜRSTADT – Es gibt Gewalttaten gegen Einsatzkräfte der Polizei, die über Tage und Monate in die Nachrichten kommen, auch über Vorfälle wie Behinderung und Beschimpfung von Rettungskräften wird immer wieder berichtet. Als Gewalt werden verbale und körperliche Angriffe erfasst, aber auch durch Gaffen und Blockieren von Einsatzstellen geht Gewalt aus. Mit Blick auf diese Entwicklung hatte Rene Werner vom Vorstand des eingetragenen Vereins „Club der alten Säcke“ eine Idee, die im Verein und bei den angesprochenen Organisationen und der Polizei spontane Zustimmung erfuhr: Ein eindrucksvolles Gruppenfoto sollte mit den teilnehmenden Einsatzkräften von Rettungsorganisationen und Polizei und ihren Fahrzeugen entstehen und als Zeichen der Wertschätzung die Botschaft „Keine Gewalt gegen Einsatzkräfte“ vermitteln. Das klappte am frühen Donnerstagabend letzter Woche perfekt – Abordnungen aller eingeladenen Rettungsorganisationen und der Polizei hatten sich auf dem Vorplatz des Feuerwehrstützpunktes Bürstadt Mitte mit Mitgliedern des „Clubs der alten Säcke“ für das Gruppenfoto versammelt, dabei auch Bürgermeister Boris Wenz und Alexander Bauer, Stadtverordnetenvorsteher und innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Bei zwei Vortreffen, einmal mit der Feuerwehr Mitte und einmal mit Vertretern aller Organisationen wurde das Vorhaben besprochen und ein gemeinsamer Termin gefunden. Das sei gar nicht so einfach gewesen, berichtete die Presseverantwortliche des THW Lampertheim Ursula Egner-Illius dem TiP. Mit der Aktion will der „Club der alten Säcke“ auch für das Ehrenamt bei Feuerwehr, DLRG, DRK und THW werben. Im nächsten Jahr will der Club ein Blaulichtfest veranstalten, kündigte Vorsitzender Jens Buccigrossi an. Als Club für jedes Alter wird besonderer Wert auf Freundschaft, Offenheit, Ehrlichkeit und soziale Toleranz gelegt, heißt es in der Pressemappe. Für soziale Zwecke hat der Club bei diversen Aktionen Spenden gesammelt und auch die Teilnahme an der Aktion „Saubere Landschaft“ in den Jahren 2024 und 2025 zählt zu den guten Taten.
Was Einsatzkräfte berichten
Antonio Vasta, der stellvertretende THW-Ortsbeauftragte, erzählte, dass seine Leute anschließend noch eine Schulung haben. Kontakte der unangenehmen Art hätten die ehrenamtlichen THW-Einsatzkräfte bislang kaum erlebt. Beschwerden gebe es mal durch den Lärm des Gerätekraftwagens bei einer Straßenabsperrung. Zum Aufräumen, Dachstuhlsichern und andere Arbeiten kommen die THW-Einsatzkräfte, wenn die Feuerwehr den Brand gelöscht hat. Vom Deutschen Roten Kreuz aus Heppenheim und von der DRK-Rettungswache am Feuerwehrstützpunkt waren ehrenamtliche und hauptberufliche Rettungskräfte gekommen. Siegfried Schack, seit 18 Jahren im Rettungsdienst, weiß von verbalen Attacken bei Großveranstaltungen, Fastnacht und Winzerfesten, wenn viel Alkohol im Spiel ist. Wenn sie bei Einsätzen mit psychischen Problemfällen zu tun haben, erzählen die hauptamtlichen DRK-Retter, dass sie schon mal mit Gegenständen beworfen wurden oder gegen das Fahrzeug getreten wurde. Ein ungeduldiger Autofahrer wurde beleidigend, wollte sogar einsteigen, rüttelte an der Tür und wollte das Fahrzeug umparken um vorbeizufahren.
Von der Polizeiwache Lampertheim/Viernheim hatte eine Streifenbesatzung ihren Dienst unterbrochen. Glücklicherweise hatten sie bislang keine nennenswerte Vorfälle erlebt, aggressives Verhalten aber schon. Auch die Schutzfrau vor Ort Christina Wegerle hatte sich wie ihre beiden Kollegen des Freiwilligen Polizeidienstes die Zeit für den Fototermin genommen. Als Beauftragte für die Schulen trifft sie durchaus auf Schüler, die nicht ganz brav sind. Für die DLRG Lampertheim sprach der Leiter Öffentlichkeitsarbeit Felix Kröger mit dem TiP über den Umgang mit ungehaltenen Badegästen im Schwimmbad, wenn sie auf wichtige Regeln hingewiesen werden. Bei großen Veranstaltungen brauche man mittlerweile mehr Personal, da neben der Hilfeleistung auch das Umfeld im Blick bleiben müsse. Vorsichtshalber habe man an Selbstverteidigungskursen teilgenommen. Die größte Gruppe stellten die drei Bürstädter Feuerwehren. Vom stellvertretenden Stadtbrandinspektor Manuel Hildebrandt war zu erfahren, dass die hiesigen Einsatzkräfte keine Übergriffe erlebt hätten.
Alexander Bauer betonte: „Wir müssen gerade die schützen, die uns schützen. Unsere Einsatzkräfte sind Helden des Alltags und verdienen unsere Rückendeckung“. Die Hessische Landesregierung stehe hinter Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten und habe ein Respekt-Paket für Einsatzkräfte geschnürt.
Hannelore Nowacki
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