Der Kerweumzug schlängelte sich vom Bürgerhauspark an St. Michael vorbei zum Marktplatz. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Auf dem Marktplatz im Kerwedorf ging es schon mächtig rund, da war die Kerwe offiziell noch gar nicht eröffnet. Ziemlich extrem fegte der Extremist mit seinen Gondeln und Passagieren durch die Luft. Das Kinderkarussell brachte die Kleinen Runde um Runde auf Touren, gerade so viel, dass sie einen Riesenspaß hatten. Auch ein Dufterlebnis war die Kerwe hier – von gebrannten Mandeln bis Grillwurst. Nach dem dritten ökumenischen Kerwegottesdienst, bei schönem Wetter unter freiem Himmel im Bürgerhauspark sehr gut besucht, machte sich der Kerweumzug von dort auf den Weg zum Marktplatz. Angeführt von Stabführer Erick Minnder mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt und Hofheim, rollten geschmückte historische Traktoren vom Bulldog- und Landmaschinenverein Bürstadt durch die Straßen, eindrucksvoll röhrend und tuckernd, fauchend und rauchend. Auf einer Rolle hatten Pfarrer Peter Kern und Pfarrer Dirk Greverus Platz genommen, gemeinsam mit Sonnenbotschafterin Theresa I., Kerwevadder Damiano Brucato und dem Musikerduo Winkler & Winkler fuhren sie zum Kerwedorf. Bürgermeisterin Barbara Schader nahm den roten Porsche von Edgar Gräf, der den historischen Traktor lenkte, und winkte den Zuschauern am Straßenrand zu. Auf dem Marktplatz verriet die Bürgermeisterin dem Publikum, wer für das sonnige Kerwewetter gesorgt hatte – natürlich Sonnenbotschafterin Theresa I. Den ergiebigen Regen am Sonntag hatte sie jedoch nicht bestellt, denn davon wurde nichts erwähnt. Der Heimat- und Carnevalverein Bürstadt (HCV) war für die himmelblaue Note auf Erden und für die Organisation der Kerwe zuständig. Auch für die Kerwerede hatte der HCV gemeinschaftlich gearbeitet. Auf einer Rolle fuhr der Kerwekranz mit, im Blick einer HCV-Mannschaft, die ihrer Aufgabe als Kerweburschen nachkamen.
In großer Runde lauschte das Publikum dem Kerwevadder Damiano Brucato, der mundartlich auf den Putz klopfte. Foto: Hannelore Nowacki
Die Tanzgarden liefen in ihren schmucken Uniformen im Umzug mit. Erstmals schloss sich die Narrenschar der „Sackschdoahogger“ dem Umzug an. Mittlerweile saß das Publikum am Marktdach dicht bei dicht, viele Zuschauer standen in großer Runde in Erwartung des Kerweumzugs und der Kerwerede. Der Feuerwehr-Musikzug heizte die Stimmung musikalisch an und animierte zum Schunkeln, was auch gut gelaunt im Stehen funktionierte. Nachdem Simone Mottausch als Kerwemudder fast zehn Jahre die Lachmuskeln auf Trab gebracht hatte, war nun Kerwevadder Damiano Brucato an der Reihe. Vom Duo Winkler & Winkler mit den passenden Musikstücken zur Kerwerede versorgt, kam der Kerwevadder mundartlich kräftig in Fahrt. Angefangen von der Kerwe im letzten Jahr, als Bürgermeisterin Schader die Frage zu hören bekam „ei wonn dud donn eiern Bojermoschder kumme?“ bis zum ausgegrabenen „Bürstädter Ötzi, dem „Bötzi“ im Sonneneck, der es wohl mit dem Ötzi aufnehmen könnte, hatte Kerwevadder einen bunten Themenstrauß mitgebracht. In manchen Straßen „do sinn die riese Lächer drinn“, auch „die Kerschstroß, die is total kaputt, awwer a zelt hott noch nie druff g’schtonne“. Von den vielen Metzgern, so beklagte der Kerwevadder, seien den Bürstädtern nur wenige verblieben. Ganz aktuell nahm er sich auch des Flüchtlingsthemas an. „Aach mär Bäschdätter packe mit oah und stelle viel Hilfe uff die Boa“, stellte er fest. Dem prächtigen Kerwekranz goss er zur Weihe mit Sorgfalt eine Flasche Wein über, dann schwebte der Kranz am Haken mit maschineller Kraft unter das Markthallendach. Allerdings war es angeraten den Kranz eher zu umrunden, denn nach und nach fiel etwas vom guten Tropfen nach unten. „Blous ohmal im Joahr ist Bäschdätter Kerb“, bedauerte der Kerwevadder zum Redeschluss. „Wem is die Kerwe?“ Auf diese Frage war die laute Antwort aus dem Publikum einmütig: „Unser“. Hannelore Nowacki
Nach der Weihe mit einer Flasche Wein schwebte der Kerwekranz nach oben. Foto: Hannelore Nowacki