Ökumenischer Kerwegottesdienst - der Schlüssel zum Miteinander
Kerwe ist Kirchweih und Geburtstag der Kirche
Pfarrer Peter Kern (am Mikrofon) und Pfarrer Dirk Greverus gingen gemeinsam der Frage nach „wo wohnt Gott“. Der sonnige ökumenische Gottesdienst war der Auftakt zur fröhlichen Kerwe, der Kirchweih. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Über Bürstadt strahlte die Sonne – ein wunderbarer Kerwebeginn erwartete die Besucher am Samstagnachmittag. Das warme Sonnenwunder sollte jedoch schon am Kerwesonntag mit Regen bis in den frühen Nachmittag hinein ein vorläufiges Ende finden. Doch was die Wettervorhersage schon wusste, konnte der guten Stimmung am Samstag nichts anhaben. Im Schatten der großen Bäume hatte der Bulldog- und Landmaschinen Club Bürstadt schon seine historischen Glanzstücke für den Kerweumzug aufgestellt, der sich nach dem Gottesdienst zum Marktplatz auf den Weg machte. Vorwiegend zwei Fragen standen im Bürgerhauspark zunächst an: „Soll man in der Sonne sitzen“ oder etwas später „gibt es noch einen Sitzplatz“. Der Bauhof hatte den Platz vor Rathaus und Bürgerhaus mit Stühlen und Bänken voll bestückt, so dass im Schatten wie in der Sonne viele Plätze zur Auswahl standen. Wo wohnt Gott? Auf diese Frage erhielten die Gottesdienstbesucher vom katholischen Pfarrer Peter Kern und seinem evangelischen Amtsbruder Pfarrer Dirk Greverus im Rahmen ihrer gemeinsamen Predigt eine Antwort. Zum dritten Mal fand in Bürstadt ein ökumenischer Kerwegottesdienst statt. Pfarrer Kern sprach daher in seinen Begrüßungsworten von einer Tradition in Bürstadt, die der Kerwe den tieferen Sinn gebe, „den wir bei aller Ausgelassenheit nicht aus dem Blick verlieren wollen“. Die Kerwe, auch Kirchweih genannt, sei der Geburtstag der Kirche, erklärte Pfarrer Kern, der auch als Geburtstag fröhlich gefeiert werde. Zwei Themenschwerpunkte setzte Pfarrer Kern zu Beginn: Mit den bislang 160 Flüchtlingen in Bürstadt „ist uns eine Aufgabe zugewachsen“, auch in der Betreuung, bei Unterkünften und beim Sprachunterricht. Erfreut und dankbar zeigte sich Pfarrer Kern, dass im Arbeitskreis Asyl auch immer wieder junge Menschen mitmachen und Freude haben zu helfen. Auch an die Wiedervereinigung erinnerte Pfarrer Kern: „Auch ein Ereignis, das wir dankbar in unsere fröhliche Feier einbringen“. Als passendes Lied, wie Pfarrer Kern anmerkte, folgte das gemeinsam von Kirchenchor und Gottesdienstbesuchern gesungene Lied „Großer Gott wir loben dich“. Der evangelische Kirchenchor unter der Leitung von Andrea Hintz-Rettenmaier und das Orchester des Katholischen Kirchenmusikvereins Bürstadt mit seinem Dirigenten Wolfgang Rothenheber begleiteten den Kerwegottesdienst musikalisch. Pfarrer Greverus sprach den Psalm 145 gemeinsam mit den Männern, die sich mit den Frauen abwechselten. In der gemeinsamen Predigt wechselten sich Pfarrer Kern und Pfarrer Greverus ab, um mit mehreren bedeutungsvollen Requisiten der Frage nachzugehen, wo Gott wohnt und wie das Fest zu gestalten sei. Gott wohnt natürlich im Himmel, war die erste Gewissheit und „Gott lässt sich nirgendwo einschließen“.
Ein sehr gut besuchter Gottesdienst, bei dem im Schatten und in der Sonne auch die Stehplätze belegt waren. Foto: Hannelore Nowacki
Schon gar nicht in ein Schneckenhaus, wie Pfarrer Greverus mit einer leeren Schneckenbehausung unterstrich. Was macht eine Kerwe zur Kerwe? Das Freibier? Feiern, ganz egal was? Pfarrer zeigte eine Weinflasche, denn es heiße ja „in vino veritas“. Gemeinsam hielten die beiden Amtsbrüder schließlich den silbernen Schlüssel in der Hand, verdeutlicht mit der Erklärung: „Gott will unter uns wohnen“ und „Gott finden, wo sich Türen öffnen“. Pfarrer Kern rief dazu auf, den Glauben zu teilen, „in einer Welt, in der wir einander helfen und einander begegnen“. Das fröhliche Lied „Danke für unsere schöne Kerwe“ folgte. Beide Pfarrer und schnelle Helfer sorgten dafür, dass alle Gottesdienstbesucher die großen und kleinen Wortschätze in Form von Glückslosen aus ihrem Schatzkästchen mitnehmen konnten. Körbchen für die Kollekte zur Unterstützung des Arbeitskreises Asyl wurden durch die Reihen gereicht. Der Gedanke der Kerwe-Tradition als Kirchweih, in Gemeinschaft zu feiern, ist auch Bürgermeisterin Barbara Schader wichtig, wie sie in ihrer kurzen Ansprache deutlich machte. Dann formierte sich der Kerweumzug zum Marktplatz – ein Blickfang die St. Wendelinuskapelle vom Boxheimer Hof im großen Modellformat auf einem Traktoranhänger. Hannelore Nowacki