EHRENAMT: Stadt Lampertheim startet kommunales Gesundheitsmanagement zur Prävention und Vernetzung der Angebote
Kick-off-Veranstaltung mit motivierten Teilnehmern für die gesunde Stadt
Erster Stadtrat Marius Schmidt stellte das Kommunale Gesundheitsmanagement vor. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Gemeinsam gesund“ -diesem Motto will die Stadt Lampertheim gemeinsam mit den zukünftigen ehrenamtlichen Gesundheitslotsen im Rahmen des neuenkommunalen Gesundheitsmanagements auf die Sprünge helfen. Für die Kick-off-Veranstaltung zur Information über das Projekt „gesunde Stadt“ und die Aufgaben der Gesundheitslotsen hatte die Stadtverwaltung öffentlich geworben und um Anmeldung gebeten. Achtzehn angemeldete Teilnehmer und etliche Spontanbesucher waren gekommen, die im Sitzungssaal des Stadthauses in Vorträgen das Konzept kennenlernten und in der zweiten Stunde in vier Gruppen mit Anleitung zum Brainstorming und Gedankenaustauscheingeladen waren.
Gefragt waren Antworten auf die Fragen, welche Angebote es in Lampertheim bereits gibt, was gut läuft und wo der Schuh drückt. Wichtig auch die Frage, in welchen Lebenswelten die Teilnehmer unterwegs sind. Bald war auf den großformatigen weißen Bögen unter anderem zu lesen, dass es Ärztemangel gibt, der Ärztliche Bereitschaftsdienst schließt, viele Leute einsam leben und keine Krankenkasse vor Ort ist. Auch gebe es keine Schwimmkurse für Erwachsene und zu wenige Sporthallen. Auch Gutes wurde aufgeschrieben wie inklusive Sportangebote, die VHS komplett und die AGILA-Vorträge.
Kommunales Gesundheitsmanagement – eine Initiative der Stadtverwaltung Erster Stadtrat Marius Schmidt begrüßte die Runde im Namen der Stadt Lampertheim und stellte fest: „Viele kenne ich“. Tatsächlich sind viele Teilnehmer bereits in anderen Bereichen ehrenamtlich engagiert und auch untereinander bekannt. Schmidt stellte das Projekt „gesunde Stadt“ und die daran Beteiligten vor: Mit der DSPN GmbH und der Krankenkasse IKKclassic als Sponsor habe die Stadt Lampertheim einen Kooperationsvertrag geschlossen, die mit den beiden Mitarbeiterinnen der Gemeinwesenarbeit im Quartiersbüro für die östliche Kernstadt Kerstin Biehal und Franziska Wolff und mit den Gesundheitslotsen zusammenarbeiten werden. Schmidt machte den zukünftigen Gesundheitslotsen deutlich: „Dieses Projekt lebt vor allem von Ihnen“. Viele Angebote werden noch geschaffen, zeigte sich Schmidt überzeugt und begeistert, aber es gebe auch schon eine tolle Infrastruktur in Lampertheim. In der längeren Aufzählung nannte Schmidt unter anderem die VHS, Vereine und die Sportbox im Stadtpark. DSPN-Projektmanagerin Lena Oppermann wird das Projekt in den kommenden zwei Jahren begleiten und die etwa viermal jährlich tagenden Arbeitskreise moderieren.
Im Steuerungsgremium wird der Erste Stadtrat Schmidt den Vorsitz haben. Die Schulung der Gesundheitslotsen findet an zwei Tagen im April statt. Kommunales Gesundheitsmanagement soll die Lebensbereiche vernetzen und kommunale Einrichtungen, soziale Lebensbereiche und präventiv-medizinische Versorger erreichen.
Ehrenamtliche Gesundheitslotsen als Multiplikatoren DSPN hat sich auf das kommunale Gesundheitsmanagement spezialisiert, entwickelt Programme für spezielle Settings und Lebenswelten deutschlandweit, auch die Stadt Bürstadt werde betreut, erläuterte Oppermann. Den soziologischen Begriff des Settings erklärt sie als Orte, wo wir uns befinden wie die Nachbarschaft, Schule oder Kita. Daraus leitet sich die Funktion der Gesundheitslotsen ab, die die wichtigsten Akteure und Experten seien, die wissen was gut läuft und wo man kreativ ansetzen kann. Diese Netzwerkarbeit werde von DSPN (Dein Starker Partner für Netzwerke) unterstützt und moderiert. Als „Herzstück des Projekts“ nennt Oppermann die Qualifizierung der Multiplikatoren, sprich Gesundheitslotsen, für ein partizipatives Gesundheitsmanagement zur Gesundheitsförderung und Prävention in allen Lebenswelten. Einen Eindruck von Lampertheim und den Menschen haben sich die Experten bei Gesprächen mit der Stadtverwaltung und bei einer Fahrt durch die Stadt verschafft, habenbeim Fachmarktzentrum mit Leuten gesprochen und Spielplätze angeschaut. „Bitte alle aufstehen“, so leitete Oppermann die aktive Pause mit Lockerungsübungen ein.
Für den gesunden Genuss zwischendurch konnten die Teilnehmer zu Obst greifen, das die Firma Schmottlach gespendet hatte. Über das Thema Prävention in verschiedenen Lebensbereichen, betrieblichen und nichtbetrieblichen Lebenswelten, Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen und Therapeutenschulungen sowie im individuellen Rahmen mit zertifizierten Gesundheitskursen sprach Gabriela Bartoldus, bei der IKKclassic ist sie für Prävention zuständig. Grundlage für die Förderfähigkeit von Projekten wie das kommunale Gesundheitsmanagement durch die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) sei der Leitfaden Prävention. Klaus Brecht von der Gesellschaft für Prävention e. V. stellte die Ergebnisse der Lampertheimer Analyse und erste Erkenntnisse aus der Matrixerfassung vor. Festgestellt wurde, dass die männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 25 Jahren deutlich überrepräsentiert seien, ebenso Personen im Alter von 65 bis 75 Jahren. Auffällig hoch sei der Anteil der Langzeitarbeitslosen bei den Arbeitslosen mit 51,6 Prozent (Deutschland: 34,2 Prozent).
Der Anteil der ausländischen Bevölkerung mit 14,8 Prozent sei ähnlich wie im Kreis Bergstraße (16,7 Prozent). Gezählt wurden unter anderem 26 Kitas, 28 Sportvereine und 13 geförderte Präventivkurs-Angebote sowie 45 Spielplätze, was positiv bewertet wurde. Die Homepage der Stadt Lampertheim sei gut strukturiert, empfohlen wird eine eigene Unterseite für Gesundheitsangebote. In der Liste mit Handlungsempfehlungen ganz oben stand die Förderung der kostengünstigen Teilhabe von einkommensschwachen Personen und Familien, die Qualifizierung der Arbeitslosen durch das Jobcenter, Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit durch barrierefreie Angebote und zur Vorbeugung gegen Vereinsamung im Alter zum Beispiel die Förderung ehrenamtlicher Strukturen und Generationen übergreifende Bewegungsangebote.
Bewegung macht Spaß - DSPN-Projektmanagerin Lena Oppermann machte es vor. Foto: Hannelore Nowacki