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  • Fr., 04. September 2026, 15:29 Uhr
    STADTVERORDNETENVERSAMMLUNG IM GRÜNEN: Klimaangepasstes Waldmanagement und Zertifizierung bei Waldbegehung in natura erlebt

    Kiefern seit der Eiszeit hier heimisch

    Bei der zweistündigen Waldexkursion erläuterte Revierleiter Matthias Beißwanger die Waldwirtschaft mit Blick auf die beiden Förderprogramme.
    Foto: Hannelore Nowacki

    LAMPERTHEIM – Laufen kann man im Stadtwald, der sich in ebener Fläche auf etwa 1.100 Hektar ausbreitet, Fahrradfahren und auch Reiten. Schilder und Pferdeäpfel auf dem Weg weisen darauf hin. Spaziergänger mit Hunden haben ihren Auslauf. Stapel von dicken Stämmen am Wegrand hier und da sind Zeugen der Waldbewirtschaftung, die jedoch die Stadt nicht reich macht, sondern ein Defizit von 299.265 Euro verursacht. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Klingler hatte dagegen ein Defizit von 750.000 Euro errechnet. Daher lehnte die SPD bei der Abstimmung in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im August den vorgelegten Waldwirtschaftsplan ab. Knapp eine Woche vor der Stadtverordnetenversammlung mit Beschluss zum Haushaltsplan 2026 sowie Beratung und Beschluss über den Waldwirtschaftsplan (4. September) hatte Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (CDU) die Parlamentarier zu einer Waldbegehung in den Lampertheimer Stadtwald eingeladen, an der sich Bürgermeister Alexander Scholl (CDU), der ehrenamtliche Erste Stadtrat Stefan Nickel (Grüne) und weitere Magistratsmitglieder beteiligten. Treffpunkt war am Morgen auf dem Parkplatz „Lauftreff“ bei sommerlicher Wärme. Rudolf Blass vom Gremienbüro führte die Anwesenheitsliste und das Protokoll. Die Ergebnisse der gut zweistündigen Begehung, die wegen der Entfernungen vorwiegend eine Befahrung war, gehen in die Debatte und Beschlussfassung in der Sitzung am 4. September ein. Abschließend fasste Korb die gewonnenen Erkenntnisse zusammen: „Den Erfolg sieht man nicht sofort, erst die Nachfahren werden sehen, ob es gut gemacht ist“. Aber auch: „Wir haben nichts falsch gemacht.“ Befürchtungen, dass mit Rückzahlungen zu rechnen sei, scheinen ausgeräumt. Wie Korb bei der Begrüßung der Gruppe anmerkte, sei es ein Unterschied, ob man sich über den Zustand des Waldes theoretisch auf dem Papier informiert oder den Wald mit fachlichen Erläuterungen durch den Revierleiter vor Ort erlebt. Das Forstamt Lampertheim hatte die Wegstrecke geplant und wegen der nötigen Fahrzeuge um Anmeldung gebeten.

    Geschützt von Drahtumzäunung entwickelt sich hier der Nachwuchs.
    Foto: Hannelore Nowacki

    Wald darf ruhen oder Geld einbringen

    Revierleiter Matthias Beißwanger ging an den Stationen auf die positiven Audit-Ergebnisse der Waldzertifizierung nach PEFC und des vom Bund geförderten Klimaangepassten Waldmanagements (KLAWAM) ein, auf der Tagesordnung standen Habitatbäume, die natürliche Waldentwicklung, Wildtränken im Wald und Waldverjüngung unter Vorgaben der Sanierung Rhein-Main. PEFC ist ein Zertifizierungssystem mit Kriterien für nachhaltige Waldbewirtschaftung mit ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Standards, die Lampertheim jährlich 91.000 Euro Fördermittel des Bundes einbringen. KLAWAM mit zwölf Kriterien verlangt zum Beispiel für Lampertheim 5.322 „Habitatbäume“, die ihr Leben mit Moos, Flechten, Spechthöhlen und Rindenschäden bis zum Ende fortführen dürfen. Innerhalb von zwei Jahren wurden sie ausgesucht und mit einem schwarzen H markiert. Die spätblühende, niedrig wachsende amerikanische Traubenkirsche, vor nicht langer Zeit als Übeltäter im Wald gesehen, hat sich durch ihre Eigenschaften mittlerweile einen guten Ruf erworben, wie Revierleiter Beißwanger gegenüber dem TiP deutlich machte: Sie bleibt im heißen wasserarmen Sommer grün, wenn andere Gewächse leiden, sie spendet Schatten wo nötig und behindert durch ihre Ausbreitung den Graswuchs als Brutstätte des gefräßigen Maikäfers. Bei den rund 50 Hektar stillgelegten Flächen wird über 20 Jahre nur noch die Verkehrssicherung durchgeführt, Totholz bleibt liegen, der Wald soll sich natürlich entwickeln. Wellenlinien an Baumstämmen markieren den Bereich. Auf Nachfrage zum Kiefernbestand, der vielfach sichtbar leidet, klärte Beißwanger auf: Die Kiefer ist seit der Eiszeit hier heimisch.

    Hannelore Nowacki

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