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Di., 02. August 2016, 08:58 Uhr
Hauptgesimse brüchig – neuer Sandstein aus dem Neckartal
Kirchturm St. Michael wird saniert – Schäden größer als erwartet
Der Zahn der Zeit hat am Kirchturm von St. Michael genagt – Polier Berthold Bartel zeigt, wo schon am Sandstein gearbeitet wurde. Manfred Hartmann, der vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde mit der Betreuung der Baumaßnahme beauftragt ist, fährt zu den Begehungen gerne mit in die Höhe: „Ich bin neugierig“. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Das weithin sichtbare Bürstädter Wahrzeichen, der hohe Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael ist für Sanierungsarbeiten seit mehr als sechs Wochen eingerüstet. So schnell wird sich dieses Bild auch nicht ändern. Polier Berthold Bartel, Mitarbeiter des Bamberger Natursteinwerks, erklärte bei einem Turmbesuch der Presse am Dienstag vergangener Woche, dass ein Sachverständiger bei einer Begehung in der Vorwoche weitaus mehr Schäden feststellte als bisher gedacht. Erst nach Sandstrahlarbeiten habe das Problem in Form von Rissen und Schäden vollständig erkannt werden können – es müsse noch mehr raus als zuvor geplant. Manfred Hartmann, Mitglied des Verwaltungsrats der Kirchengemeinde und mit der Betreuung der Baumaßnahme beauftragt, teilte mit, dass die Sanierung nun nicht wie geplant zum Bazar Anfang September fertig werde. Allein die Sandstrahlarbeiten werden mindestens bis Ende September dauern. Das Gerüst werde wohl bis Ende des Jahres gebraucht. Innerhalb von sechs Wochen seien zwölf Kubikmeter Schutt zusammengekommen, rechnete Polier Bartel zusammen. Der Schuttcontainer zu Füßen des Kirchturms war schon wieder gut gefüllt. Wie die schadhaften Teile sind auch die Neuteile aus Neckartaler Sandstein. Einige Vierungen und Meterware wie Gurtgesimse und Hauptgesimse seien bereits erneuert. Die einzusetzenden Teile können bis zu 150 Kilogramm wiegen, keine leichte Aufgabe für die vier Männer am Turm. Da aus Sicherheitsgründen nicht „untereinander“ gearbeitet werden dürfe, seien vier Arbeitskräfte ausreichend. Hartmann erinnerte daran, dass letztes Jahr von Gurtgesimsen Brocken heruntergefallen waren und eine sofortige Absperrung notwendig wurde. Wegen der besonderen Dringlichkeit beteilige sich die Diözese Mainz mit einer größeren Summe an der Sanierung, einen kleineren Teil trage die Kirchengemeinde selbst, ein sechsstelliger Betrag komme vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Eine Chronologie von Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die Hartmann vorlegte, zeigt, dass an der Pfarrkirche St. Michael seit über 200 Jahren immer wieder Arbeiten anstehen. Der Ausbau des Turms und Außenputzarbeiten sind beispielsweise 1926 verzeichnet, von 1988 bis 1990 wurde das Kirchendach einschließlich Schieferkuppeldach und Schieferturmdach erneuert. Der Blick über Bürstadt aus einer Höhe von etwa 35 Metern bis in den Odenwald und zum Pfälzer Wald ist beeindruckend – und ein ganz besonderer Arbeitsplatz. Bis zum Gockel an der Spitze soll der Turm 45 Meter messen. „Drüben über Worms regnet es“ stellte Hartmann weitblickend fest. Später fielen auch ein paar Tropfen in der Sonnenstadt Bürstadt. Hannelore Nowacki
Blick vom Kirchturm St. Michael über Bürstadt Richtung Odenwald. Foto: Hannelore Nowacki